PFLANZEN

Unscheinbar schön

Das bescheidene Gänseblümchen ist einer der ersten Frühlingsboten. Interessant sind seine Heilwirkungen und seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten in der Küche.

FotoS: istockphoto/ K. Thalhofer

Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich … Jeder kennt das Liebesorakel, das man mit dem unscheinbaren Gänseblümchen anstellen kann. Sonst findet die kleine Pflanze, die als einer der ersten Frühlingsboten Wiesen und Wegränder überzieht, wenig Beachtung. Dabei ranken sich um diese ausdauernde Schöne, die oft bis in den November hinein blüht, zahlreiche Mythen und Legenden. So heißt es etwa, dass wer die ersten drei Gänseblüm- chen im Frühjahr isst, das restliche Jahr von Zahnschmerzen, Au- genbeschwerden und Fieber verschont wird.

Königsgräber aus dem dritten Jahrtausend vor Christus im heuti- gen Irak enthielten einen goldenen Kopfschmuck, der mit Gänse-

blümchen verziert ist. Im 13. Jahrhundert nahm der französische König Ludwig IX. das Gänseblümchen zusammen mit der Lilie in sein Wappen auf und ließ sich dazu einen geflochtenen Blütenkranz anfertigen. Im 18. Jahrhundert hingegen dichte- te man dem Gänseblümchen „böse“ Wirkungen an: Es gab sogar eine Verordnung, die den Bauern vorschrieb, die Pflanze völlig auszurotten, da sie zum Abtreiben unerwünschter Leibesfrucht missbraucht werden könnte – was definitiv nicht stimm- te.


Heilpflanze

Das Gänseblümchen hat aber so seine Wirkungen: Als Heilpflanze wurde es bereits im Mittelalter eingesetzt, und auch heu- te schwören viele Pflanzenkundige auf sein Potenzial. Das Saponin-haltige Wildkraut hat sich vor allem als schleimlösendes und auswurfförderndes Hustenmittel bewährt. Es wird in erster Linie als Tee verwendet und soll zudem bei Verdauungsbe- schwerden und Stoffwechselleiden, aber auch bei Hauterkrankungen wie Milchschorf und Ekzemen nützlich sein. Diese Wir- kungen beruhen vermutlich auf den im Gänseblümchen enthaltenen Gerb- und Bitterstoffen sowie Flavonoiden. Eine Salbe mit Gänseblümchen (siehe Infokasten) wirkt entzündungshemmend und wundheilend. Man kann auch blaue Flecken damit behandeln. Regelmäßig angewandt hilft sie gegen Pigment- und Altersflecken und in der Stillzeit gegen wunde Brustwar- zen.


Wunderbare Küchenzutat

Auch in der Küche lässt sich das Gänseblümchen hervorragend verwenden. Die Blüten sind essbar, ihr Geschmack zart nussig. Die Blätter hingegen, die man ebenfalls zum Kochen verwerten kann, haben eine grüne, leicht säuerliche Note und ähneln einer milden Variante des Sauerampfers. Ernten kann man das Gänseblümchen übrigens vom Frühling bis zum Spätherbst. Kenner empfehlen dafür jedoch das späte Frühjahr und die Sommermonate, in denen die Pflanze beste Qualität verspricht.

Blätter und Blüten schmecken pur in Blattsalaten ebenso wie in Kräutertopfen, selbstgemachter Kräuterbutter oder auf ei- nem schlichten Butterbrot. Wer es pikanter mag, kann die Knospen von Gänseblümchen einlegen und als Ersatz für Kapern nutzen. Und auch für Pesto-Liebhaber gibt die Pflanze einiges her: Für die Herstellung von Gänseblümchenpesto braucht es lediglich zwei Handvoll abgewaschener Blätter, geröstete Pinienkerne, Cashewnüsse oder Sonnenblumenkerne, reichlich Olivenöl, etwas Salz und Pfeffer. Alle Zutaten mit dem Pürierstab zerkleinern – wer mag, gibt noch geriebenen Parmesan oder Pecorino dazu.

Ein Wort noch zur Regenerationskraft des Gänseblümchens: Es erträgt Temperaturen bis minus 15 Grad und stellt fast keine Ansprüche an den Boden. Wenn es zertreten wird, steht es wieder auf und blüht weiter, als wäre nichts geschehen. Noch ein Grund also, der unscheinbaren Schönen etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen.


Gabriele Vasak

Gänseblümchensalbe


Für den kalten Ölauszug eine Handvoll Gänseblümchenköpfe ein paar Tage trocknen lassen, dann in ein Glas legen und mit gutem Olivenöl auffüllen, bis alles bedeckt ist. Das Glas für vier Wochen auf die Fensterbank stellen und täglich schütteln. Danach das Öl durch ein Baumwolltuch abseihen. Anschließend das Öl und Bienenwachs abwiegen. Auf 100 Milliliter Öl kom- men circa 15 Gramm Bienenwachs. Öl und Bienenwachs im Wasserbad er- wärmen, bis das Wachs flüssig ist. Unter Rühren das Gemisch wieder ab- kühlen lassen. Wer mag, fügt ganz zuletzt noch ein paar Tropfen eines äthe- rischen Öls hinzu. Danach das Gemisch in Tiegel abfüllen und aushärten lassen.

Tipp: Tiegel beschriften und kühl, trocken und dunkel lagern. So ist die Gänseblümchensalbe circa ein Jahr lang haltbar.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 03/2019