KINDERWUNSCH

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Wir wollen ein Baby!

Ein Kinderwunsch ist der Beginn eines neuen Lebens-abschnitts – doch unerfüllt kann er die Beziehung stark belasten. GESUND & LEBEN verrät, wie Sie die Chancen, schwanger. zu werden, erhöhen.

Während der Corona-Krise hatten viele Paare die Möglichkeit, so viel Zeit wie schon lange nicht mehr miteinander zu verbringen. Wo- möglich wurden dabei Zukunftspläne geschmiedet und festgestellt, dass nun ein optimaler Zeitpunkt für den Start der Familienpla- nung wäre. Die große Euphorie kann jedoch auch zur Belastung werden, wenn sich der Kinderwunsch über Monate oder sogar Jahre nicht erfüllt. Prim. Dr. Andreas Nather, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und Ärztlicher Leiter der Privatklinik für frauenspezi- fische Medizin, Woman & Health, klärt auf, was es zu beachten gilt.


Durchchecken lassen

Bevor Paare aktiv an der Erfüllung des Kinderwunsches zu arbeiten beginnen, rät Nather zu einer gynäkologischen Routineuntersu- chung für die Frau: „Dabei wird ein Krebs- und HPV-Abstrich genommen und die Patientin auf

Bakterien und Pilze untersucht, die eine Schwangerschaft behindern könnten.“ Von Unfruchtbarkeit spricht man erst dann, wenn die Frau nach einem Jahr intensiver Bemühungen noch nicht schwanger geworden ist. „Dabei unterscheidet man zwischen primärer und sekundärer Sterilität. Ersteres trifft ein, wenn die Frau noch nie schwanger war beziehungsweise der Mann noch nie ein Kind gezeugt hat. Eine sekundäre Sterili- tät betrifft Frauen oder Männer, die bereits einmal Eltern geworden sind, es aber nicht erneut schaffen“, sagt Nather. Das kann zum Beispiel aufgrund einer zwischenzeitlichen Infektion oder

Operation der Fall sein. Grundsätzlich sollte man dem Zyklus Zeit geben, sich nach dem Absetzen von empfängnisverhütenden Methoden wieder einzupendeln. „Gerade nach dem Absetzen der Pille sehen wir aber, dass Frauen durchaus schnell schwanger werden können“, gibt der Gynäkologe Entwarnung. Sollte länger als ein Jahr keine Schwangerschaft eintreten, sind weiterführende Untersuchungen nötig. Bei Zy- klusunregelmäßigkeiten empfiehlt der Experte, den Hormonstatus zwischen dem zweiten und fünften Zy- klustag bestimmen zu lassen. Mit einem speziellen Röntgen oder Ultraschall kann darüber hinaus die Durchgängigkeit der Eileiter überprüft werden.

Besonders wichtig, betont Nather, sei außerdem eine Untersuchung der Schilddrüse, da auch eine Schild- drüsenüberfunktion oder -unterfunktion Zyklusstörungen auslösen und die Fruchtbarkeit mindern kann. Kommt es trotzdem zur Empfängnis, ist bei einer unbehandelten Schilddrüsenerkrankung das Risiko für eine Fehlgeburt besonders in den ersten Schwangerschaftsmonaten erhöht.


Auch auf den Papa kommt’s an

In etwa 40 Prozent der Fälle kann der Mann dafür verantwortlich sein, dass sich der Kinderwunsch eines Paares vorerst nicht erfüllt. „Umso wichtiger ist es, dass sich beide Partner untersuchen lassen, wenn kei- ne Schwangerschaft zustande kommt“, erklärt Nather. Wenn ein Spermiogramm gezeigt hat, dass nur we- nige befruchtungsfähige Spermien im Ejakulat zu finden sind, kann eine Hormon-statusbestimmung Auf- schluss über die Gründe geben. Entsprechend kann möglicherweise eine Hormontherapie oder eine ande- re Behandlungsform weiterhelfen.

Während Fruchtbarkeitsprobleme von Frauen verschiedene Ursachen haben können – von Endometriose über Infektionen bis hin zu Hormonstörungen – sind bei Männern vor allem eine ungesunde Lebensfüh- rung und Umwelteinflüsse ausschlaggebend. Besonders interessant: Zahlreiche Studien zeigen, dass die Spermienqualität bei Männern in den letzten 80 Jahren um 50 Prozent abgenommen hat. Das Phänomen ist nicht dramatisch, aber ungeklärt. Forscherinnen und Forscher aus aller Welt rätseln, ob Umweltgifte, Krankheiten oder Strahlen dafür verantwortlich sind. „Und auch die psychische Komponente spielt bei Kin- derwunsch eine wesentliche Rolle. Wir empfehlen daher in vielen Fällen eine psychologische Begleitthera- pie“, sagt Nather.


Der Weg zum Baby

Sobald alle Untersuchungen abgeschlossen sind, kann die Gynäkolo- gin oder der Gynäkologe mit Behandlungen beginnen, um das Paar zu unterstützen. Dafür stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung – vom Zyklusmonitoring über eine orale Therapie oder Injektionstherapie bis hin zur künstlichen Befruchtung. Hierbei, sagt Nather, gehe es nicht darum, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, sondern sich für die erfolg- versprechendste Option zu entscheiden: „Oft ist es nicht sinnvoll, viele verschiedene Dinge auszuprobieren, zum Beispiel aufgrund des Alters der Patientin oder weil durch ein Problem mit den Eileitern die Chan- cen, natürlich schwanger zu werden, zu gering sind. Gemeinsam mit den Patientinnen kann in den meisten Fällen eine optimale Lösung ge- funden werden“, betont Nather. „Damit der Wunsch nach einem Kind rasch in Erfüllung geht.“


Michaela Neubauer

erschienen in GESUND & LEBEN 07+08/2020