im porträt

FotoS: zvg, gepa

Auf zwei Brettern

Christoph Krenn ist einer der Skistars aus Göstling an der Ybbs. Bereits als Kind trainierte er am Hochkar, um den Sprung in den Weltcup zu schaffen.

Die kleine Gemeinde Göstling an der Ybbs ist weit über die Bezirks- und Landesgrenzen hinweg bekannt. Grund dafür sind unter anderem zahlreiche Skistars, die hier aufgewachsen sind – Kathrin Zettel, Thomas Sykora oder Andreas Buder. Zettel krönte sich zur Weltmeisterin in der Super-Kombination und feierte neun Weltcupsiege. Ebenso neun Mal am obersten Podest im Weltcup stand der zweifache Slalomweltcupsieger und Bronzemedaillengewinner bei Olympia Thomas Sykora. Juniorenweltmeister Andre- as Buder blieb ein Weltcupsieg zwar verwehrt, dafür ist er als Geschäftsführer der Ötscherlifte und Prokurist der Hochkar-Berg- bahnen dem Wintersport in seiner Heimat treu geblieben. Aber auch aktuell ist der SC Göstling-Hochkar mit zwei Athleten im alpi- nen Skiweltcup vertreten. Katharina Gallhuber gewann bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang 2018 mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang überraschend die Bronzemedaille im Slalom.


Fußball gegen Skisport

Auch Skisportler Christoph Krenn wuchs in Göstling auf. Seinen Hausberg, das Hochkar, kennt er wie seine Westentasche. Bereits im Alter von eineinhalb Jah- ren stand er erstmals auf Skiern. „Mein Papa brachte mich zum Skifahren und dann nahm alles seinen Lauf. Anfangs war immer eine Schneeschaufel dabei, um mir selbst Waldwege zu bauen. Durch unseren Verein, den SC Göstling, ab- solvierte ich dann auch meine ersten Stangentrainings“, erinnert sich Christoph Krenn gerne an seine Anfänge zurück. Die Zeit in der Skihauptschule Lilienfeld war eine äußerst erfolgreiche. Wie bereits viele andere Skistars vor ihm trat er 2007 beim „Trofeo Topolino“ in Italien erstmals international in Erscheinung. Krenn gewann im Riesentorlauf die inoffizielle Weltmeisterschaft für Kinder im Alter zwischen elf und vierzehn Jahren. Damit scheint er bei dieser Veranstal- tung in der Siegerliste gemeinsam mit Superstars wie Marc Girardelli oder Lind- sey Vonn auf. Es war auch jener Lebensabschnitt, in dem sich der Sportler zwi- schen Fußball und Skifahren entscheiden musste. „Ich spielte in Wieselburg in der Landesliga auch Fußball und die Doppelbelastung war echt schon am Li- mit. Ich habe mich dann für den Skisport entschieden, nicht zuletzt wegen des tollen Erfolgs in Italien. Wenn ich hier gewinne, habe ich mit Sicherheit keine schlechten Chancen“, dachte sich Krenn.


Fulminanter Start

Nach dem Wechsel ins Trainingszentrum Waidhofen an der Ybbs kämpfte der Skisportler aufgrund großer Wachstumsschübe immer wieder mit Problemen an der Patellasehne. Aber die jahrelangen Schmerzen schmälerten seine Leiden- schaft fürs Skifahren keineswegs. Und der Kampfgeist sollte sich auszahlen. Unmittelbar nach seinem ersten Europacupsieg auf der Reiteralm feierte der Göstlinger am 26. Dezember 2016 sein Weltcupdebüt und sicherte sich auf An- hieb Weltcuppunkte. „Mein Ziel war es nun, mir über den Europacup einen Fix-

platz im Super-G-Weltcup zu sichern – was mir auch gelang. Somit konnte ich ohne den Druck einer Qualifikation starten“, freute sich Krenn. Es war ein fulminanter Start in die Saison 2018/19. Beim ersten Weltcuprennen noch mit viertbester Zwi- schenzeit ausgeschieden, folgte eine Woche später ein sensationeller sechster Platz in Beaver Creek (USA). Dabei fehlten nur fünf Hundertstel Sekunden auf Rang drei und somit das Podium.


