OSTEOPOROSE

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Osteoporose vorzubeugen ist eine lebenslange Aufgabe. Beginnen Sie so früh als möglich.


Die stille Volkskrankheit

Mehr als eine halbe Million Menschen in Österreich leiden an Osteoporose. Die Krankheit bleibt oft lange Zeit unbemerkt. In den meisten Fällen könnte sie aber gut behandelt werden.

Alle 30 Sekunden erleidet jemand in Europa einen Knochenbruch durch Osteoporose. Etwa jede dritte Frau und jeder fünfte Mann ist betroffen. In Österreich sind es rund 500.000 Menschen, die unter dieser Erkrankung vorwiegend des höheren Lebensalters leiden. Die Osteoporose zählt laut WHO weltweit zu den zehn häufigsten Erkrankungen. Bei Osteoporose vermindert sich die Knochenmas- se, die Knochen werden brüchiger. Wirbelbrüche und Oberschenkelhalsbruch sind die schmerzhaften Folgen dieser Erkrankung. Zu den Risikofaktoren zählen Alter, Geschlecht, genetische Veranlagung und ein ungesunder Lebensstil.


Oft lange unerkannt

Eine Crux bei dieser Erkrankung ist, dass fast die Hälfte der Betroffenen keine Therapie erhält, da ihre Osteoporose nicht erkannt wird. Somit ist die Erkrankung eine „stille“ Volkskrankheit, die zunächst auch keine Beschwerden verursacht. Meist stellt sich erst nach einem Knochenbruch heraus, dass der Patient unter dem krankhaften Knochenschwund leidet. Doch dann ist der Verlust der Knochenmasse oft schon weit fortgeschritten und die Stabilität der Knochen bereits reduziert. Das bedeutet auch, dass weitere Kno- chenbrüche und eine starke Einschränkung der Lebensqualität drohen. Vor allem Oberschenkelhalsbrüche haben für ältere Men- schen häufig gravierende körperliche und seelische Folgen: Chronische Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und eine vermin- derte Belastbarkeit sind das eine, die Angst vor dem nächsten Sturz, das daraus resultierende Vermeidungsverhalten und die Ab- hängigkeit von Hilfe von außen das andere.


Wichtig:Exakte Diagnose

Dabei kann die Osteoporose, wenn sie rechtzeitig erkannt wird, gut behandelt werden. Voraussetzung dafür ist eine korrekte Diagno- se durch Anamnese, klinische Untersuchungen, Röntgen, Knochendichtemessung und gegebenenfalls auch Computertomogra- phie, Ultraschall und Laboruntersuchung. Die – schmerzlose – Knochendichtemessung sollte bei allen Frauen ab 65 sowie bei all je- nen, bei denen die Menopause besonders früh beginnt oder Angehörige an Osteoporose erkrankt sind, alle zwei bis drei Jahre durchgeführt werden. Für die Früherkennung und Diagnose der Erkrankung ist diese Untersuchung die wichtigste Methode.


Basistherapie & medikamentöse Behandlung

Steht einmal fest, dass man an Osteoporose leidet, besteht die Basistherapie aus einer ausreichenden Versorgung mit Kalzium und Vitamin D. Bei Frauen und Männern ab dem 60. Lebensjahr wird eine tägliche Kalziumaufnahme von 1.000 mg empfohlen, die oft über die Nahrung gedeckt werden kann. Was Vitamin D betrifft, so ist die körpereigene Produktion dieses Vitamins abhängig von der Zeit, die man in der Sonne verbringt. Da die Aufnahme über die Nahrung für gewöhnlich gering ist, kann Vitamin D3 auch in Form von Tropfen oder Tabletten zugeführt werden.

In schwereren Fällen von Osteoporose helfen Medikamente. Die dabei eingesetzten Präparate verhindern entweder den Knochenab- bau oder unterstützen den Knochenaufbau. Das Ziel ist immer, das Bruchrisiko zu reduzieren.


