PFLANZEN

Magische Pusteblume

Löwenzahn wirkt positiv auf die

Gesundheit und schmeckt besonders

im Frühling ausgezeichnet.

FotoS: istockphoto/ osoznaniejizni, adobe stock/ Bess Hamit- i

Kinder lieben den Löwenzahn, denn schließlich verwandelt er sich nach der Blüte in eine magische Pusteblume, die man als Orakel nutzen kann: Nach alter Überlieferung darf man sich dabei etwas wünschen und wenn es gelingt, alle an kleine

Fallschirme erinnernden Samen auf einmal wegzupusten, soll dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Ein anderer Brauch be- schreibt den Löwenzahn als Heiratsorakel: So viele der klei- nen Fallschirmchen am Blütenboden hängen bleiben, so vie- le Jahre dauert es noch bis zur Hochzeit.


Naturschauspiel

Der Löwenzahn ist eine äußerst robuste Pflanze, die auch in kargen Mauerspalten gedeiht. Eine einzelne Pflanze kann,

wenn sie mehrfach zur Blüte kommt, über 5.000 Samen im Jahr produzieren. Die Blütenköpfe öffnen sich bei Sonnenschein vollständig und schließen sich wieder, wenn der Himmel sich bewölkt – auch wenn nur ein paar Wolken über die Wiese zie- hen. Wenn die Blüten dicht an dicht stehen, scheinen sie mit ihrer Schließbewegung dem Schatten über der Wiese zu fol- gen. Neben seiner lateinischen Bezeichnung Taraxacum officinale trägt der Löwenzahn im Volksmund unzählige andere Na- men: Kuhblume heißt er, weil ihn das Weidevieh dem banalen Gras vorzieht.

Maiblume, weil die Samen in diesem Monat durch die Luft fliegen. Und Pissblume oder Pissnelke wegen seiner harntreiben- den Wirkung.


Heilpflanze

Der Löwenzahn ist eine traditionelle Heilpflanze, deren Wirkungen auch die moderne Medizin anerkannt hat. Bitterstoffe ver- leihen ihm seinen typischen Geschmack und wirken verdauungsfördernd, appetitanregend und harntreibend. Für Letzteres ist zusätzlich auch der relativ hohe Kaliumgehalt verantwortlich. Deshalb wird die Pflanze zur Förderung der Harnbildung bei einer Durchspültherapie und bei verschiedenen Verdauungsstörungen eingesetzt. Zudem regt sie die Funktionen von Leber und Gallenblase an. Löwenzahn gilt als Mittel zur Entgiftung und Blutreinigung in der Frühjahrskur. Er soll den Allgemeinzu- stand bei Leberleiden und Leberfunktionsstörungen bessern, die Gallensteinbildung vermindern und die Bauchspeicheldrü- se entlasten. Außerdem wird Löwenzahn bei Entzündungen der ableitenden Harnwege, bei Prostataerkrankungen und Harn- wegsinfektionen empfohlen. Zur Anwendung kommt das Heilkraut meist in Form eines Löwenzahntees: Für 250 Milliliter Tee ein bis zwei gehäufte Teelöffel getrockneten Löwenzahnkrauts mit Wurzel mit kochend heißem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Abseihen und in kleineren Schlucken trinken, pro Tag nicht mehr als drei Tassen und insgesamt nicht länger als vier Wochen.


Kraftvolle Küchenzutat

In der Küche wird der Löwenzahn immer beliebter. Löwenzahnblätter übertreffen etwa den Eisengehalt von Spinat um ein Vielfaches. Außerdem sind sie reich an Provitamin A und schneiden dabei besser ab als die Karotte. Der zarte junge Löwen- zahn im Frühling eignet sich solo oder zusammen mit anderem Blattgemüse perfekt für einen knackigen Salat. Man kann die Blätter in feine Streifen schneiden und in Kräutertopfen oder Kräuterbutter mischen. Manch einer mag ihn auch einfach auf dem Butterbrot oder streut ihn über Gemüsegerichte. Größere Löwenzahnblätter kann man wie Spinat zubereiten oder in Gemüsesuppen und Eintöpfen mitgaren. Und wer die Deko liebt, fügt frühlingshaften oder sommerlichen Salaten und ande- ren Gerichten die gelben Blüten bei. Essbar ist die gesamte Pflanze. Die Pusteblume ist also weit mehr als nur ein hübsches Spielzeug der Natur.


Gabriele Vasak

Löwenzahnsirup


Für einen feinen Löwenzahnsirup 400 der gelben Blüten sammeln, waschen und anschließend 15 Minuten lang in eineinhalb Liter Wasser kochen. Nach dem Abseihen durch ein Tuch ein Kilo Zucker beifügen, nochmals aufko- chen lassen und drei Esslöffel Zitronensäure beigeben. In Flaschen abfüllen – fertig!

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2019