Herz

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Herzsache

Herzkrankheiten zählen in den Industrienationen zu den häufigsten Todesursachen. Ein gesunder Lebensstil schont das Herz und reduziert die Risiken.

Es war ein Tag wie jeder andere. Wäre da nicht dieses seltsame Stechen beim Gehen gewesen, das Dieter S. nervös machte. „Ich dachte anfangs, es könnte Sodbrennen sein. Aber jedes Mal ist der stechende Schmerz bei stärkerer Belastung wie beim Bergaufgehen wiedergekommen. Da wusste ich, dass etwas nicht in Ordnung sein kann.“ Es folgte ein Besuch beim Internisten, aber die Ergebnisse der Untersuchungen waren nicht eindeutig. Erst die Herzkatheter-Untersuchung im Krankenhaus, bei der mithilfe eines dünnen Kunststoffschlauches die Herzstrukturen und Herzkranzgefäße begutachtet werden, brachte Klarheit: Bei dem 58-Jährigen wurde eine Hauptstammstenose, eine Verengung des Hauptstammes der linken Herzkranzarterie, festgestellt. Da diese bereits stark fortgeschritten war, gefährdete sie die Durchblutung des Herzmuskels. Der Chirurg riet zu raschem Han- deln, um einen drohenden Infarkt durch einen Verschluss der Herzkranzgefäße zu verhindern. Dieter S. musste sich einer By-

pass-Operation unterziehen. Die Engstellen in den Arterien werden durch das Einset- zen von Gefäßbrücken umgangen, um die lebensnotwendige Sauerstoffversorgung des Herzens wiederherzustellen.


Schädliche Ablagerungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in westlichen Ländern die häufigste Todesursache. Koronare Herzkrankheiten haben daran einen wesentlichen Anteil. Deren Ursache liegt in der Arteriosklerose (umgangssprachlich Arterienverkalkung), bei der sich durch Ab- lagerungen an den Gefäßwänden Engstellen bilden. Der Blutstrom in den Herzkranzge- fäßen wird durch die Verengung behindert, wobei der Herzmuskel nicht mehr ausrei- chend Sauerstoff und Nährstoffe erhält. Damit sind häufig Symptome wie plötzliche Schmerzen im Herzbereich sowie ein Gefühl von Brustenge (Angina pectoris) verbun- den. Wegen der mangelhaften Durchblutung des Herzens machen sich die Schmerzen besonders bei körperlicher Belastung bemerkbar. Die Folgen können fatal sein: Es dro- hen Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und im schlimmsten Fall ein Herzinfarkt. Solche Schmerzen dürfen keinesfalls ignoriert werden, warnt Kardiologe Dr. Johannes Mikl: „Bei heftigen und anhaltenden Schmerzen, die vielleicht sogar mit Schweißaus- brüchen oder Übelkeit verbunden sind, sollte man sofort die Rettung rufen. Es könnte sich um eine lebensbedrohliche Situation wie einen Herzinfarkt, eine Lungenembolie oder einen Riss in der Körperschlagader handeln.“ Bei einem belastungsabhängigen Stechen im Brustkorb rät Mikl zum dringenden Besuch einer Internistin oder eines In- ternisten, um die Ursachen abzuklären.


Das Herz schützen

Dieter S. ist die schnelle Reaktion auf die wiederholt auftretenden Schmerzen gesund- heitlich zugute gekommen. Nur wenige Wochen verstrichen von der ersten Schmerz-

wahrnehmung bis zur lebensrettenden Bypass-Operation. „Danach habe ich mich wochenlang geschwächt durch die Gegend geschleppt und mir war oft schwindlig“, erzählt er. Strikt befolgte der Redakteur die Empfeh- lungen der Ärztinnen und Ärzte und legte täglich eine Strecke zu Fuß zu- rück. Nach dem Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum ging es ge- sundheitlich weiter bergauf.

Mehr als zwei Jahre nach der Herzoperation geht es ihm heute gut: „Ich esse wenig Fleisch, habe den Zigarettenkonsum weitgehend reduziert und gehe regelmäßig ins Fitnesscenter oder fahre mit dem Mountain- bike.“ Wegen seiner hohen Blutfettwerte, einer sogenannten Hyperlipidä- mie, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt, muss Dieter S. chole- sterinsenkende Medikamente einnehmen. Neben dem LDL-Cholesterin, das im Volksmund als „schlechtes Cholesterin“ bekannt ist, stellen auch Nikotinkonsum, Übergewicht, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Bewe- gungsmangel, Stress und die Ernährung mit vielen tierischen Fetten Risi- kofaktoren für das Herz dar. Ärztinnen und Ärzte raten daher, die Herzge- sundheit rechtzeitig zu stärken. Dazu gehört ein gesunder Lebensstil mit regelmäßigem Ausdauer- und Krafttraining, Ernährung mit viel Obst und Gemüse, der Konsum gesunder Fette sowie der Verzehr von wenig Salz und Zucker (siehe Ernährungstipps Seite 33), Nikotinverzicht und Stress- abbau – etwa durch Entspannungsübungen oder Meditation.

Bei Menschen, die einen Herzinfarkt, einen Herzstillstand oder eine By- pass-Operation überstanden haben, treten häufig depressive Störungen auf. „Aus meiner Schätzung ist jeder Dritte nach einem Herzinfarkt von einer Depression betroffen“, sagt der Kardiologe Mikl, der im Rehabilitati- onszentrum Felbring im Vorjahr eine stationäre psychokardiologische Re- habilitation ins Leben gerufen hat (siehe Interview Seite 32). „Den Patien- tinnen und Patienten kommt danach langsam zu Bewusstsein, dass sie hätten sterben können. Manche kommen selber aus dem Tief, aber eini- ge tun sich schwer damit.“

Schauen und hören Sie rechtzeitig auf Ihr Herz, behalten Sie Ihre Herzge- sundheit im Blick.


Jacqueline Kacetl

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2020

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