GICHT

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SCHMERZ, LASS NACH!

Zu viel Harnsäure begünstigt Gicht, die von Gelenkentzündungen und heftigen Schmerzen begleitet wird.

Die körperliche Tortur kam plötzlich und wie aus heiterem Himmel. „Ein stechender Schmerz schoss durch den linken Fuß. Das tat höllisch weh und fühlte sich an, als ob ein Nagel durch das Gelenk geschlagen würde“, erinnert sich Michael K. (68) an seinen ersten Gichtanfall vor acht Jahren. Der Fuß wurde rot, schwoll an und reagierte hochempfindlich auf jede Berührung. We- gen der starken Schmerzen, die vom großen Zehengelenk ausstrahlten, konnte sich der pensio- nierte Grafiker nur noch humpelnd fortbewegen. Seitdem wiederholten sich die Anfälle im Ab- stand von ein bis zwei Jahren: „Die Maximalschmerzen dauern rund drei Tage. In den folgenden drei bis vier Tagen klingen sie langsam ab.“


HARNSÄURE-ABLAGERUNG

Ein Übermaß an Harnsäure, medizinisch als Hyperurikämie bezeichnet, ist die Ursache für die Stoffwechselerkrankung Gicht. „Harnsäure entsteht durch den Abbau von körpereigenen oder mit der Nahrung aufgenommenen Stoffen, den Purinen. Bildet der Körper zu viele Purine, schei- det diese nicht ausreichend über die Nieren aus oder wird eine hohe Menge mit der Nahrung aufgenommen, wie etwa mit Alkohol oder Fleisch, steigt der Harnsäurespiegel im Blut und in den Körperflüssigkeiten an“, erklärt der Rheumatologe Dr. Herbert Haschkovitz. Allerdings lösen er- höhte Harnsäurewerte nicht zwingend Gicht aus, führt der Facharzt weiter aus. Es kommt zu Gichterscheinungen, wenn sich Harnsäurekristalle im Gewebe oder in den Gelenken ablagern und dort Entzündungen hervorrufen. Männer sind häufiger von Gicht betroffen als Frauen. „Män- ner erleiden den ersten Gichtanfall zumeist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Frauen häufig

zwischen 50 und 60 Jahren.“


RISIKEN REDIZIEREN

Die Veranlagung zu einer geringen Nierenleistung und einer hohen Harnsäureproduktion und da- mit die höhere Wahrscheinlichkeit, einen Gichtanfall zu erleiden, kann angeboren sein. „Einige Studien zeigen, dass bestimmte Genvarianten zu einem erhöhten Harnsäurespiegel führen und somit auch das Gichtrisiko erhöhen“, sagt der Experte. Auch erbliche Faktoren spielen eine Rol- le. Wer den Anstieg der Harnsäurekonzentration verhindern will, sollte neben dem Vermeiden von Übergewicht vor allem auf die Ernährung achten: Gicht-Patienten wird empfohlen, purinrei- che Lebensmittel wie Fleisch, Wurst, Innereien, Fisch, Meeresfrüchte oder Alkohol stark zu redu- zieren (siehe Interview auf Seite 40). Auch bei Michael K. haben sich durch die Einnahme von Medikamenten und eine Ernährungsumstellung die Harnsäurewerte stark verbessert: „Ich ernäh- re mich jetzt gesünder, esse wenig rotes Fleisch und trinke nur selten Alkohol.“


Jacqueline Kacetl

erschienen in GESUND & LEBEN 10/2020