Schnelltest

FotoS: zvg, siemens

Schnell getestet

Neben den Covid-19-Impfungen ist eine ausgereifte Teststrategie der wichtigste Baustein im Kampf gegen die Pandemie.

Geht es um den Nachweis von Viruserkrankungen, so stehen verschiedene diagnosti- sche Werkzeuge zur Verfügung: Zum einen der „direkte Erregernachweis“, bei welchem das Virus oder Bestandteile davon im Probenmaterial nachgewiesen werden. „In der modernen Labormedizin hat sich hier die PCR (Polymerase-Chain-Reaction) als beson- ders leistungsfähig zum Nachweis kleinster Virusmengen bewiesen. Zudem lässt sich damit auch gleichzeitig eine große Probenanzahl in einem Untersuchungsgang analy- sieren. Der Nachteil hierbei liegt jedoch in der langen Bearbeitungszeit von rund drei bis fünf Stunden“, erklärt Prim. Dr. Harald Rubey, Institutsleiter für medizinische und chemi- sche Labordiagnostik und Blutbank am Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf.

Weitaus schneller funktioniere das Auswerten von Antigen-Tests („Schnelltests“), bei dem neben dem Teststreifen bzw. der Testkassette zumeist keine aufwändigen Geräte erforderlich sind und das Ergebnis nach 15 bis 20 Minuten sichtbar wird. Die letzten Ok- tober auf den Markt gebrachten Schnelltests basieren ebenfalls auf dem Prinzip des di- rekten Erregernachweises, wobei hier eine möglichst unverwechselbare Proteinstruktur des Virus durch die Bildung eines spezifischen Antigen-Antikörper-Komplexes nachge- wiesen wird. Da es hier jedoch zu keiner Vermehrung des Virusmaterials kommt, liege die Nachweisgrenze beim Antigen-Test deutlich höher, betont Rubey. „Das bedeutet, dass der Antigen-Test auf SARS-CoV-2 erst beim Vorliegen der rund 100 bis 1.000-fa- chen Virusmenge gegenüber der PCR ein positives Ergebnis liefert.“

Im Gegensatz dazu kann beim „indirekten Erregernachweis“ die Reaktion des Immun- systems auf eine Infektion untersucht werden. „Beim Kontakt mit dem Virus bildet unser Abwehrsystem Immunglobuline, die gemeinsam mit den Abwehrzellen gegen das Virus kämpfen. Diese spezifischen Immunglobuline können im Antikörper-Test nachgewiesen werden, wobei zumeist auch eine Aussage über das Stadium der Virusinfektion ge- macht werden kann. Für eine Frühdiagnostik ist aber der Antikörper-Test bei der Covid- 19-Erkrankung nicht geeignet“, erklärt der Labormediziner.


Rasch verfügbare Ergebnisse

Während der PCR-Test im Krankenhaussetting aufgrund seiner hohen Sensitivität nach wie vor als „Gold-Standard“ gilt, geht die- ser auch mit einem hohen Ressourcenaufwand einher. „PCR-Untersuchungen können nur von Spezialistinnen und Spezialisten mit kostenintensiven Geräten und umfangreichem Materialeinsatz von den Reagenzien bis zu den Arbeitsplatten und Pipetten- spitzen durchgeführt werden“, gibt Rubey zu bedenken. Antigen-Schnelltests benötigen hingegen kaum Hilfsmittel und können auch von geschulten Laien durchgeführt werden. Die rasch verfügbaren Ergebnisse können Prozessabläufe unterstützen, indem ein Zeitfenster bis zum Vorliegen eines PCR-Ergebnisses geschaffen wird und zumindest eine höhere Infektiosität ausgeschlos- sen werden kann. „Die größte Herausforderung liegt jedoch beim Untersuchungsmaterial“, meint Rubey. Die über die Luft ver- breiteten Viren besiedeln zunächst den oberen Nasen-Rachen-Raum und dringen in die Schleimhaut ein, um sich dort zu ver- mehren. Dementsprechend wird in diesem Bereich die größte Virusmenge gefunden.

Damit diese auch im Abstrichröhrchen ankommt, muss die Entnahmetechnik entsprechend beherrscht werden. „Da der ‚naso- pharyngeale Abstrich‘ nur von entsprechend geschulten Personen durchgeführt werden kann, wird schon lange nach einfache- ren Alternativen gesucht. Das ‚Neue‘ sind jedoch nicht Tests mit verbesserten Eigenschaften, sondern der Einsatz von leichter bzw. durch Laien gewinnbarem Material, welches jedoch mit einer geringeren Virusausbeute einhergeht und somit die Nach- weisgrenze für ein positives Testergebnis noch weiter nach oben verschiebt“, gibt Rubey zu denken. Prinzipiell, sagt der Labor- mediziner, sind Schnelltests mit hoher Testfrequenz ein geeignetes Mittel, um Infektionen aufzudecken und große Clusterbildun- gen zu vermeiden. Und ergänzt: „Es darf aber nicht vergessen werden, dass ein negatives Ergebnis – egal ob PCR- oder Anti- gen-Test – immer nur eine Momentaufnahme für einen Infektionsstatus ist.“


Michaela Neubauer

erschienen in GESUND & LEBEN 03/2021