SERIE PFLANZEN

Farbenrausch in Orange

Ringelblumensalbe


2 Handvoll Ringelblumenblüten, Olivenöl,

50g Bienenwachs

Zubereitung: Die Blütenblätter der Ringelblumen in einen Kochtopf geben, mit Olivenöl bedecken und langsam erwär- men. Den Olivenöl-Sud rund 20 Minuten auf kleiner Stufe ziehen lassen. In einem extra Topf das Bienenwachs erwär- men. Die Ringelblumenblüten durch ein feines Tuch absei- hen, das entstandene Ringelblumen-Öl langsam ins Bienen- wachs einrühren. Die Salbe ist jetzt noch flüssig und wird in sterilisierte Gläser abgefüllt. Nach kurzer Zeit verfestigt sich die Flüssigkeit und wird cremig.*

Eine kleine Geschichte über die Ringelblume.

FotoS: istockphoto/Alex Raths, *Quelle: www.natuerlich-hausgemacht.at

Eine Geschichte über die Ringelblume sollte mit ihrer Farbe beginnen, der „Farbe der Wärme und Wonne, der Glut und der untergehenden Sonne“, wie Goethe sie beschrieb. Mächtig und herrlich sei dieses „Rothgelb“, angenehm und heiter, so der Schöpfer einer Farbenlehre, die vor mehr als zweihundert Jahren entstand. Damals nannte man die Farbe Orange noch nicht Orange und die Ringelblume hieß Dannblaume, Haussonnenwirbel, Morgenröte oder Warzenkraut.


Gesundheitspflanze

Tatsächlich hatte schon Hildegard von Bingen die „Ringula“ oder „Ringella“, wie sie die kraftvolle Blume nannte, hoch geschätzt, sie im Klostergarten kultiviert und als eine der wirksamsten Heilpflanzen genutzt. Im Mittelalter galt sie als probates Mittel gegen Verdauungsbeschwerden und Mischungen aus Ringelblumen-

blüten und Schweineschmalz als wichtigste entzündungshemmende Arznei. Auch heute ist die Ringelblume eines der bedeutendsten Heilkräuter, das auch wissenschaftlich anerkannt ist – zum Beispiel als wirksam bei Entzündungen von Haut und Schleimhäuten und bei leichten Biss-, Quetsch- und Brandwunden. Heilenden Einsatz findet sie aber auch bei Asthma, Husten, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Angstzuständen und „Frauenleiden“ wie Wechseljahrsbeschwerden, unregelmäßigem Zyklus oder Regelschmerzen.


Wetterprophetin

Die Bauern wiederum schätzen die „Calendula“, weil sich mit ihrer Hilfe das Tageswetter voraussagen lässt, denn sind die Blüten der Ringelblume schon zwischen sechs und sieben Uhr morgens geöffnet, so verspricht dies nach einer alten Regel einen sonnigen Tag, während man mit Regen rechnen muss, wenn die Blüten nach sieben Uhr noch geschlossen sind.


Zwischen Leben und Tod

In ganz andere Gefilde führt ein weiterer Name: Früher wurde die Ringelblume auch als „Totenblume“ bezeichnet. Vor noch nicht allzu langer Zeit war es Brauch, Gräber mit Ringelblumen zu schmücken – vielleicht weil diese als lebendiges Gegenbild zum Tod gelten. Ringelblumen wurden nach altem Brauch den Toten mit ins Grab gelegt und manch einer hält die Pflanze auch für eine Mittlerin zwischen den Menschen und ihren verstorbenen Lieben.


Liebeszaubermacht

Womit wir auch schon bei der Liebe sind: Gräbt nämlich – so sagt man – eine Frau die Erde aus, auf der sich der Fußabdruck des von ihr Begehrten findet und füllt sie in einen Blumentopf, in dem sie daraufhin eine Ringelblume pflanzt, wird die Liebe des Begehrten entflammen. Überliefert ist außerdem der Glaube an das rotgelbe Liebesorakel: Die mit den Worten „er liebt mich, er liebt mich nicht“ eines nach dem anderen gezupften Blütenblätter der Ringelblume verraten beim letztgezupften Blatt, ob der oder die Angebetete die Liebe erwidert.


Verwandeltes Mädchen?

Wer dieses Orakel zum ersten Mal befragte, ist nicht überliefert, doch eine traurig-schöne Geschichte zum möglichen Ursprung der Ringelblume sehr wohl: Ovid berichtet in den „Metamorphosen“ von einer gewissen Clytia, die sich in den Sonnengott Apollo verliebt hatte. Dieser verschmähte sie allerdings einer anderen wegen, woraufhin sie sich nackt auf einen Felsen niedersetzte, nichts mehr aß und trank und nur mehr in die Sonne starrte und ihr Unglück beklagte. Nach neun Tagen aber – so heißt es in dem berühmten Werk – wurde ihr Liebeskummer zu gelben und braunen Farben: Sie wurde in eine Blume verwandelt, die ihre Blüte stets nach Apollos Sonnenwagen drehte.



Gabriele Vasak

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 06/2019