DARM

Foto: istockphoto/ Cecilie_Arcurs

Reges Treiben im Darm

Ob wir gesund bleiben oder krank werden, hängt wesentlich von unserer Darmflora ab.

Die Forschung ist noch jung, doch mittlerweile weiß man, dass der Mensch von einer unendlichen Anzahl an Bakterien, Pilzen, Viren und Amöben besiedelt ist, die eine Flora auf der Haut, im Mund, in der Nase oder im Darm bilden. Etwa 100 Billionen Arten dieser Mikroorganismen leben im und am Menschen, ihre Gesamtheit wird als Mikrobiom bezeichnet. Bakterien unterstützen den Abbau von nicht verdaulichen Nahrungsmitteln, wie zum Beispiel von Ballaststoffen. Sie entwickeln und trainieren das Immunsystem, bilden eine schützende Schleimhaut im Darm, produzieren die Vitamine K und B, die für die Blutgerinnung und Nervenleitung bedeutsam sind. Sie schützen vor krankmachenden Bakterien, haben einen Einfluss auf unser Gehirn und sind imstande, Neurotransmitter (wie Sero- tonin, das „Glückshormon“) zu bilden.


Gutes für die Darmflora

Die Art der Ernährung und der Lebensstil beeinflussen die Darmflora. Aber auch verschiedene Medikamente, wie Antibiotika, können das Mikrobiom beeinflussen. Diabetes oder chronische Entzündungen stehen damit in engem Zusammenhang.

Auch von unseren Genen hängt der Zustand des Immunsystems ab. So etwa bekommt ein Baby bereits eine bestimmte genetische „Grundausstattung“, und jeder Mensch hat demnach eine individuelle Darmflora, die im Laufe des Lebens relativ stabil bleibt. Mit dem Alter verändert sich das Mikrobiom, die ideale Vielfalt nimmt ab. Ernährung (wenig Fett, viele Ballaststoffe) und Bewegung ha- ben einen positiven Einfluss auf das Mikrobiom.


Aktuelle Ergebnisse

Neueste Forschungen der Medizinischen Universität Graz zeigen, dass auch Archaeen ein wichtiger Teil eines funktionierenden Mi- krobioms sind. Darunter versteht man einzellige Lebewesen mit besonderen Eigenschaften, eine Vielzahl finden sich im menschli- chen Mikrobiom. Wissenschafterinnen und Wissenschafter an der Med Uni Graz untersuchen gemeinsam mit Kollegen aus Deutsch- land und Frankreich die Rolle, die Archaeen für Gesundheit und Krankheit spielen.

„Bisher wurde unter den Archaeen noch kein einziger Pathogener identifiziert, also kein direkt krankheitsverursachendes Kleinstlebe- wesen“, beschreibt Mikrobiomforscherin Univ.-Prof. Dr. Christine Moissl-Eichinger. Insgesamt ist über die Rolle der Archaeen für Ge- sundheit und Krankheit noch sehr wenig bekannt. Die Grazer Forscher fanden aber heraus, dass sich ein frühes „Zusammentreffen“ von Kindern mit Archaeen möglicherweise positiv auf ein Asthma-Risiko auswirkt. Manche Archaeen spielen auch eine wichtige Rolle beim Abbau von Trimethylaminen, Schlüsselmolekülen in der Entstehung von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und könnten so beispielsweise Arteriosklerose vorbeugen.


Doris Simhofer

erschienen in GESUND & LEBEN 09/2020