KUREN & REHABILITATION IN NÖ - GESUNDHEITSVORSORGE AKTIV

Wasser, Luft, Moor

Dr. Ulrike Schauer, Leiterin der Abteilung Umwelthygiene der NÖ Landesregierung, erk- lärt, warum Heilmittel und Heilvorkommen sich- er und wirksam sind.

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Niederösterreich ist reich an natürlichen Heilvorkom- men. Was versteht man darunter?

Heilvorkommen sind etwa Heilquellen oder Heilpeloide, also Heilmoor, -schlamm oder -schlick. Definitionsgemäß üben sie wegen besonderer Eigenschaften und ohne jed- e Veränderung ihrer natürlichen Zusammensetzung eine wissenschaftlich anerkannte Heilwirkung aus oder lassen eine solche erwarten.


Warum bedürfen Heilvorkommen in der Regel einer Anerkennung durch einen Bescheid der Landesregierung?

Ein Heilwasser muss verschiedenen Kriterien entsprechen. Dazu gehört eine hohe Konzentration an Mineralien und an wertbestimmenden Bestandteilen. Beurteilt wird das von Sachverständigen für Balneologie bzw. Balneophysiologie. In einem Gut- achten muss auch definiert werden, bei welchen Krankheiten das Mittel angewendet werden soll und wann es kontraindiziert ist. Der Landessanitätsrat hat diese Beurtei- lungen dann nochmals zu prüfen und schlägt die Heilmittelanerkennung und Verlau- tbarung mittels Landesverordnung vor. In Niederösterreich wird Heilwasser in Baden, Bad Vöslau, Bad Schönau, Bad Deutsch-Altenburg, Salzerbad und Bad Pirawarth genutzt. Auch in Bad Erlach, Hochneukirchen und Laa an der Thaya gibt es Hei- lwässer.


Muss die Nutzung von Heilmitteln bewilligt werden?

Ja. In Niederösterreich geschieht dies durch die Abteilung Sanitäts- und Krankenan- staltenrecht. Dazu geben Ärztinnen und Ärzte der Abteilung Umwelthygiene ein me- dizinisches Gutachten ab. Die Kontrolle der Bescheidauflagen ist Sache der Bezirks- verwaltungsbehörde- .


Wie sieht die Sache in Bezug auf Heilmoor aus?

In Niederösterreich finden wir Heilmoor in Bad Großpertholz, Altmelon, Harbach, Haselberg oder Bad Traunstein. Meist suchen die Gemeinden um das Prädikat „Kur- ort“ an.

Das Heilvorkommen und Kurortegesetz verlangen, dass solche Gemeinden hygieni- sche Rahmenbedingungen aufweisen, die den Kurerfolg unterstützen. Das gilt für Luftgüte, Lärm, Geruch, hygienische Aspekte und entsprechende Infrastruktur. Auch eine Ärztin, ein Arzt mit Kurärztediplom muss in der Gemeinde tätig sein- .


Was gilt für Luftkurorte und heilklimatische Kurorte?

Luftkurorte müssen durch klimatische Reiz- und Schonfaktoren die Erhaltung oder Wiedererlangung der Gesundheit fördern. Gemessen werden unter anderem Son- nenschein, Temperatur, Niederschläge, Luftfeuchtigkeit, Wind und eventuell auch ungünstige Faktoren wie Nebel und Föhn.

Die Betreiber von heilklimatischen Kurorten müssen zudem regelmäßig nachweisen, dass die Heilmittel und Heilfaktoren sowie das hygienische Umfeld sich nicht nach- teilig geändert haben. Eine kleine Heilwasser- bzw. Heilmooranalyse muss alle fünf Jahre, eine große Analyse alle zwanzig Jahre vorgelegt werden. Alle zehn Jahre müssen heilklimatische und Luftkurorte ihre Eignung nachweisen. Dazwischen sind der Bezirksverwaltungsbehörde regelmäßig mikrobiologische Gutachten von Unter- suchungen an den Orten der Anwendung vorzulegen. Kuranstalten werden wie Krankenanstalten von der Bezirksverwaltungsbehörde überprüft.

Dr. Ulrike Schauer, Leiterin der Abteilung Umwelt-hygiene der NÖ Landesregierung

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2019