VERSORGUNG

FotoS: zvg

Die Soziale Alltagsbegleiterin Monika Gaupmann und ihre Kundin Elfriede Neuhold kochen gerne gemeinsam. Diesmal Apfelstrudel.

Monika Gaupmann gehört zu den Ersten, die den neuen Beruf der Sozialen Alltagsbegleiterin ergriffen haben. „Kunden und ihre Angehörigen sind glücklich über die neue Betreuungsmöglichkeit und hoffen, dass es nach dem Pilotprojekt weitergeht“, erzählt sie.


Kundin Elfriede Neuhold liebt die gemeinsame Zeit mit ihrer Sozialen Alltagsbegleiterin Monika Gaupmann, in der sie gerne über alte Zeiten sprechen und im Heimat- buch von Wiesenbach lesen. Gegen Ende eines jeden Besuches dokumentiert die Betreuerin, was gemacht wurde. Am Handgelenk immer mit dabei hat Elfriede Neuhold einen mobilen Funksender, um im Notfall Hilfe rufen zu können.


Beruf mit Berufung

Seit dem Vorjahr läuft in NÖ ein Pilotprojekt zum neuen Beruf der Sozialen Alltagsbegleitung. GESUND&LEBEN hat eine Absolventin begleitet und geschaut, was das neue Berufsbild bringt und wer dafür geeignet ist.

Es ist ein kalter Vormittag in Wiesenbach. Der zersiedelte kleine Ort nahe Lilienfeld liegt in den Voralpen. Eine frisch mit Schnee be- deckte, schmale Straße führt zum etwas abgelegenen Haus von Elfriede Neuhold. Die umliegenden Berge und Wälder sind noch in Dunst gehüllt, der nur langsam von der Sonne durchbrochen wird.

Elfriede Neuhold ist längst auf den Beinen. Die 92-jährige Dame hat Kaffee gemacht und ein paar Kekse hergerichtet. Die alleinle- bende Frau ist gut gelaunt. Sie bekommt Besuch. Man könnte meinen, eine gute alte Freundin ist auf dem Weg zu ihr. Und damit läge man gar nicht so falsch.


18 Soziale Alltagsbegleiter

Es ist Monika Gaupmann, die schon sehnsüchtig erwartet wird. Die 45-Jährige ist eine von 18 Sozialen Alltagsbegleiterinnen und - begleitern in NÖ. Sie gehört zu den Ersten, die die Ausbildung zu diesem neuen Beruf im Vorjahr absolviert haben. Dahinter steckt ein Pilotprojekt des Landes NÖ, das gemeinsam mit dem Hilfswerk NÖ läuft und noch weiter auf die anderen im Land tätigen mobi- len Dienste ausgedehnt werden soll. Soziale Alltagsbegleiter sollen vor allem pflegende Angehörige entlasten und ältere Menschen bei alltäglichen Verrichtungen unterstützen. Monika Gaupmann ist ebenfalls schon früh aufgestanden und hat bereits ihren ersten Kundenbesuch absolviert. Nun trifft sie bei Elfriede Neuhold ein. Die Begrüßung ist herzlich. Zwei Stunden wird sie bleiben, der älte- ren Dame Gesellschaft leisten, etliche Handgriffe im Haushalt abnehmen und beim Zubereiten des Mittagessens helfen. Am Plan

um, diese zu entlasten“, meint sie: „So können sie beruhigt einkaufen oder auf einen Kaffee gehen. Dabei wissen sie, dass jemand bei der Oma oder dem Opa ist.“


Arztbesuch bis Blumengießen

Zu den meisten Kundinnen und Kunden kommt Monika Gaupmann ein bis zwei Mal pro Woche für jeweils zwei Stunden. Für viele sei es zudem wichtig, dass sie mit dem Auto zum Einkaufen, Arzt oder Friedhof mitfahren können. Und: „Viele sind zwar noch mobil, trauen sich aber aus Angst vor einem Sturz nicht mehr alleine spazieren zu gehen. In Begleitung ist das anders.“

„Die Monika macht alles – aber nur in meiner Anwesenheit“, erzählt Elfriede Neuhold. Dazu gehören auch das Füttern ihrer Katze oder das Gießen des Blumen- und Gemüsegartens im Sommer. „Ich darf anschaffen“, grinst sie. „Sonst sitzen wir viel zusammen und reden über alte Sachen“, ergänzt Monika Gaupmann. Sie hat sich sogar ein Buch über die Heimatgeschich- te von Wiesenbach gekauft, um mitreden zu können. „Monika war mir gleich sympathisch“, erzählt Elfriede Neuhold über ihre Alltagsbegleiterin. In den vergangenen zwölf Monaten habe sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Zum Hilfs- werk hat Elfriede Neuhold schon eine jahrzehntelange Verbindung. „Meine Mutter war zu pflegen, die 96 Jahre alt wurde, und auch mein kranker Mann, der mit 74 gestorben ist. Und da brauchte ich natürlich immer Unterstützung“, erinnert sie sich und zeigt wehmütig auf die Familienfotos, die ringsum an der Wand hängen. Dann fängt sie zu strahlen an und blickt auf die Bilder von ihren zwei Kindern, vier Enkerln und ihrem Urenkerl, mit denen sie laufend in Kontakt steht.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 03/2019