Neue Option: Vitamin K

Österreichische Wissenschaftler fanden in diesem Zusammenhang kürzlich heraus, dass die zusätzliche Einnahme von Vitamin K hilfreich für positive Effekte sein könnte (mehr dazu auf Seite 33). In Laborstudien und mittels Tierversuchen getestet, gaben die Er- gebnisse Hinweise darauf, dass vor allem die zusätzliche Gabe von Vitamin K2 die Mineralisation der Knochen verbessert, den Ein- bau von Kalzium verstärkt und damit auch die Knochendichte verbessert. Darüber hinaus scheint es, dass Vitamin K die Wirkung von Knochenabbau mindernden Medikamenten unterstützt, besonders die jener Bisphosphonate, die in schwereren Fällen von Os- teoporose häufig eingesetzt werden.


Was Sie selbst tun können

Osteoporose vorzubeugen ist eine lebenslange Aufgabe. Und damit sollten Sie so früh als möglich beginnen. Das zentrale Ziel der Prävention ist es, von Kindheit an starke Knochen aufzubauen. Das ist besonders wichtig, weil sich das Knochengewebe in einem andauernden Auf- und Umbauprozess befindet, da es sich kontinuierlich an die Anforderungen des täglichen Lebens anpassen muss. Mit etwa 30 Jahren ist die größte Knochendichte erreicht. Danach überwiegt wieder der natürliche Abbau der Knochensub- stanz; die Knochen verlieren mit den Jahren an Stabilität. Im Fall von Osteoporose schreitet dieser normale Abbau von Knochensub- stanz besonders rasch und intensiv voran: Die Knochen werden „weicher“ und drohen schneller zu brechen.

Um das zu vermeiden, ist es wichtig, sich ausgewogen und vollwertig zu ernähren und ausreichend Kalzium und Vitamin D aufzu- nehmen. Wichtig ist es, das Normalgewicht zu halten und Untergewicht zu vermeiden, denn eine geringe Körper- und Muskelmasse begünstigt die Osteoporose-Entstehung. Bei starkem Untergewicht kann es über dem Ausbleiben der Regelblutung zu einer negati- ven Beeinflussung des Knochenstoffwechsels kommen.

Sehr wichtig ist auch ausreichende und richtige Bewegung. Wer auf seine Knochen achten möchte, sollte diese nicht ruhigstellen, sondern beanspruchen, denn mangelnde mechanische Belastung, also ein Mangel an körperlicher Bewegung, begünstigt die Ent- stehung von Osteoporose. Die beste Wirkung erzielt man bei Sportarten, bei denen das eigene Gewicht eingesetzt wird. Dazu zäh- len etwa bewegungsorientiertes Krafttraining, laufen, wandern, walken, aber auch tanzen.

Tun also auch Sie rechtzeitig etwas für Ihre Knochengesundheit! Ein gesunder Lebensstil schafft es laut wissenschaftlichen Untersu- chungen, die maximal erreichte Knochendichte innerhalb der genetischen Grenzen zu optimieren. Und verhilft Ihnen zu kräftigen Knochen, die Sie durchs Leben tragen.


Gabriele Vasak

Unsere Knochen


In etwa 205 Knochen hat der Mensch. Gemeinsam mit den Sehnen, Muskeln und Gelenken bil- den sie den Bewegungsapparat. Die Knochen sind sehr unterschiedlich – von den großen sta- rken Oberschenkelknochen, den Schädelknochen und Rippen bis hin zu den feinen Knöche- lchen im Innenohr. Knochen sind keineswegs fertige, harte Substanz, sondern lebendige und gut durchblutete Organe aus verschiedenen Arten von Geweben. Im Inneren der Knochen gibt es eine schwammartige Struktur aus feinen Knochenbalken- .

Bis etwa 30 bauen wir Knochensubstanz auf, ab dann wird sie abgebau- t.

Ein wichtiger Faktor für den Knochenaufbau ist, ob wir unsere Knoche- n

beanspruchen. Denn Knochen brauchen Belastungen, um stark zu bleiben- .

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 03/2019