IM GESPRÄCH


„Langsam an den Berg herantasten“

Der Landeseinsatzleiter der Bergrettung in Niederösterreich, Martin Gurdet, wünscht sich, dass die Menschen die wunderschöne Natur in Niederösterreichs Bergwelt genießen – und sicher wieder ins Tal kommen. Er antwortet im Word-Rap.

Ich bin bei der Bergrettung gelandet, weil … ich gerne anderen Menschen helfe und die Kameradschaft in der Bergrettung sehr schätze. Auch einen persönli- chen Beitrag für eine funktionierende Gesellschaft zu leisten, ist ein Motivator.


Wichtig dabei ist mir … dass die Mischung aus Verantwortung übernehmen und freiwilligem Handeln stimmig ist.


Verändert haben sich in den letzten Jahren … die Rahmenbedingungen: Stetig kommen neue Mode-Sportarten dazu, wie Klettersteiggehen im Sommer und Skitourengehen im Winter. Hat man sich früher die Ausrüstung in spezialisier- ten Sportgeschäften besorgt, kriegt man sie heute in jedem Sportgroßhandel. Das verändert auch die Anforderungen an uns, weil deutlich mehr Menschen unterwegs sind – und nicht bei allen passen Trainingsstatus, Vorbereitung und Selbsteinschätzung. Wichtig ist, dass man sich, etwa durch die alpinen Vereine oder einen Bergführer begleitet, langsam an den Berg herantastet. Denn der Schritt von der Kletterhalle in den Fels ist ein riesengroßer, den man in Ruhe vorbereiten sollte.

Ich wünsche mir von den Bergsportlern, dass … sie sich wirklich gut vorberei- ten, das heißt, dass sie langsam Erfahrung sammeln, bevor sie die Anforderun- gen steigern. Denn im alpinen Gelände sind Ausrutschen und Stolpern die häu- figsten Unfall- und Todesursachen. Was auf der grünen Wiese kein Drama ist, wird am Berg rasch zum großen Problem, wenn neben dem Weg ein Abhang oder Abbruch ist.

Und noch etwas: Viele Menschen denken, wenn sie Hilfe brauchen, kommt die so schnell wie in der Stadt. Doch oft kann der Hubschrauber nicht helfen, und bis wir vor Ort sind, kann es dauern, weil wir erst einmal hinaufsteigen müssen. Das Bergen einer Person – selbst mit einer leichten Verletzung – ist im steilen Gelände wesentlich umfangreicher und umständlicher als am flachen Land – das sollten Naturbegeisterte bedenken.


Richtig vorbereitet ist man, wenn … man seinen eigenen Trainingszustand richtig einschätzt, die Tour so geplant hat, dass man sie leicht bewältigen kann, eine entsprechende Ausrüstung – mit der man auch umgehen kann – hat und das Wetter entsprechend ist. Also immer, wenn man viele Polster und für den Fall der Fälle auch einen Plan B hat.


Zur Person


Martin Gurdet, 42, ist hauptberuflich Bundesgeschäftsführer des Österreichischen Bergrettungsdienstes. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt im Bezirk Mödling. Ehrenamtlich ist er Landeseinsatzleiter für Niederösterreich und Einsatzleiter der Bergrettungs-Ortsstelle Grünbach am Schneeberg.


EHRENAMT

BERGRETTUNG


In Österreich ergeben die sieben unabhängigen Landesleitun- gen gemeinsam den Bundesverband des Österreichischen Bergrettungsdienstes (ÖBRD). Mehr als 12.600 ehrenamtli- che Bergretterinnen und Bergretter in 291 Ortsstellen ste- hen bereit, um im unwegsamen alpinen Gelände Verunglück- ten, Vermissten oder in Not geratenen Personen Hilfe zu leisten. Die Bergrettung stellt für die Einsätze eine Rechnung an den Verunfallten. Eine eigene Versicherung kann diese Kosten übernehmen. Mit einem Fördererbeitrag von mindes- tens 28 Euro werden Sie samt Familie außerordentliches Mit- glied der Bergrettung (ab 1. November 2018).


Informationen: www.bergrettung.at

Alpinnotruf 140 (Alarmierung über Notruf NÖ) oder Euronot- ruf 112

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 09/2017