SCHMERZEN

Gemeinsam gegen Schmerzen

Neu in der „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ (GVA) ist eine gezielte physiothe- rapeutische Bestandsaufnahme, nach der ein individuelles Übungspro- gramm erstellt wird.

fotos: Istockphoto/ kerdkanno, Donau uni krems

Viele Menschen leiden unter chronischen Schmerzen. Unter professioneller Anleitung kann man selbst dagegen aktiv werden – mit individuellen

Therapien und Training.

20 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher leiden unter chronischen Schmerzen. Die am häufigsten betroffenen Körperregionen sind Rücken und Gelenke sowie der Kopf. Das ist das Ergebnis einer österreichischen Gesundheitsbefragung – zweifelsohne ein dramatischer Befund. „Dieser Trend wird sich vermutlich fortsetzen, denn es gibt zahlreiche Menschen, die sich zu wenig bewegen. Das ist sehr bedenklich“, sagt Dr. Sabine Stangl, Medizinische Leiterin des Bereichs Stütz- und Bewegungsapparat im Gesundheitsresort Königsberg. „Bei zu geringer körperlicher Aktivität leidet unser ganzer Organismus und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer chronischen, nicht heilbaren Krankheit oder chronischen Schmerzen zu erkranken.“ Die Ärztin weiß, dass Übergewicht oft zu Schmerzen im Bewegungsapparat führt. Viele Menschen leiden auch unter Fehlhaltungen und Überbelastungen durch schwere Arbeit. „Der Großteil unserer Patienten hat unspezifische Rückenschmerzen. Das heißt, dass es keinen eindeutig feststellbaren Grund für die Schmerzen gibt. Eine große Rolle dabei spielen Faktoren wie Stress und psychosoziale Belastung.“ Dazu gehören zum Beispiel finanzielle Probleme, Angst um den Arbeitsplatz oder die Wohnung, Stress in der Familie, aber auch Mobbing und ähnlich belastende Ereignisse.

Ein neues Instrument im Kampf gegen die Volkskrankheit Schmerz ist die dreiwöchige neue Version einer Kur, genannt „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ (GVA), die auch im Gesundheitsresort Königsberg angeboten wird. Im Zentrum der GVA stehen aktive Therapien wie etwa Kraft- und Koordinationstraining. „Damit will man auch die Eigenverantwortung der Patienten fördern, denn man muss sich um sein Wohlergehen selbst kümmern und sich bewusst mit seiner Gesundheit auseinandersetzen“, sagt Sabine Stangl. Damit das gelingen kann, enthält die GVA auch viele Bausteine, die den Menschen vermitteln, was sie selbst tun können, um ihre Gesundheit zu verbessern.


Der Aufbau der GVA

Grundsätzlich ist die GVA in Modulen aufgebaut. Jeder Patient erhält ein Basismodul mit Kraft-,

Sensomotorik-, Ergometer- und Entspannungstraining sowie Gruppengymnastik. Weiters gibt es Aufbaumodule, die auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind. Wenn jemand zum Beispiel bisher wenig bis gar keine Bewegung gemacht hat, so wird dies dabei ebenso berücksichtigt wie die Bedürfnisse von anderen, die eher einen weiteren Auf- und Ausbau ihrer Bewegungsfähigkeiten benötigen. Was die mentale Ebene betrifft, so erhalten alle  Patienten Unterstützung zur besseren Wahrnehmung ihrer eigenen Bedürfnisse. Neu in der GVA ist eine gezielte physiotherapeutische Bestandsaufnahme, nach der ein individuelles Übungsprogramm erstellt wird, das die Patienten zu Hause selbständig weiterverfolgen können. Und: Natürlich gibt es auch in der GVA physikalische Therapien wie Massagen, Wärmebehandlungen oder Elektrotherapie, allerdings nicht mehr in dem Umfang wie bei der klassischen Kur, denn es geht nunmehr vor allem darum, dass die Menschen selbst aktiv werden.  Wichtig bei der GVA ist auch, dass individuelle Gesundheitsziele festgelegt werden. „So analysieren wir etwa beim anfänglichen Ergometertraining die persönliche Leistung und vergleichen am Schluss der GVA, was sich verbessert hat. Das wird im Abschlussbefund dokumentiert“, erklärt Sabine Stangl. Ein weiteres wichtiges Element ist gesunde Ernährung. Im Gesundheitsresort Königsberg setzt man auf saisonale vollwertige Küche und verwendet viele Produkte und Lebensmittel aus der Region, denn natürlich spielt eine ausgewogene Kost eine wichtige Rolle beim Gesundbleiben.


Beste Betreuung

Im Gesundheitsresort Königsberg kümmern sich Ärzte und Therapeuten verschiedener Ausrichtungen darum, dass die Patienten gut versorgt sind. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Physiotherapie, denn die aktive Bewegung ist Hauptelement der GVA. Weiters sind auch Psychologinnen, Diätologinnen und Masseure daran beteiligt, die Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, gut zu versorgen und zu betreuen. „Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind schon lange bei uns und kennen die Entwicklungen, die in Kur und GVA im Laufe der letzten zehn, zwanzig Jahre entstanden sind, sehr genau. Das ist ein großer Vorteil für die Patienten“, sagt Sabine Stangl. Sie betont auch, dass es im Gesundheitsresort Königsberg auch die Möglichkeit der psychosozialen Rehabilitation gibt. Daraus resultiere ein großer Erfahrungsschatz in Bezug auf psychische Faktoren, die chronische Schmerzen beeinflussen. Auch davon profitieren Menschen, die eine GVA machen.


Wenige Medikamente

Was Medikamente betrifft, so versucht man, den Einsatz so gering wie möglich zu halten. „Wenn ein Patient mit chronischen Schmerzen schon entsprechende Medikamente von einem Arzt erhalten hat oder akute Beschwerden hat, belassen wir die Medikation selbstverständlich. Aber oft gelingt es, in der dreiwöchigen GVA Medikamente zu reduzieren. Das ist sowohl für die Patienten als auch für uns immer ein schöner Erfolg“, sagt Sabine Stangl.

Viele Module der GVA laufen in Kleingruppen ab. Das ist wichtig, um die Motivation zur Eigenverantwortlichkeit zu fördern. Und: Nach drei Wochen intensiver Auseinandersetzung mit Körper und Psyche bemerken viele chronische Schmerzpatienten selbst, wie gut ihnen regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und Achtsamkeit in Bezug auf die Psyche tut. „Wir glauben, dass das ein guter Anstoß ist, die bei uns erlernten Fertigkeiten zu Hause alleine weiter zu verfolgen“, meint Stangl. „Außerdem gibt es die Möglichkeit, im Anschluss an die GVA eine ambulante Wirbelsäulen- Reha – etwa in einem entsprechenden Fachambulatorium – zu machen. Diese muss von der PVA bewilligt werden, und wenn das der Fall ist, so gelingt es oft noch leichter, die neue ‚Lebenshaltung‘ in den Alltag zu übernehmen.“

Wenn Sie also unter chronischen Schmerzen leiden, nutzen Sie die Möglichkeit der GVA oder noch besser: Tun Sie es schon, bevor Sie unter gröberen Problemen leiden.


erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2019