IMMUNSYSTEM

Faszinierend

Die menschliche Immunabwehr ist eine großartige Sache, die die Natur für uns eingerichtet hat. Gerade im Winter sollten wir alles dazu tun, dieses System zu stärken.

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Der Winter kommt bald und mit ihm die lästigen Erkältungen, die uns die dunkle Jahreszeit oft noch schwerer machen, als sie ohnehin für viele ist. Jetzt geht es darum, das Immunsystem zu stärken, denn es hilft uns, Erreger aller Art zu erkennen und vor einer Erkrankung unschädlich zu machen.

Doch was ist das Immunsystem genau und welche Funktionen hat es? „In unserer Welt findet sich eine Vielzahl an ‚Kleinstlebewesen‘ wie Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten, die teils lebensgefährliche Infektionen hervorrufen können. Um diese zu bekämpfen, besitzen wir eine Immunabwehr“, erklärt Dr. Max Wudy, Allgemeinmediziner in Weissenbach. „Dringen potenziell schädigende Mikroorganismen in den Körper ein, werden sie von der körpereigenen Abwehr bekämpft. Darüber hinaus besitzt das Immunsystem die Fähigkeit, veränderte körpereigene Zellen zu erkennen und zu beseitigen.“


Entwicklung des Immunsystems

Eine großartige Sache also, die die Natur für uns regelt. Allerdings nicht gleich von Beginn des Lebens an. Denn im Mutterleib und kurz nach der Geburt ist das Immunsystem noch nicht in der Lage, effektiv Krankheitserreger zu bekämpfen. Der Fötus und Säugling ist daher auf die Schutzfunktion durch mütterliche Antikörper angewiesen, die er über die Plazenta bzw. die Muttermilch aufnimmt. Fachleute nennen dies „Nestschutz“. Doch dieser Schutz hält nur wenige Monate an, aber Stillen verlängert ihn ein wenig.

Bereits bei der Geburt beginnt dann das Immunsystem, sich auf die Abwehr von Krankheitszellen zu trainieren. „Dies geschieht durch einen extrem komplizierten Vorgang, den man negative Selektion nennt. Es werden zig Millionen unterschiedlicher Abwehrzellen gebildet, von denen eine jede ein anderes Antigen erkennen kann. Dann werden alle, die sich gegen die eigenen Körperzellen richten, ausgeschieden. Das Immunsystem lernt so, ‚fremd‘ von ‚eigen‘ zu unterscheiden“, erklärt Max Wudy. So erfahren wir also im Laufe unseres Lebens guten Schutz durch das Immunsystem und können viele Krankheiten und andere Störungen abwehren. Aber: Mit fortschreitendem Lebensalter steigert sich die Anfälligkeit des Menschen gegenüber Krankheiten und Störungen wieder. „Das liegt vor allem daran, dass sich im Alter die Bildung von B- und T-Lymphozyten verringert.“ Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind die eigentlichen Abwehrzellen. „Außerdem sind in den späteren Lebensjahren die Abwehrzellen insgesamt etwas weniger aktiv. Das führt zu einer Schwächung der Immunabwehr und dies wiederum zu einem erhöhten Infekt- und Krebsrisiko“, erklärt der

Allgemeinmediziner.


Was die Immunabwehr kann

Expertinnen und Experten unterscheiden das spezifische und das unspezifische Immunsystem. Die unspezifische Abwehr ist eines der ältesten Systeme zum Schutz vor Infektionen. Es handelt sich dabei um jenen Teil des Immunsystems, der nicht auf bestimmte Keime spezialisiert ist. „Es gibt äußere Barrieren wie Haut, Schleimhäute, Magensäure und Urin. Weiters werden bestimmte weiße Blutkörperchen wie zum Beispiel Fresszellen im Knochenmark gebildet. Schließlich existieren auch noch bestimmte Signalstoffe über Proteine und verschiedene Botenstoffe“, erläutert Wudy die verschiedenen Teile des unspezifischen Immunsystems. Das spezifische Immunsystem hingegen besteht vor allem aus B- und T-Lymphozyten. Diese Zellen gehören in die Gruppe der weißen Blutkörperchen, zu denen auch die Zellen der unspezifischen Abwehr gehören. „Ein wichtiges Mittel des spezifischen Abwehrsystems sind die Antikörper, die in den B-Lymphozyten produziert werden. Sie dienen zur Kommunikation zwischen den Abwehrzellen und zur Bekämpfung der Erreger. Die spezifische Abwehr ist auch der Grund, warum wir manche Infektionskrankheiten nur einmal im Leben bekommen. Danach sind wir gegen diese Erreger immun“, weiß Max Wudy.


Gefährliche kalte Jahreszeit

Soweit so faszinierend! Aber warum erwischen wir im Winter dann immer wieder eine Erkältung mit all ihren unangenehmen Erscheinungen, die uns schlapp machen, oft erhöhte Körpertemperatur verursachen und ans

Bett fesseln? Viele Menschen glauben, Erkältungen würden allein durch Kälte bzw. Kälteverursacher wie etwa Zugluft, Nässe oder Unterkühlung verursacht. „Das stimmt nicht! Kälte allein kann keine Erkältung auslösen. Und: Man kann auch an Erkältung erkranken, ohne zuvor Kälte ausgesetzt gewesen zu sein“, betont Max Wudy. Er erklärt, dass Kälte indirekt das Ansteckungsrisiko erhöhen kann, da wir uns bei kalter Witterung viel häufiger in Gebäuden, schlecht gelüfteten Räumen und in der Nähe infizierter Menschen aufhalten. Zudem ist die Luft in Innenräumen im Winter trockener als im Sommer. Wegen der geringeren relativen Luftfeuchtigkeit sind die Schleimhäute der Menschen im Winter also ausgetrocknet und somit anfäl- liger für Infektionen. Und: Die Hauptverursacher der Erkältung, die sogenannten Rhinoviren, scheinen eine Vorliebe für nasskaltes Wetter zu haben.


Wie Sie sich schützen können

Trotzdem kann man sich dagegen prophylaktisch schützen. Arzt Wudy empfiehlt, wenn möglich Menschenansammlungen zu meiden, regelmäßig, gründlich und kor- rekt die Hände zu waschen und die Grippeimpfung gegen die echte Grippe (Influen- za) in Anspruch zu nehmen. Wichtig ist natürlich auch, das Immunsystem zu stär- ken, weiß Wudy: „Als Grundlage für ein gesundes Immunsystem gilt zum einen eine ausgewogene Ernährung, die alle für den Organismus notwendigen Stoffe wie etwa Mineralstoffe und Vitamine enthält. Zum anderen sollten wir alle ein vernünftiges Le- ben mit täglicher Bewegung und ausreichend Schlaf führen. Und: Wir sollten chroni- schen Stress vermeiden.“ Tun Sie es!



Gabriele Vasak

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2019