Österreichischer Meister

Seine ausgezeichnete Form unterstrich der Niederösterreicher auch mit einem Top- ergebnis beim Klassiker auf der Saslong in Gröden. „Nach dem tollen Start konnte ich dieses Niveau aber leider nicht mehr ganz bis zum Schluss halten. Mit einem 19. Platz in der Super-G-Jahreswertung in der ersten vollen Weltcupsaison war ich aber zufrieden.“ Die Krönung eines tollen Jahres folgte schließlich bei den Österrei- chischen Meisterschaften in Saalbach-Hinterglemm. Hier ließ er erfahrene Welt- cupathleten wie Vincent Kriechmayr hinter sich und jubelte über die Goldmedaille. „Es war auch immer mein Ziel, zumindest ein Mal die Österreichischen Meister- schaften zu gewinnen“, strahlt Krenn.


Erkrankung

Doch anstatt auf diesen Erfolgen aufzubauen, folgte in der letzten Saison ein her- ber Rückschlag für den 26-Jährigen. Bereits bei den ersten Rennen fühlte sich

Krenn unwohl und konnte nicht an die Leistungen des Vorjahres anschließen. „Ich bin nor- malerweise körperlich einer der stärksten im Team, doch ich konnte das Tempo meiner Kol- legen nicht mitgehen. Es kamen erste Zweifel an mir selbst auf, da ich mir das nicht erklä- ren konnte“, so ein äußerst nachdenklicher Athlet. Im Laufe der Saison stellte sich dann heraus, dass er am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt ist. „Bei jeder Belastung hatte ich extrem starke Kopfschmerzen, und das über drei Monate lang. Nach dem tollen dritten Platz im Abfahrtstraining von Saalbach musste ich meine Saison vorzeitig abbrechen, da ich den Druck im Kopf nicht mehr aushielt. Es war definitiv das Richtige, da ich bei weitem nicht mehr bei 100 Prozent war“, hält Christoph Krenn auch heute an seiner Entscheidung fest.


Zeit zur Erholung

Den coronabedingten Lockdown im März 2020 nutzte der Skirennläufer, um sich richtig zu erholen. „So viel zu Hause war ich bis jetzt überhaupt noch nie. Ich habe die gewonnene Zeit bewusst für andere Dinge eingesetzt, bin mit dem Hund spazieren gegangen und habe die schöne Natur bei uns ganz ohne Stress genossen.“ Anfang Juni dieses Jahres stieg er wieder langsam ins Training ein. Derzeit fühlt er sich körperlich fit. In einer starken Trainingsgruppe kann sich Christoph Krenn in diesem Jahr auch mit den besten Österrei- chern messen. Ein Vergleich mit dem zweifachen Olympiasieger Matthias Mayer oder dem zweifachen Medaillengewinner Vincent Kriechmayr sind mit Sicherheit hilfreich.


Auf den Spuren der Stars

Das große Karriereziel des Niederösterreichers ist eine Medaille bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Bereits in der kommenden Skisaison könnte aber der erste Po- destplatz im Weltcup realisiert werden. „Ich weiß, dass ich den Speed für das Podium habe und bin bereits ein Mal nur hauchdünn daran vorbeigeschrammt. Wenn ich meine beste Leistung abrufen kann, ist vieles möglich“, blickt Krenn, der seit September auch Po- lizeisportler ist, optimistisch auf die bevorstehende Saison.  Eines seiner ganz großen Vor- bilder ist Hermann Maier, der die Kindheit des Göstlingers stark prägte. Mit dem Vollblut- rennfahrer hat er immer vor dem Fernseher mitgefiebert. Krenn outet sich aber auch als großer Fan des Schweizer Tennisstars Roger Federer. „Von ihm kann man sowohl im Sport als auch im privaten Bereich viel lernen. Roger hat auch alles durchgemacht und sich zu einer extrem ausgereiften Persönlichkeit entwickelt. Ein echter Gentleman und wahres Vor- bild, wie er gegenüber anderen Leuten auftritt“, zeigt sich der Rennläufer begeistert.


Werner Schrittwieser

Das große Karriereziel von Christoph Krenn ist eine Medaille bei Weltmeister- schaften oder Olympischen Spielen.

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2020