SCHUPPENFLECHTE

fotoS: istockphoto/ Alena Igdeeva, Philipp Enders

Wenn die Haut plötzlich schuppt

Immer mehr Menschen leiden an Schuppenflechte. Die Hautveränderungen sind nicht nur eine Belastung für den Körper, sondern auch für die Seele.

Rund 250.000 Österreicherinnen und Österreicher sind von Schuppenflechte betroffen – und laut Statis- tiken werden es immer mehr. Die Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt, ist nicht ansteckend und streng genommen eine Autoimmunerkrankung: „Die Immunzellen sind ständig entzündungsbereit und reagieren bei einem Schub ähnlich wie bei einer Hautverletzung. Der Entzündungsprozess beschleunigt die Hauterneuerung um ein Vielfaches, weshalb sich übermäßig viele neue Hautzellen bilden“, erklärt die Dermatologin Dr. Sabine Schwarz. Die Folge: Die Haut verdickt und wird gerötet, an der Oberhaut bilden sich silbrig-weiße Schuppen, die sich leicht ablösen lassen. Oftmals jucken die betroffenen Stel- len sehr stark. In den meisten Fällen sind die Außenseiten von Knien und Ellbogen betroffen, auch der Befall der Kopfhaut sowie der Nägel ist nicht selten. Mitunter lassen sich die Symptome auch im Genital- bereich, am Gesäß, Rücken oder Gesicht finden. In sehr schweren Fällen können die Hautentzündun- gen so großflächig sein, dass bakterielle Zusatzinfektionen und Fieber auftreten. Auch chronisch-ent- zündliche Darmerkrankungen, Morbus Bechterew oder Diabetes sind häufige Begleiterscheinungen. Leidet ein Mensch an Schuppenflechte und es kommen Gelenkbeschwerden hinzu, handelt es sich oft- mals um eine Psoriasis-Arthritis.


Vererbte Krankheit?

Zu einem Ausbruch der Schuppenflechte führen Wechselwirkungen zwischen genetischen, immunologi- schen, umweltbezogenen und psychologischen Faktoren. „Leidet ein Elternteil an Psoriasis, besteht ein 20-prozentiges Erkrankungsrisiko, sind beide Elternteile Psoriatiker, tritt die Krankheit mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit auch beim Kind auf. Es können aber auch Generationen übersprungen werden“, sagt Schwarz. Auch einige andere Faktoren begünstigen die Schuppenflechte. Dazu gehören unter an- derem übermäßiger Alkohol- und Tabakkonsum, ungesunde Ernährung, Übergewicht, Infektionen oder

bestimmte Medikamente. Daneben, erklärt Schwarz, können äußere Hautverletzungen, ausgeprägter emotionaler Stress oder Depressionen eine Psoriasis auslösen.


Gut therapierbar

Psoriasis ist zwar nicht heilbar, durch eine Therapie soll die Erkrankung aber stabilisiert und die beschwerdefreien Inter- valle zwischen den Schüben verlängert werden. Grundbasis einer Behandlung ist die richtige Hautpflege: Ölhaltige und rückfettende Produkte helfen gut, auf künstliche Duftstoffe sollte verzichtet werden. Hinzu kommen Salben und Cremes mit Harnstoff, Salicylsäure, Milchsäure, Zink, Weihrauch, Bepanthenol oder Vitamin D. Ist die Erkrankung bereits stärker ausgeprägt, werden kortisonhaltige Hautprodukte notwendig. Hilfreich ist auch eine Therapie mit Fumarsäure, die in Form von Tabletten oder Cremes verabreicht wird. Auch Licht- und Badetherapien, die miteinander kombiniert werden können, haben sich bei vielen Psoriasis-Patienten bewährt.

Bei mittelgradigen oder schweren Verläufen wird mit Tabletten oder Spritzen therapiert. Sehr wirksame Präparate sind Bi- ologika. Diese speziellen, gentechnisch hergestellten Antikör- per wirken gegen bestimmte Botenstoffe, die Entzündungen

hervorrufen. Ihr Vorteil: Sie greifen nicht in das gesamte Immunsystem ein und werden gut vertragen. Da diese Therapie allerdings teuer ist, wird sie erst bei sehr schweren Fällen bezahlt – und auch hier erst dann, wenn sich kostengünstigere Alternativen als wirkungslos erwiesen haben. Daneben helfen eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise dabei, gut mit der Krankheit umzugehen.


Spiegel der Seele

Wie bei vielen anderen Hautkrankheiten spielt die Psyche bei der Schuppenflechte eine entscheidende Rolle. Psychischer Stress ist in zweierlei Hinsicht an der Krankheit beteiligt: als Krankheitsauslöser und als Begleitsymptom, das infolge der schwerwiegenden Krankheitsbeschwerden auftritt. Ist die eigene Haut für alle sichtbar geschädigt und von stark juckenden Hautausschlägen überzo- gen, verursacht das Stress. Viele Betroffene haben das Gefühl, von ihren Mitmenschen wegen der Hautausschläge gemieden oder sogar diskriminiert zu werden. Außerdem kann sich Schuppenflechte negativ auf die Partnerschaft, soziale Aktivitäten oder das Selb- stbewusstsein der Patientinnen und Patienten auswirken. So können auch Depressionen, Schlaflosigkeit oder Übergewicht entste- hen. Oft geraten Betroffene in einen Teufelskreis:  Der Leidensdruck verstärkt die körperlichen Psoriasis-Beschwerden, was wiederum die psychische Belastung weiter erhöht.

Betroffenen sei daher ans Herz gelegt: Verstecken Sie sich nicht und schieben Sie den Gang zum Arzt nicht länger auf. Gemeinsam finden Sie eine wirksame Therapie, die Ihre Lebensqualität enorm verbessert.


Stefan Stratmann

erschienen in GESUND & LEBEN 03/2020