HAUT

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Wie Feuer auf der Haut

Nesselausschlag ist eine häufige Hauterkrankung und kann mitunter äußerst belastend sein.

Plötzlich auftretende Quaddeln auf der Haut, die so aussehen, als wäre man mit Brennnesseln in Berührung gekommen und einen oft unerträglichen Juckreiz verursachen. Begleitet werden sie mitunter von sogenann- ten Angioödemen, manchmal schmerzhaften Schwellungen: Urtikaria ist eine häufige Hauterkrankung. Rund 25 Prozent aller Menschen machen einmal im Leben Bekanntschaft mit dem Nesselausschlag. Ursa- chen und Ausprägungen der Erkrankung sind unterschiedlich. Das Spektrum reicht von kurz andauernden, leichten Beschwerden bis zu jahrelanger ständiger Qual und von klaren Auslösern bis zu Fällen, bei denen man keine Ursache findet. „Allen Erscheinungsformen der Urtikaria gemeinsam sind die Quaddeln, die durch die

Wirkung von Histamin in der Haut entstehen“, erklärt Prim. Dr. Franz Trautinger, Leiter der Klinischen Abtei- lung für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Universitätsklinikum St. Pölten. „Aus Abwehrzellen des Im- munsystems, den Mastzellen, wird Histamin freigesetzt. Dieses erweitert die Blutgefäße der Haut und macht sie durchlässig für die Blutflüssigkeit. Diese Flüssigkeit tritt dann in die Haut aus, sammelt sich lokal und führt zu dem sichtbaren Ausschlag.“


Verschiedene Formen

Viele Urtikaria-Episoden dauern nur wenige Tage oder Wochen an. Man spricht dann von einer akuten oder akuten spontanen Urtikaria. Weitaus schwieriger zu ertragen sind Formen, die über mehrere Monate oder Jahre bis Jahrzehnte bestehen und die als chronische oder chronisch spontane Urtikaria bezeichnet wer- den. Sie bedeuten eine enorme Belastung und haben oft auch eine große Einschränkung der Lebensquali- tät zur Folge. Außerdem unterscheiden die Experten noch, ob die Urtikaria bekannte Auslöser hat oder nicht. „Kennt man die äußeren Reize, die die Krankheit verursachen, spricht man von einer induzierbaren Urtikaria. Solche Auslöser können etwa Kälte, Druck, Licht, bestimmte Nahrungsmittel, Medikamente wie zum Beispiel manche Schmerzmittel oder auch Anstrengung sein“, weiß Trautinger. Betroffene sollten nach Möglichkeit das meiden, was die Urtikaria auslöst.

Doch gibt es zahlreiche Patienten, bei denen es keinen bekannten Auslöser für die juckende Qual gibt. Vie- le von ihnen bringen trotzdem oft eine Odyssee von Untersuchungen hinter sich, die aber zu keinem Ergeb- nis führen. „Bei der chronisch spontanen Urtikaria sollten weiterführende Untersuchungen nur dann ge- macht werden, wenn zusätzlich noch andere Beschwerden wie etwa Gelenkschmerzen oder Atembe- schwerden vorliegen. Ansonsten gilt es zu akzeptieren, dass wir die Auslöser für diese Form der Erkran- kung nicht kennen. Effiziente Behandlung ist trotzdem möglich.“


Effiziente Behandlung

Die Behandlung der Urtikaria ist in der Regel eine symptomatische Therapie, bei der man versucht, die Krankheitserscheinungen durch Medikamente zu beseitigen. „Zum Einsatz kommen dabei in erster Linie An- tihistaminika in Tablettenform. Patienten, bei denen eine lang andauernde chronisch spontane Urtikaria vor- liegt und die mit Antihistaminika nicht zufriedenstellend behandelt werden können, erhalten nach den neu- esten internationalen Therapie-Leitlinien den IgE-Antikörper Omalizumab. Erst in dritter Linie und nur in sel- tenen Fällen werden immunsuppressive Medikamente eingesetzt“, sagt Trautinger, der damit die wirkungs- vollen und individuell gut anpassbaren Behandlungsmöglichkeiten der Urtikaria beschreibt.



Gabriele Vasak

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 01/2019