GVA,KUR & REHA IN NÖ

Dr. Kerstin Klimt, Ärztliche Leiterin des Badener Hofs

Das Team des Badener Hofs bemüht sich um einen optimal auf den Patienten abgestimmten Therapieplan.

FotoS: Badener KurbetriebsgesmbH/Meier

Vorsorge kennt kein Alter

Gesundheitskompetenz erwerben und Prävention fördern – das ist das Ziel der Gesundheitsvorsorge Aktiv (GVA).

Probleme mit dem Bewegungs- und Stützapparat sowie der psychischen Gesundheit zählen zu den häufigsten Gründen für lange Krankenstände und Frühpensionierungen. Durch das häufige und oft falsche Sitzen vor dem Computer und Bewegungsmangel leiden auch immer mehr junge Menschen an chronischen Schmerzen. Die Corona-Krise hat viele dieser Beschwerden zusätzlich verstärkt: Bei manchen  haben sich Existenzängste, innere Unruhe, Homeoffice und ungesunde Ernährung negativ auf die körper- liche und mentale Gesundheit ausgewirkt. Dann kann gerade jetzt der richtige Zeitpunkt sein, eine nachhaltige Veränderung des Lebensstils anzustreben.


Mehr gesunde Lebensjahre

Hier setzt die Gesundheitsvorsorge Aktiv (GVA) an. Das Programm löst schrittweise die herkömmliche Kur ab und legt einen be- sonderen Fokus auf Prävention. Insgesamt soll die GVA zu einem verbesserten Lebensstil und einer gesteigerten Lebensqualität beitragen und mehr gesunde Lebensjahre bringen. Im Vergleich zum bisherigen Kurmodell stehen mehr Aktivtherapien am Pro- gramm. Zusätzlich werden je nach medizinischer Notwendigkeit die Bewegungsoptimierung, die Bewegungsmotivation und die mentale Gesundheit der Patientinnen und Patienten besonders gefördert. Seit 2018 wird die GVA unter anderem im Gesundheits- und Kurhotel Badener Hof angeboten. Dort kümmert sich ein interdisziplinäres Team in enger Zusammenarbeit um das Wohl der Patientinnen und Patienten. „Bereits vorab erhalten unsere Gäste Fragebögen zu ihrem aktuellen Gesundheitszustand. So können wir ihren Aufenthalt auf ihre jeweiligen Bedürfnisse abstimmen“, erklärt die Ärztliche Leiterin des Badener Hofs, Dr. Kerstin Klimt. Vor Ort erstellen die Kurärztinnen und -ärzte nach einer Erstuntersuchung und einem klärenden Gespräch einen auf den Patien- ten abgestimmten Therapieplan. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten, wie Massagen, elektrophysikalische Anwendungen, Heilpackungen- und Bäder sowie eine Trink- und Inhalationskur, zur Auswahl. „Bei einem jungen, berufstätigen Patienten mit chro- nischen Kreuzschmerzen, der regelmäßig Sport treibt und durch seinen Bürojob zum Beispiel einer permanenten Fehlbelastung der Bandscheiben ausgesetzt ist, planen wir etwa ein Bewegungs-Modul, bestehend aus Heil- und Wassergymnastik, Ausdauer- training und Krafttrainings-Zirkel. Schwefelpackungen und Medizinal-Bäder sowie Stromtherapie- und Entspannungseinheiten hel- fen zusätzlich dabei, neue Kraft zu tanken und fit ins Berufsleben zurückzukehren“, erklärt Klimt.


Ziele erreichen

Sein bestes und gesündestes Selbst zu werden ist die Motivation vieler Menschen, die einen GVA- oder Reha-Aufenthalt antreten. Dabei spielt auch gesunde Ernährung eine tragende Rolle. „Zu Beginn eines jeden Aufenthalts messen wir den BMI unserer Pati- enten und analysieren die persönliche Körperzusammensetzung aus Muskeln, Fett und Wasser. Diätologinnen und Diätologen helfen bei der Zusammenstellung eines Ernährungsplans und geben Tipps, wie man sich auch im Alltag gesund ernähren kann. Unsere Küche unterstützt mit drei verschiedenen Menüs – darunter ein Vital-Menü – bei der Gewichtsabnahme“, betont die Ärztli- che Leiterin. Auch eine Rauchentwöhnung ist auf Wunsch möglich. Zusätzlich setzt der Badener Hof Schwerpunkte im komple- mentärmedizinischen Bereich. Gäste können Akupunkturbehandlungen, ayurvedische Therapien und Ganzkörpertrainings wie Yoga, Pilates oder Qigong privat in Anspruch nehmen.


Gelbes Gold

Ein spezieller Fokus des direkt an die Römertherme Baden angebundenen Hotels liegt auf dem Schwefelheilwasser. Dieses wird auch als „Gelbes Gold“ bezeichnet und steht im Mittelpunkt der Heiltradition in Baden. „Dem Schwefelheilwasser wird eine aus- gezeichnete antioxidative und entschlackende Wirkung nachgesagt. Es leistet einen wertvollen Beitrag in der Prävention chroni- scher Zivilisationserkrankungen. Außerdem haben Studienergebnisse gezeigt, dass Schwefelheilwasser zur Senkung des LDL- Cholesterins beitragen kann. Je höher der LDL-Wert ist, desto höher ist auch das Risiko einer Gefäßverkalkung“, erklärt Klimt. In Form von Bädern, Trinkkuren, Heilschlammauflagen und Schwefelmoorpackungen kommt das wertvolle Heilwasser unter ande- rem bei degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Rheuma, Nervenschmerzen, Durchblutungsstörungen oder chro- nisch-entzündlichen Prozessen des Urogenitaltraktes zum Einsatz.


Zurück in den Alltag

Um die gesunden Gewohnheiten auch nach der dreiwöchigen GVA beizubehalten, geben die Therapeutinnen und Therapeuten während des Aufenthalts zahlreiche Anleitungen für die gesunde Ernährung und Bewegung zuhause. Außerdem bekommen Pati- entinnen und Patienten Kontakte von Anlaufstellen mit auf den Weg, bei denen sie auch zurück im Alltag Unterstützung finden. Dr. Klimts Tipp: „Gesundheitsvorsorge kennt kein Alter. In unserer stressigen Gesellschaft sollte man früh genug damit beginnen, Körper, Psyche und Geist zu stärken – für ein langes, gesundes und selbstbestimmtes Leben.“


Michaela Neubauer

erschienen in GESUND & LEBEN 09/2020