GARTENZEIT

Grüne Therapie

Auch auf Patientinnen und Patienten hat das Arbeiten im Garten positiven Einfluss.

FotoS: istockphoto/mythja, Donau-Universität krems, natur im garten

Eine spannende Ergänzung im Kanon der Therapiekonzepte ist die Gartentherapie. Zwar ist diese Thera- pieform noch nicht standardmäßig in klinischen Behandlungsplänen vertreten, doch das Bewusstsein der

Menschen um die Bedeutung der wertvollen Ressource Natur hat sich laut Claudia Dungl-Hochleitner, Lei- terin des Universitätslehrgangs Gartentherapie an der Donau-Universität Krems, deutlich verändert.

Durch die Naturerfahrung und das aktive Arbeiten im Garten sollen sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden gelindert werden. Therapie-Patienten können ebenso davon profitieren wie beispielsweise Personen mit Burnout oder anderen körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen. Beim Planen ei- nes Therapiegartens sollten laut der Lehrgangsleiterin sowohl gartengestalterische als auch therapeutische Aspekte mitbedacht werden. So müsse man zum Beispiel berücksichtigen, dass Hochbeete mit dem Roll- stuhl unterfahren werden können. Schon ein kleiner Blumentopf am heimischen Balkon kann ausreichen, um das körperliche und seelische Befinden zu steigern. Wichtig sei bloß, dass sich jemand um die Grünflä- che kümmert. „Niemand hat etwas davon, wenn ein Therapiegarten angelegt wird, der dann verwildert!“, sagt Dungl-Hochleitner.


Umfassende Therapie

In Kliniken, in denen Gartentherapie praktiziert wird, werden Elemente der Physio-, Ergo-, Sozial- und Ver- haltenstherapie zeitgleich umgesetzt. Anders als Klinikgebäude sind

Gärten Erlebnisräume, die alle unsere Sinne auf angenehme Weise ansprechen: So werden etwa beim Ein- setzen verschiedengroßer Pflanzensamen die motorischen Fähigkeiten trainiert. Bestimmte Reize, wie etwa der Geruch eines Lindenbaums, können bei dementen Personen verloren geglaubte Erinnerungen hervor- rufen, erklärt Dungl-Hochleitner.

Gezielte Tätigkeiten in der Natur liefern eine Vielzahl an therapeutischen Effekten. So sinkt zum Beispiel beim Verweilen im Grünen bereits nach 20 Minuten der Puls und das Stresshormon Cortisol verringert sich. Bewegungstherapie wird motivierter durchgeführt und zusätzlich wird der Kreislauf angeregt.  Ziel der Lehr- gangsleiterin ist es, an der wissenschaftlichen Grundlage für die Therapieform weiter zu forschen. Das Kon- zept der Gartentherapie sei ein weites fruchtbares Feld, das aber erst noch bestellt werden muss.


Theresa Adelmann

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2020