GVA, kur & reha in NÖ


Mehr Abstand für mehr Sicherheit –

die Tische stehen weit auseinander.

Maske tragen, Abstand halten und Hände

desinfizieren sind wichtige Säulen des Hygienekonzepts.

Maske tragen, Abstand halten und Hände

desinfizieren sind wichtige Säulen des Hygienekonzepts.

FotoS: Hans Ringhofer, Medizinisches Zentrum Bad Vigaun/Gruber, istockphoto/kali9, PremiQaMed Group/Bernhard Schramm, ZVG

Gesund werden – aber sicher!

Reha und „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ in Zeiten von Corona? Bei weitem kein Widerspruch! Gerade jetzt ist es wichtig, seinem Körper Gutes zu tun.

Dass die Pandemie auch vor Reha-, Kur- und „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ (GVA)-Einrichtungen nicht Halt gemacht hat, wird recht schnell deutlich, wenn man sich im Klinikum Malcherhof in Baden bei Wien umschaut: In allen Warteräu- men der Rehaklinik für den Stütz- und Bewegungsapparat sind Händedesinfekti- onsspender aufgestellt, zwischen den Tischen in der Cafeteria hätte theoretisch ein Baby-Elefant Platz, wären da nicht die Plexiglas-Trennwände, und auch im Speisesaal stehen die Tische weit auseinander. Die Sauna ist derzeit geschlos- sen, das Schwimmbad hat weiterhin geöffnet, die Patientinnen und Patienten neh- men die verpflichtende FFP2-Maske erst vor Eintritt ins Becken ab. Die Therapie- gruppen sind kleiner (maximal sechs Personen), Vorträge und ein Händedesin- fektions-Aufklärungsvideo werden über den Klinik-TV-Kanal im Zimmer gezeigt und abendliche Veranstaltungen wie Tanzabende oder Fotovorführungen müssen in Zeiten wie diesen ausfallen.


Volles Therapieangebot

„Zeiten wie diese“, das bedeutet für Prim. Univ.-Prof. Dr. Georg Stummvoll, Ärztli- cher Direktor vom Klinikum Malcherhof Baden: „Wir bemühen uns nach Kräften, unser Präventionskonzept so zu gestalten, dass wir bestmögliche Sicherheit an- bieten können, ohne das therapeutische Ziel beziehungsweise Programm zu ver- schlechtern oder zusammenzustreichen. Wir bieten nach wir vor alle Therapien an, aber eben unter Einhaltung der Hygiene- und Covid-19-Schutzmaßnahmen.“ Diese werden laufend adaptiert und den Empfehlungen und Vorgaben des Bun-

desministeriums und der Sozialversicherungsträger angepasst. „Bei uns hieß es aber schon von Beginn an: Keine Maske – kein Aufenthalt!“ Patienten ist der Ausgang mit ausschließlich anderen Patienten bis maximal 20 Uhr erlaubt. Zwischen- durch auf einen Sprung die Familie zuhause zu besuchen ist momentan nicht gestattet.


Gut eingespielt

Die neue Situation habe sich mittlerweile „gut eingespielt“. Das gelte auch für die Patientinnen und Patienten: Deren Stimmung, erzählt Stummvoll offen, stehe stark in Relation zur Außenwelt und den allgemein geltenden Corona-Richtlini- en. „Mittlerweile werden unsere Maßnahmen sehr gut akzeptiert.“ Den einen oder anderen uneinsichtigen Gast gäbe es immer wieder mal, „aber bisher haben ruhige, aufklärende und mit der notwendigen Ernsthaftigkeit geführte Gespräche

immer geholfen.“ Käme es danach trotzdem zu Verstößen gegen die Schutzmaß- nahmen, würde er aber auch nicht vor einem vorzeitigen Abbruch des Heilverfah- rens zurückschrecken, betont Stummvoll: „Es geht schließlich um den Schutz des gesamten Hauses.“


Sicheres Gefühl

Zwar gibt es derzeit insgesamt mehr Absagen von Patientinnen und Patienten als vor Corona, so Stummvoll, „aber diese haben sich mittlerweile auf ein normales Maß eingependelt.“ Dabei spielt natürlich auch eine Rolle, ob geplante orthopädi- sche Operationen, nach denen Patienten eine Rehabilitation im Malcherhof absol- vieren, derzeit überhaupt stattfinden. Doch die beste Nachricht ist wohl: Die Angst vor einer Infektion sei bei den Patienten nicht mehr gegeben. „Wir bekom- men das Feedback, dass man sich bei uns sehr sicher fühlt.“ Gelernt hat auch das Team vom Malcherhof selbst so einiges in den vergangenen eineinhalb Jah- ren: unter anderem, dass man die Hygiene-Maßnahmen auch nach der Pandemie beibehalten werde: „So wenige grippale Infekte wie heuer hatten wir noch nie!“


