GVA,KUR & REHA IN NÖ

Nach ärztlicher Verordnung wird ein individuell maßgeschneiderter Therapieplan mit aktiven heilgymnastischen Übungen, Kraft- und Ausdauertraining sowie Sensomotorik angeboten.

FotoS: Badener KurbetriebsgesmbH/Meier

Gelbe Kraftquelle

Jod-Schwefelbäder sind wahre Gesundheitsbrunnen: Sie helfen bei rheumatischen Beschwerden und Hauterkrankungen.

Seit der Antike sind Schwefelthermalbäder beliebt: Schon die Römer wussten die heilende Wirkung des Schwefelwassers auf die Gelenke und die Haut zu schätzen. Obwohl der ihm eigene stechende Geruch oft als unangenehm wahrgenommen wird, gibt das als „gelbes Gold“ bezeichnete Schwefelheilwasser der Gesundheit einen neuen Kraftschub. „Die medizinischen Wirkungen von Schwefelheilwässern sind gut un- tersucht und wissenschaftlich bewiesen“, bestätigt Dr. Wolfgang Marktl, Präsident der Wiener Internationa- len Akademie für Ganzheitsmedizin (GAMED) in einer Studie über Schwefelwasser. In dieser Hinsicht ist das Kurzentrum Ludwigstorff  in Bad Deutsch-Altenburg einzigartig, weil dessen hauseigene Quellen ös- terreichweit die höchste Schwefelkonzentration aufweisen und auch Jod enthalten. Heilwässer dieser Art sind selten und außergewöhnlich. Dr. Gabriele Eberl, Rheumatologin und Ärztliche Leiterin im Kurzentrum Ludwigstorff erklärt: „Das Wasser in Bad Deutsch-Altenburg stammt aus drei lokalen Quellen, dem 134 Meter tiefen Direktionsbrunnen, der Schlossquelle in 70 Metern Tiefe und dem Kaiserbadbrunnen, der 1959 in Betrieb genommen wurde.“


Ruhe-Bad im Schwefelwasser

Das Schwefelheilwasser sprudelt mit einer Temperatur von zirka 37 bis 39 Grad in eine Wanne, in der die Patienten rund 15 Minuten ruhen. Durch die wohlige Wärme des Wassers entspannen sich die Muskeln, die Haut wird besser durchblutet und der Stoffwechsel aktiviert. Weil das Schwefelbad für Herz und Kreis- lauf anstrengend ist, sollte man danach eine Ruhepause einlegen. Über die Haut und die Atemwege ge- langt der Schwefel in den Körper. „Mit seiner Heilkraft hat das Schwefelwasser neben unseren aktiven und passiven Therapien bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, aber auch bei Erkrankungen der Haut einen besonderen Stellenwert“, bestätigt Dr. Eberl. Bei Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Neurodermi- tis lindert der in die Haut eindringende, gelöste Schwefelwasserstoff den Juckreiz, führt zu Verbesserun- gen der erkrankten Hautstellen und kann im besten Fall eine komplette Abheilung bewirken.


Linderung bei Rheuma

Rheumatische Erkrankungen haben viele Erscheinungsformen. Rund 400 Krankheiten zählen zum rheu- matischen Formenkreis. Das Spektrum reicht vom „Hexenschuss“ über verschleißbedingte Gelenk- und Wirbelsäulenveränderungen bis zu entzündlichen Gelenkerkrankungen, der rheumatoiden Arthritis. Ty- pisch für Rheuma sind stechende, reißende Schmerzen, die im Fall von rheumatoider Arthritis alltägliche Handlungen wie Aufstehen, Anziehen oder Essen zur Qual machen. Rheuma gilt als Volkskrankheit, von der rund zwei Millionen Österreicher betroffen sind. So sind auch im Kurzentrum Ludwigstorff die häufigs- ten Beschwerden der Kurgäste chronische Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, erläutert Dr. Eberl. „An erster Stelle stehen Arthrosen, verschleißbedingte Beschwerden der Knie-, Hüft- und Finger- gelenke und verschiedene Probleme mit der Wirbelsäule.“ Auch Patienten mit entzündlichen rheumati- schen Erkrankungen, Weichteilrheumatismus, Sklerodermie, Morphea, Osteoporose oder dem Raynaud- Syndrom ziehen in Bad Deutsch-Altenburg aus den schwefelhaltigen Bädern einen enormen gesundheitli- chen Nutzen. Wichtig ist jedoch, dass die rheumatoide Arthritis während der Schwefelbadanwendung nicht aktiv ist, betont Eberl.


Höhere Lebensqualität

Deren heilende Effekte erklärt Eberl folgendermaßen: „Schwefelbäder wirken im Bereich der Gelenke und Muskeln schmerzstillend, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd und entspannend. Die Steifig- keit lässt nach und die Beweglichkeit nimmt wieder zu. Das führt für die Patienten zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität.“ Nach ärztlicher Verordnung werden die Schwefelbäder mit anderen Therapien kombiniert. Ein individueller Therapieplan umfasst im Kurzentrum Ludwigstorff physikalische Maßnahmen, Elektrotherapien, heilgymnastische Übungen sowie Kraft-, Ausdauer- und Sensomotoriktrai- ning. Zusätzlich werden Massagen, Entspannungstechniken und Beratungen für einen gesünderen Le- bensstil angeboten. Dr. Eberl betont: „Die Kur ist eine wirksame ergänzende Maßnahme bei rheumati- schen Erkrankungen, einmal jährlich wäre optimal. Aber auch die Prävention spielt eine wichtige Rolle. Bei verschleißbedingten Erkrankungen kann die Kur zu einer Reduktion von Schmerzmitteln führen. Die Erfah- rung zeigt, dass die Patienten bis zu sechs Monate nach der Kur von den Ergebnissen profitieren können.“


Jacqueline Kacetl

erschienen in GESUND & LEBEN 09/2020