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ARBEITEN

Wie viel Arbeit braucht der Mensch?

Stress und Burnout sind die Kehrseite eines engagierten Lebens. Doch wie viel Leistung tut uns gut? Das erklärt Personalen- twickler Ernst Wurz.

Wie viel Arbeit tut uns gut?

Jeder Mensch braucht Arbeit, sie ist Teil

unserer Identität. Das richtige Ausmaß hängt davon ab, wie existenzgebend und sinnstiftend Arbeit ist. Für eine berufliche Karriere reichen acht Stunden Tages-Arbeit nicht. Aber auch Mehrarbeit hat physische Gren- zen und braucht Erholungsphasen. Und mit fortschreitendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit ab, es kom- men die ersten Wehwehchen und es braucht mehr Pausen, um den Job gut erledigen zu können.


Und dann noch das Ehrenamt?

Sich in der Gemeinde zu engagieren, ist Teil meiner Lebenseinstellung. Engagement im Ehrenamt geht bei voller Erwerbsarbeit zu Lasten der Familie, da braucht es eine

verständnisvolle Partnerin. Einen Verein wie die Waldviertel-Akademie als regionale und grenzüberschreiten- de Kultur- und Bildungsinitiative über 36 Jahre zu führen, ist sehr erfüllend, aber es kostet Zeit und Kraft.


Wann ist Arbeit erfüllend?

Arbeit ist dann erfüllend, wenn etwas geschaffen wird, wenn gestellte Aufgaben bewältigt und Herausforde- rungen gemeistert werden. Die Früchte erfolgreichen Werkens dann zu sehen, tut gut.  Wesentlich ist dabei, wie fremd- bzw. selbstbestimmt dieses Arbeiten erfolgt. Als Personalentwickler will ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befähigen, Aufgaben besser erledigen zu können. Oft bedarf es da der Zusammenarbeit mit an- deren. Wobei das Wie der Zusammenarbeit – die Kommunikation mit anderen – für erfolgreiches Arbeiten wichtig ist. Entscheidend ist eine positive Einstellung. Die Arbeit in Portionen zu zerlegen hilft, motivierende Teilerfolge zu erleben.


Wann arbeitet man zu viel?

Im Eifer des Arbeitens merkt man gar nicht so leicht, dass es zu viel ist. Da braucht es auch Anstöße aus dem kollegialen Umfeld. Wenn man nicht wirklich etwas weiterbringt, sich unerledigte Dinge stapeln, man auf Ein-

wände gereizt reagiert oder sich gesundheitliche Einschrän- kungen bemerkbar machen, ist es Zeit, einen Gang zurückzu- schalten. Da muss man sich fragen: Was ist mein wirklicher Job? Man muss Nein sagen und delegieren lernen. Auch an- dere Mitarbeiter sind gute Leistungsträger.


Wie erholt man sich gut?

Erholung funktioniert für mich zu Hause in der Familie, einfach relaxen, sich in Zeitungen vertiefen, ein interessantes Buch le- sen oder Zeit mit den Enkelkindern verbringen. Zur Erholung gehört für mich auch Walken draußen in der Natur. Im Urlaub mit meiner Gattin noch nicht bereiste Orte kennenlernen

ist für mich eine gut geeignete Form des

Abschaltens.


Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN 03/2020