Kein Ansteckungsfall

Reisen wir ein bisschen weiter nach Norden: Die Klinik Pirawarth bietet Präventi- on, Therapie und Rehabilitation in den Bereichen Neurologie, Orthopädie und Psychosomatik an. 20 Ärztinnen und Ärzte, 100 Pflegekräfte und 100 Therapeu- tinnen und Therapeuten kümmern sich um die schwer kranken, vulnerablen Pati- entinnen und Patienten (während der Pandemie etwas weniger als 190 an der Zahl). „Aus diesem Grund haben wir Maßnahmen ergriffen, die vielleicht weitge- hender sind als in anderen GVA- und Rehahäusern in Österreich“, sagt Ge- schäftsführer Hans Günther Loher. „Es kam auch schon vor, dass wir bei absolu- ter Uneinsichtigkeit des Patienten den Aufenthalt abbrechen mussten. Denn der Schutz der anderen steht an erster Stelle.“ Und dieser wurde bisher ausnahmslos mit großem Erfolg gewährleistet: „Während des Aufenthalts hatten wir noch kei- nen einzigen Ansteckungsfall, auch nicht seitens des Personals“, berichtet Loher nicht ohne Stolz.


Bewegungszonen

Neben den landesweit umgesetzten Maßnahmen (siehe Infokasten Seite 58) wird in der Klinik Pirawarth besonders darauf geachtet, dass es zu keiner Durchmi-

schung der Patienten der einzelnen Gebäude kommt. Heißt: „Man isst nur im Speisesaal ‚seines‘ Gebäudes, ebenso fin- den die individuellen Therapien nur dort statt“, erklärt Loher. Viele Behandlungen sind nun als Einzeltherapien im Zimmer, derzeit gibt es außer in begründeten Ausnahmen auf Pflegestationen nur Einzelzimmer. Um die Anzahl der Bewegungszo- nen zu verringern, sind sowohl das Kneippbecken und der Relax-Bereich als auch das Café und der hauseigene Kiosk geschlossen. Vorträge finden via Klinik-TV im Zimmer statt. „Mittlerweile haben wir das Kartenspielen wieder erlaubt, aller- dings mit großem Sicherheitsabstand“, erzählt Loher.

„Uns ist bewusst, dass die Maßnahmen mit Einschränkungen und Belastungen verbunden sind“, sagt Loher. In der Psy- chosomatik gibt es derzeit mehr Absagen als üblich, „da diese Patienten sehr ängstlich sind. Die Impf-Debatte hat zu die- ser Verunsicherung nochmals beigetragen.“ Die psychologische Betreuung spielt seit Corona in Pirawarth eine noch grö- ßere Rolle. „Unsere Gäste werden regelmäßig von einer Klinischen Psychologin besucht.

Bei Bedarf und auf Wunsch bieten wir mehrmals wöchentlich psychologische Betreuungen im Haus an und telefonieren zusätzlich mit belasteten Angehörigen.“


Zurück in kleinen Schritten

Im Medizinischen Zentrum Bad Vigaun in Salzburg wird sowohl Reha als auch GVA, Kur und Balneologie angeboten. „Nach dem ersten Lockdown Anfang 2020 begannen wir, den Betrieb in 30er-Schritten wieder zu öffnen“, erinnert sich Ge- schäftsführer Mag. Michael Schafflinger. „Von Montag bis Mittwoch reisten jeweils nur 30 Gäste an. Das hat geholfen, denn so konnten wir die neuen Maßnahmen gut üben, testen und erlernen – und zwar mit rund 100 Personen zu Beginn anstatt mit den sonst üblichen 450!“ Woche für Woche sei die Akzeptanz der neuen Situation gestiegen. „Der Aufenthalt bei uns wird als willkommene – und sichere! – Abwechslung angesehen.

Denn neben allen therapeutischen und medizinischen Maßnahmen werden für die stationären Patienten Aktivitäten ange-

boten, die derzeit nirgends möglich sind: Sauna, Heiltherme, Café und Krafttraining. Manche wollen gar nicht mehr heimfahren!“ Der Besuch der Heiltherme und der Gastronomie ist je- doch ausschließlich stationären Haus- gästen gestattet, auch gibt es derzeit keine ambulanten Therapien.


Das Beste draus machen

„Wir nehmen die Vorsichtsmaßnahmen sehr ernst. Aber es bleibt die persönli- che Zuwendung ein unverzichtbarer Teil für uns. Jeder soll sich auch in die- sen besonderen Zeiten gut bei uns auf- gehoben fühlen“, fasst Schafflinger zu- sammen. Nur 0,14 Prozent der Patien- ten haben sich nach dem negativen PCR-Test bei der Anreise zu einem po- sitiven Fall entwickelt. „Da wir täglich Vitalwerte bei den Patienten und Mitar- beitern abnehmen, können wir schon beim kleinsten Verdacht handeln und die entsprechende Person isolieren.“ Zu einer Ansteckung von Patient zu Pa- tient oder von Mitarbeiter zu Patient kam es bisher noch nicht, betont Schafflinger. Deshalb tritt er auch in Corona-Zeiten überzeugt für den ho- hen Stellenwert von Krankenanstalten ein – denn wenn uns Corona eines ge- lehrt hat, dann, dass Gesundheit unser höchstes Gut ist.


Manuel Simbürger

erschienen in GESUND & LEBEN 05/2021