GESUNDHEITSFÖRDERUNG

FotoS: AK NÖ, istockphoto/ andresr

Was ist betriebliche Gesundheitsförderung?


Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) umfasst alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesund- heit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

Dies kann durch eine Verknüpfung folgender Ansätze erreicht werden:

-Verbesserung der Arbeitsorganisation und der Arbeitsbedingungen

-Förderung einer aktiven Mitarbeiterbeteiligung

-Stärkung persönlicher Kompetenzen

(Luxemburger Deklaration)

Gesundheit fördern am Arbeitsplatz

Betriebliche Gesundheitsförderung wird immer wichtiger für Mitarbeitende und Führungskräfte – und für die Betriebe selbst. Denn je wohler sich Menschen am Arbeitsplatz fühlen, desto besser können sie Leistung erbringen.

  Sie verbringen einen großen Teil Ihrer (Lebens-)Zeit am Arbeitsplatz. Zufriedenheit bei und durch die Arbeit ist ein- e wichtige Voraussetzung für körperliche und seelische Gesundheit. Die Initiative »Tut gut!« und die NÖ Gebietskranken- kasse unterstützen Firmen dabei, betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) im Unternehmen umzusetzen- .

BGF-Projekte können:

-Gesundheit und Arbeitsfähigkeit stärke- n

-Arbeitsfreude und Wohlbefinden steiger- n

-Arbeitsklima und die Arbeitsbedingungen verbesser- n

-Motivation und Leistungsfähigkeit erhöhen

-das Image und den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes positiv beeinflusse- n

Unsere Arbeitswelt ist im Wandel und die Gesellschaft ist als Ganzes gefordert. Durch die Digitalisierung verändern sich Arbeitszeiten und Arbeitsorte. Der Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften steigt, aber die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. Druck und Tempo nehmen zu und bringen immer mehr Menschen an ihre Grenzen. Mehre- re Jobwechsel in einem Arbeitsleben sind keine Seltenheit mehr und ständige Erreichbarkeit verursacht Stress und Überforderung. Das alles wirkt sich auf die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Führung- skräfte aus. Zu sehen sind die steigenden Belastungen für die Arbeitenden an verschiedenen Faktoren: Von 90.000 jährli- chen Pensionsanträgen lauten rund die Hälfte auf Berufsunfähigkeitspensionen – und der Großteil davon wegen psychi- scher Erkrankungen. Fragt man Arbeitnehmer, gibt fast ein Drittel an, dass die Digitalisierung zu einem Anstieg ihrer psychischen Belastung geführt habe. Bei den Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz geben sieben von zehn Personen kö- rperliche Risikofaktoren an, davon ein Drittel die Anstrengung der Augen und gut ein Viertel das Hantieren mit schweren Lasten. Vier von zehn klagen über psychische Risikofaktoren, davon 40 Prozent über Zeitdruck und Überlastung- .


Gesundheitsförderung in der Praxis

Daher ist es nötig, in den Betrieben genau zu schauen, wie es den Mitarbeitenden geht. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die fehlen – wie eine zusätzliche kurze Besprechung, damit alle auf dem gleichen Stand des Wissens sind. Oder ein Wasserspender, ein Obstkorb, eine Möglichkeit, Pausen aktiv zu gestalten. Oder flexiblere Arbeitszeiten für Eltern, damit der Balanceakt der Kinderbetreuung besser zu managen ist. Ein wichtiges Thema sind auch gut ausgebildete Führung- skräfte, die nicht nur die geforderten inhaltlichen Kenntnisse haben, sondern auch gut auf jeden und jede im Team ac- hten: Wer hat gerade Ressourcen? Wer ist unter- oder überfordert? Wo staut sich die Arbeit zu sehr? Und was ist nötig, damit das Klima im Miteinander besser ist? Dafür bedarf es menschlicher Reife und Empathie, aber auch Zielorientier- theit, Kommunikationsfähigkeit und ein gutes Zeitmanagement sind essentiel- l.

Ein gutes Betriebsklima sorgt für weniger Krankenstände. Davon ist Josef Hager, Vizepräsident der Arbeiterkammer NÖ , überzeugt. Denn er erlebt es an seinem Arbeitsplatz, der dm drogerie markt GmbH, wo er seit 13 Jahren Zentralbe- triebsratsvorsitzender ist- .

In diesem Betrieb können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich für das Thema Gesundheit interessieren und im Betrieb etwas aktiv dazu beitragen wollen, als „Gesundheitsbotschafter Wirbelsäule“ ausbilden lassen. In der Ausbildung in Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftlern geht es um die Anatomie des Menschen, die Muskeln und deren Funktio- nen. Die Kosten für die Ausbildung trägt das Unternehmen, die Kurse finden in der Arbeitszeit stat- t.

Josef Hager berichtet: „Derzeit gibt es österreichweit knapp 20 ausgebildete Gesundheitsbotschafter, die unsere Mita- rbeiterinnen und Mitarbeiter direkt in den Filialen besuchen und dort einen Minicheck mit der Kollegenschaft durchführen. Dieser Check zielt darauf ab, Muskelschwächung und/oder -verkürzungen und Fehlhaltungen festzustellen. Im An- schluss zeigen die Gesundheitsbotschafter den Kollegen speziell auf sie zugeschnittene Tipps und Übungen. Das ist wichtig, weil gerade im Handel viel und manchmal schwer getragen und gehoben wird.“ Gesundheitsvorsorge beginnt damit, bewusst auf sich zu schauen und die Bedürfnisse seines Körpers ernst zu nehmen. Die Initiative »Tut gut!« bietet umfangreiche Serviceangebote in den Bereichen Gesundheit und Wohlbefinden – diese unterstützen beim Gesundwe- rden und beim Gesundbleiben. Die kostenlose Prozessbegleitung richtet sich an Betriebe und Gemeindebetriebe- n

BGF-PROGRAMME


Die Initiative »Tut gut!« bietet zwei Programme zur be- trieblichen Gesundheitsförderung (BGF) an :

-»Gesunder Betrieb«

-»Gesunder Gemeindebetrieb«

Die Ergebnisse aus bisherigen BGF-Projekten reichen von der Anschaffung ergonomischer Arbeitsmittel, Ein- führung eines gemeinsamen Mittagessens, Teambuil- ding- und Führungskräfteseminare, effizientere Gestal- tung von

Arbeitsabläufen, bis zur Einführung von Bewegungsein- heiten oder Obstpausen und Anschaffung eines Wasser- spenders. Besonderes Augenmerk

wird auf die nachhaltige Fortsetzung des Themas Ge- sundheitsförderung

nach Projektende gelegt. Bei Einhaltung der Qualitätskri- terien gibt es die Möglichkeit einer Auszeichnung. Infor- mationen: www.noetutgut.at


Die NÖGKK betreut Unternehmen in NÖ bei der Umset- zung von BGF-Projekten. Jeder Betrieb, der ein BGF- Projekt nach den Qualitätskriterien des Österreichischen Netzwerks erfolgreich abschließt bzw. BGF im Unterneh- men implementiert, kann ein Gütesiegel beantragen. Die gesundheitsfördernden Maßnahmen reichen von Füh- rungskräfteschulungen und Stressmanagement über ge- sunde Betriebsverpflegung und Vorsorgeuntersuchun- gen bis zu Suchtmittelentwöhnung. Mit dem BGF-Güte- siegel wird die Gesundheitsorientierung eines Unterneh- mens öffentlich sichtbar gemacht. Es wird auf jeweils drei Jahre vergeben, eine neuerliche Beantragung ist möglich.

Informationen: www.noegkk.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 03/2019