FASTEN

Fasten zwischen Religion & Lifestyle

Fasten scheint für viele ein bewährter Weg zu sein, Körper, Seele und Geist in Einklang zu bringen.

Foto: adobe stock/ Tanya Joy

Fasten hat jede Menge gesundheitliche Vor-

teile. Es reinigt und erneuert Körper und Geist.

Die positiven Wirkungen des Fastens auf die Gesundheit sind bereits seit Jahrhunderten bekannt: Hippokrates, dem griechischen Arzt des Altertums und Vater der Heilkunde, wird folgende Aussage zugeschrieben: „Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.“ Heute widmen sich immer mehr medizinische Studien dem Thema Fasten, es gewinnt in unserer Gesellschaft derzeit wieder an Bedeutung. Und das hat gute Gründe.

Auch in Österreich, Deutschland und der Schweiz wird gefastet – heute mehr denn je. Dabei war es der Arzt Dr. Otto Buchinger, der vor rund 60 Jahren das Heilfasten begründete. Der Militärarzt litt selbst an schwerem Gelenksrheuma und war an den Rollstuhl gefesselt. Zwei Fastenkuren konnten ihn vollständig heilen. Er begründete die in Mitteleuropa übliche Methode des Heilfastens.

Fasten im Kloster Fasten wird in unseren Breiten immer beliebter – und fast schon zum Lifestyle-Event: Im Waldviertel zwischen Horn und Geras steht das Kloster Pernegg. Dieses bietet Fastenkurse und einen Ort der Stille und des Rückzugs für Gestresste an. Laut Kloster-Geschäftsführer Klaus Rebnig ist das Interesse am Fasten und der Zustrom zu den begleiteten Fastenwochen in Pernegg „in den letzten 15 Jahren geradezu explodiert“. Dabei wirkt das Angebot dessen, was man dem Körper in den Klostertagen zuführen darf, außerordentlich spartanisch: Etwa 70 Prozent der Kurse sind Saftfasten-Wochen nach Buchinger, bei denen die Teilnehmenden komplett auf feste Nahrung verzichten. Um mit dem radikalen Nahrungsentzug zurecht zu kommen und auch den Geist zu entlasten, werden die Fastenden dabei von zertifizierten Fastenbegleiterinnen und -begleitern betreut.

So gibt es zum Beispiel Wochen mit dem Schwerpunkt Yoga, Faszientraining oder gemeinsames Wandern. Auch an das Autophagie-Fasten kann man sich in Pernegg mit Begleitung durch Experten gewöhnen. Bei diesem Kurs werden dem Körper 16-stündige Essenspausen gegönnt, was die Autophagie-Prozesse und somit die Zellerneuerung im Körper anregen soll.


Stoffwechsel ankurbeln

Beim Menschen setzt Autophagie nach etwa 13 bis 16 Stunden ohne Nahrung ein. Eine Methode, um 16 Stunden ohne Nahrungsaufnahme zu bleiben, ist das Dinner-Cancelling: Je nach Frühstücks-Zeit isst man zuletzt zu Mittag. Ein anderer Weg ist es, das Frühstück auszulassen und sich mit Kaffee oder Tee bis zum Mittagessen über die Runden zu retten. Mit dem Thema Autophagie bekommen Menschen, die prinzipiell nicht frühstücken können oder wollen, ein gutes Argument für ihre Gewohnheiten an die Hand. Mit dem 16-Stunden-Nahrungsentzug kann man leicht experimentieren. Wer dies eine Zeitlang tut, kann damit angeblich den Stoffwechsel ankurbeln, den man durch Diäten und den folgenden Jojo-Effekt möglicherweise durcheinander gebracht hat. Idealerweise macht man vorab einen Gesundheits-Checkup und bespricht die Vorgehensweise mit einer Expertin oder einem Experten.


Fasten und Krebs

Hat Fasten auch einen Einfluss auf die Behandlung von Krebs? Aktuelle Studien, zum Beispiel von Dr. Valter Longo aus den USA, weisen in diese Richtung: Menschen, die vor einer Chemotherapie fasteten, vertrugen diese Behandlung besser und hatten deutlich weniger Nebenwirkungen als Menschen, die normal aßen.

Doch noch gibt es nicht genug Daten, um Krebspatienten das Fasten empfehlen zu können. Im Gegenteil: Gerade eine Krebserkrankung kann zu einem drastischen und gesundheitsgefährdenden Gewichtsverlust führen. Zu diesem Thema wird derzeit am Universitätsklinikum Krems geforscht. In jedem Fall sollte man darüber vorab mit dem Behandlungsteam sprechen.

Generell scheint Fasten für viele Menschen ein bewährter Weg zu sein, Körper, Seele und Geist in Einklang zu bringen und neue Energie zu tanken. Denn Fasten hat jede Menge gesundheitliche Vorteile und reinigt und erneuert Körper und Geist. Sei es durch den Verzicht auf soziale Medien, auf alkoholische Getränke oder auf Nahrung.


Sonja Loos

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2019