NACHHALTIGKEIT

Dem Klima zuliebe

Spätestens seit dem Start der „Fridays for future“-Bewegung ist das Thema Klimaschutz nicht mehr zu überhören. GESUND&LEBEN versorgt Sie daher ab sofort in jeder Ausgabe mit Tipps und wert- vollen Informationen rund um einen nachhaltigen Lebensstil.

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Der vergangene Sommer geht als zweitheißester seit Beginn der Aufzeichnungen in die Geschichte ein. Und doch ist er kein außergewöhnlicher Sommer, denn laut Prognosen wird sich die Anzahl der Hitzetage bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln. Lange beschäftigte sich kaum jemand mit dem Thema Klima- schutz, doch nun hat der Klimawandel die Erde fest im Griff. Zu spät ist es noch nicht: Es gibt große und kleine Dinge, die jeder tun kann. Und damit befasst sich GESUND&LEBEN ab sofort in jeder Ausgabe.

Bereits seit 2007 ist Klimaschutz in Niederösterreich in der Verfassung verankert. Es gibt 352 Klimabündnis- Gemeinden in Niederösterreich; einen Beitrag fürs Klima leistet auch die Aktion „Natur im Garten“. Der Strom in den niederösterreichischen Haushalten stammt zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie. Und trotzdem scheint unser Klima gerade 2019 das dominierende Thema zu sein: Schülerinnen und Schüler verbringen Freitage demonstrierend auf der Straße, anstatt in die Schule zu gehen. Greta Thunberg segelte zwei Wochen nach New York, anstatt zu fliegen. Reparatur-cafés nehmen Fahrt auf, Direktvermarkter erfreu- en sich immer größer werdender Beliebtheit und dem Plastik wird der Kampf angesagt. Aber was hat das alles mit Gesundheit zu tun?


Ein untrennbares Doppel

Es sind die Folgen des Klimawandels, die unserer Gesundheit mehr und mehr zusetzen. Die Hitzetage wer- den sich verdoppeln – und die Menschen immer mehr an diesen Temperaturen leiden. Mittlerweile gibt es mehr Hitzetote als Verkehrstote. Auch in der Nacht wird bemerkbar, dass sich das Klima verändert. Soge- nannte Tropennächte mit Temperaturen über 20 Grad werden häufiger und bringen gesundheitliche Risi- ken, denn an ein Wohlfühlklima während des Schlafes ist nicht mehr zu denken. Und nicht zuletzt die Pol- lenbelastung: Das Allergen Ragweed (in Traubenkraut und Ambrosia enthalten) ist extrem aggressiv und fühlt sich bei den Witterungsbedingungen besonders wohl. Das Klima und die Gesundheit sind fast un- trennbar miteinander verbunden. Das Gute an diesen schwarzmalerischen Prognosen? Noch hat jeder die Chance, sein Verhalten positiv zu

verändern und damit seine eigene Gesundheit, aber auch das Klima zu verbessern.


Man ist, was man isst

Fangen wir bei der Ernährung an. Eine ausgewogene Ernährung nach der österreichischen Ernährungspy- ramide sollte die Grundlage sein. Klimafreundlich wird es dann, wenn man auch auf die Herkunft der Le- bensmittel achtet: „In der Champions League spielt man mit, wenn man auf regionale, saisonale und quali- tativ hochwertige Lebensmittel zurückgreift“, sagt Dr. Christa Kummer, Klimatologin und Hydrogeologin. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit den Themen Klima, Wetter und Gesundheit und hält Vorträge dazu. Beim Thema Ernährung plädiert die erfahrene Expertin an den Konsumenten: „Wir haben es in der Hand, Regio- nalität und saisonale Produkte ins Einkaufswagerl zu legen.“ Gleichzeitig wirkt sich diese automatisch ge- sündere Ernährung auch auf unsere Psyche aus – denn „man ist, was man isst“. Nachhaltig können wir aber auch gestalten, wie wir uns fortbewegen. Wer zu Fuß geht oder mit dem Rad fährt, verbessert seine eigene Gesundheit. Und schont gleichzeitig das Klima. Nachhaltigkeit lässt sich auf viele  verschiedene Bereiche ausdehnen – sei es Wohnen, Kosmetik, Reisen oder Kleidung. Eines ist aber sicher: Wer damit beginnt, sein Leben nachhaltiger zu gestalten, der stellt sein eigenes Konsumverhalten auf den Prüfstein.


Brauche ich das wirklich?

Vor jedem Kauf sollte man daher überlegen, ob der neue Gegenstand hochwertig und reparaturfähig ist. Und sich noch weitere Fragen stellen: „Brauche ich das? Wenn ja, kann ich es mir ausleihen? Und wenn ich es mir wirklich kaufen möchte – wie schaffe ich das unter nachhaltigen Kriterien?“, zählt Christa Ruspeck- hofer, Leiterin des Bereiches Umwelt & Mobilität der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ, auf. Wer auf sein Konsumverhalten achtet, fängt meist auch damit an, kleine regionale Kreisläufe zu unterstützen. Denn darum geht es auch bei Nachhaltigkeit – es ist mehr, als das Klima zu schützen: „Denken wir auch an die soziale Dimension. Daran, dass Kleidung nicht mit Kinderarbeit hergestellt werden soll zum Beispiel“, sagt Ruspeckhofer.


50 Prozent wollen Klima schützen

Um all das auch umzusetzen, braucht es vor allem eines: Achtsamkeit. Achtsamkeit uns selbst gegenüber, um zu beobachten, wie man mit sich und seinem Körper umgeht. Denn das strahlt auf die Umwelt aus, sagt Christa Kummer: „So, wie ich mit mir umgehe, so gehe ich auch mit meiner Umwelt und mit meinem Nächsten um. Lernen wir daher, Zeit und wertvolle Lebensmittel zu schätzen. Nicht industrielle Fertigpro- dukte, sondern selbst zubereitete gesunde Speisen mit Seele tun uns gut.“ Dass das Thema Nachhaltigkeit in den Köpfen der Menschen angekommen ist, zeigen die Ergebnisse einer Umfrage: 50 Prozent der Ver- braucher denken über Klimaschutz nach. Es sind aber nur zehn Prozent aller Konsumenten, die wirklich et- was an ihrem Verhalten ändern. Warum ist es so schwer, sein Leben dem Klima zuliebe zu verändern? „Wir spüren die Auswirkungen unseres Verhaltens selten direkt und unmittelbar, das macht es uns schwer, alte Konsumgewohnheiten konsequent zu ändern. Oft sind es auch unzureichende und widersprüchliche Infor- mationen oder das Gefühl, alleine wenig erreichen zu können“, sagt Christa Ruspeckhofer. Das möchte GE- SUND&LEBEN ändern: Wir versorgen Sie ab sofort in jeder Ausgabe mit Beiträgen und Tipps rund um die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. In dieser Ausgabe starten wir mit dem Thema Ernährung. Neh- men Sie sich Zeit und machen Sie sich Gedanken über das Klima – es wird Ihnen gut tun.


Daniela Rittmannsberger

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2019