Arthrose

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Bleiben Sie gelenkig!

Arthrose ist die häufigste chronische Erkrankung des Bewegungsapparates. Doch ein schmerzfreies Leben ist möglich.

Was versteht man unter Arthrose? Einfach gesagt eine Abnützung eines oder mehrerer Ge- lenke. „Das trifft früher oder später die meisten von uns“, sagt Dr. Anton Wukovits, Spezialist für Unfallchirurgie, Sportmedizin und Schmerztherapie. Zunächst sei die degenerative Er- krankung eine natürliche Reaktion auf eine häufige Beanspruchung der Gelenke, die in ei- nem geringen Ausmaß jeden Menschen betreffe. Etwa ab dem 30. Lebensjahr könne sich die Gelenksveränderung jedoch rasant steigern und ein unnatürliches Ausmaß annehmen. „Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einer Verformung des Gelenkes und zu Bewe- gungseinschränkungen bis hin zur Steifigkeit kommen“, warnt Wukovits. Umso wichtiger sei es, Schmerzen ernst zu nehmen und sich rasch medizinischen Rat einzuholen. „Typisch für

die Arthrose ist der sogenannte ‚Anlaufschmerz‘. Das heißt, die ersten Bewegungen tun am meisten weh und der Schmerz verbessert sich erst durch das ‚Einlaufen‘ der Gelenke“, erklärt der Arzt. Darüber hinaus gehören auch Schmerzen durch zu viel Belastung, oft verbunden mit Schwellung oder Überwärmung des Gelenkes, zu den typischen Beschwerden. „Viele Be- troffene hören oder fühlen außerdem ein Gelenksgeräusch.“


Verschleiß bremsen

Prinzipiell kann jedes Gelenk von Arthrose betroffen sein, besonders häufig tritt sie aber im Knie, Sprunggelenk, Finger, Dau- mensattelgelenk oder in der Hüfte auf. „Personen, die aufgrund schädlicher Belastung im Beruf oder im Sport das Gelenk vorzeitig kaputt machen, zählen zur Hauptrisikogruppe. Aber auch nach Traumen, bei Gelenksfehlstellungen oder durch be- stimmte Medikamente kann es zu Arthrose kommen.“ Aus diesem Grund gelte es, den Verschleiß durch möglichst wenig schädliche Belastung oder „Gegenmaßnahmen“ wie Lebensstilmodifikation, Nahrungsergänzungsmittel oder Injektionen zu bremsen, sagt der Mediziner: „Vorbeugende Maßnahmen beginnen bei gesunder Ernährung und wenn nötig Gewichtsre- duktion. Es ist eine einfache Rechnung: Ein Kilogramm Übergewicht bedeutet, dass bei einem Schritt ein Kilo mehr den Ge- lenksknorpel belastet, bei fünf Minuten Gehen sind das bereits 300 kg, bei einer Stunde 3.600 kg – die zum Beispiel mehr auf das Knie einwirken. Beim Laufen können Sie diese Zahl mal zwei oder mal drei nehmen. Wenn Sie also bei fünf Kilo- gramm Übergewicht eine halbe Stunde laufen, können diese fünf Kilogramm 25 Tonnen mehr Gewicht für Ihr Knie bedeu- ten.“ Das heißt aber nicht, dass es besser ist, bei Übergewicht keinen Sport zu machen, warnt Wukovits: „Es kommt auf die Art der Bewegung an. Stop-and-go-Sportarten wie Tennis sind zum Beispiel wesentlich schlechter für die Gelenke als Fahr- rad fahren.“


Neue Methoden

Ernährung, Gewichtsreduktion, gesunde Bewegung und mentale Strategien sind wichtige Säulen der Arthrose-Therapie. Darüber hinaus gibt es verschiedene Operationen, die je nach Schweregrad zum Einsatz kommen können. „Die kleinste Möglichkeit ist die Gelenksspiegelung über zwei kleine, je fünf Millimeter große Zugänge. Die Maximalversion ist der kom- plette Gelenksersatz. Im ersten Fall liegt bei der Patientin, dem Patienten nur eine kleine zerstörte Struktur vor – wie ein Teil des Knorpels oder Meniskus. Im letzteren Fall ist das ganze Gelenk ‚kaputt‘. Nachdem aber der Schmerz nicht immer mit dem Schweregrad der Arthrose korreliert, liegt es an der Ärztin oder dem Arzt, gemeinsam mit der Patientin oder dem Pati- enten die Indikation zur OP zu stellen“, erklärt Wukovits. Doch auch neue Behandlungsmethoden geben Hoffnung. Dazu zählen die Eigenbluttherapie, das Injizieren von Hyaluronsäure oder die Stammzellentherapie. Bei letzterem werden Stamm- zellen aus dem Bauchfett extrahiert und in den beschädigten Knorpel eingefügt, wodurch er sich wieder aufbauen kann und Schmerzen gelindert werden. Arthrose ist zwar nicht heilbar, aber mit der richtigen Behandlung ist ein schmerzfreies Leben möglich.

erschienen in GESUND & LEBEN 03/2021