TRIAL

Der Sprung nach oben

Für den Trialsport braucht man Kraft, Koordination, Ausdauer, Ba- lance, Kreativität und gutes Vorstellungsvermögen.

Herausforderung für Körper und Geist


Beim Trial geht es darum, auf einem Fahrrad einen Hindernispar- cours möglichst fehlerfrei zu absolvieren. Berühren die Füße den Boden, gibt es Fehlerpunkte. Man muss sein Bike in jeder Situati- on bestmöglich unter Kontrolle haben. Diese Eigenschaften sollte ein guter Trial-Fahrer mitbringen: Kraft, Koordination, Ausdauer im Intervallbereich, Stabilität, Balance, Gespür und ein Auge für die richtige Linie, Kreativität, Mut, gutes Vorstellungsvermögen, um die Sektionen vorher genau zu visualisieren, gute Fahrtechnik. Die einzelnen Sprünge werden oft hunderte Male geübt, bevor man sie wirklich schafft. Während des Trainings steht also das Stürzen und Absteigen auf der Tagesordnung der Athleten.

Thomas Pechhacker hat sein Bike zu jeder Zeit voll unter Kontrolle und begeistert mit seinem Können sowohl bei Wettkämpfen als auch Shows das Publikum.

FotoS: saalbach.com/Hannes Berger, ZVG

Trial ist ein akrobatischer Balanceakt. Thomas

Pechhacker aus Purgstall erobert mit seinem Fahrrad die ganze Welt.

In der Natur von Kindern liegt es, auf spielerische Art und Weise ihr Fahrrad auszutesten – ob beim Sprung über die Gehsteigkante oder beim Fahren auf dem Hinterrad, während das Vorderrad in der Luft ist. Diese Übungen sind der perfek- te Einstieg in den Trialsport, bestätigt Weltmeister Thomas Pechhacker. Der 23-Jährige aus Purgstall an der Erlauf be- kommt als Mitglied einer Trial-begeisterten Familie mit sechs Jahren sein erstes Trial-Bike. Noch im selben Jahr bestreitet er den ersten Wettkampf und erreicht als jüngster Starter den dritten Platz. Die ersten österreichischen Meistertitel lassen nicht lange auf sich warten. 2013 krönt sich der Purgstaller zum Vize-Weltmeister bei den Junioren, die ersten Podest- plätze im Weltcup

folgen prompt.

Seit Kurzem darf sich Thomas Pechhacker als erster Österrei- cher Weltmeister im Fahrrad-Trial nennen: Im November 2018 erfüllt er sich bei der Weltmeisterschaft in China einen Kind- heitstraum. Ein Erfolg, den er bis heute kaum fassen kann: „Es ist ein unglaubliches Gefühl, jeder Sportler träumt schon als Kind davon. Ich fahre mittlerweile Wettkämpfe gegen mei- ne Vorbilder aus den Anfängen. Gegen sie zu gewinnen fühlt sich irgendwie nicht real an. So richtig glauben kann ich es noch immer nicht, denn bis dahin ist es ein langer Weg!“


Fordert den Körper

Thomas Pechhacker hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist von seinem Sport vollauf begeistert: „Der Fokus, den man beim Trialsport braucht, ist für mich wie Meditation: Man muss mit den Gedan- ken im Moment sein – ein intuitiver Zustand. Wenn man es nicht ist, passieren Fehler.“ Viele Fähigkei- ten sind gefragt – von Kraft und Koordination über Ausdauer, Balance und Kreativität bis hin zu ei- nem guten Vorstellungsvermögen, um die zu fahrenden Sektionen genau zu visualisieren.

Er legt seinen Sport allen Radbegeisterten ans Herz: „Trial macht einfach Spaß und spornt dich an, über deine Grenzen hinauszugehen. Außerdem fordert der Sport den ganzen Körper und steigert auch die Sicherheit im Straßenverkehr. Man braucht nur ein Fahrrad. Den Rest, also die Hindernisse, findet man entweder in der Natur oder auf den Straßen als Mauern oder Stufen. Man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen.“


Disziplin & Training

Um sich den Traum vom Trial-Profi zu erfüllen, ist große Disziplin notwendig. Der Tag des Weltmeis- ters beginnt mit einer Yogaeinheit, noch bevor es zum Frühstück geht. Am Vormittag steht Krafttrai- ning oder die erste Trainingseinheit am Rad am Programm. Nach dem Mittagessen gilt es die Büroar- beit mit Sponsoren-Akquise, Projekt- und Reiseplanungen sowie Show-Buchungen zu erledigen. An- schließend folgt eine zweite Trainingseinheit am Rad und am Abend regenerative Maßnahmen wie Faszientraining, Dehnen oder mentales Training. Auch wenn er sich im Vorjahr mit der Goldmedaille einen großen Traum erfüllt hat, will sich Thomas Pechhacker nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. „Für mich ist der Weg das Ziel – das ist jetzt nicht nur ein Spruch, ich lebe es wirklich. Ich mache das, weil es mir Spaß macht, und es hat sich durch den Weltmeistertitel nicht geändert. So schaue ich stetig nach vorne. Für dieses Jahr sind unter anderem einige Videoprojekte geplant, denn ich möchte in Zukunft mehr in Richtung Video- und Filmproduktion gehen.“

Sowohl national als auch international hat sich der Trialsport in den letzten Jahren gut entwickelt. Mittlerweile gibt es viele gute Sportlerinnen und Sportler, die Veranstaltungen werden immer größer und professioneller. Ein neues Format will dem Publikum seit dem Vorjahr noch mehr Show bieten. Vielleicht wird der Trialsport in den nächsten Jahren auch olympisch. Dann könnte der Mostviertler ein weiteres Mal österreichische Sportgeschichte schreiben.


Werner Schrittwieser

Der Einstieg in den Trialsport


Tipps von Weltmeister Thomas Pechhacker

-Gleichgewicht trainieren

-versuchen, möglichst langsam zu fahren

-stehenbleiben, ohne die Füße vom Pedal zu nehmen

-Vorder- und Hinterrad versetzen

-Wheelies: Fahren auf dem Hinterrad, während das Vorderrad in der Luft ist

-Stoppies: Aufstellen auf dem Vorderrad durch die Lastverteilung beim Bremsen

-Hinterradsprünge: auf der Stelle hüpfen, später größere Sprünge

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2019