AUFRÄUMEN

Alles in Ordnung!

GESUND&LEBEN hat Tipps und Tricks für ein geordnetes Zuhause, das auf Dauer glücklich macht.

FotoS: adobe Stock/ New Africa

Der Kleiderkasten quillt über und wohin mit den neuen Schu- hen? Auf den Sesseln türmen sich Kleider, Hosen und Ta- schen, im Arbeitszimmer stapeln sich Papierstöße und die Badezimmerschränke sind überfüllt mit Kosmetika, Medika- menten und Reinigungsmitteln. In den meisten Haushalten gibt es mehr Gegenstände, als wirklich benötigt werden. Manche Dinge und Erinnerungsstücke werden jahre- oder so- gar jahrzehntelang aufbewahrt. Dazu kommen weitere An-

schaffungen, für die der Stauraum immer knapper wird. Nachlässigkeit und fehlende Ordnungsstra- tegien führen dann zu stundenlangem Suchen – typischerweise nach den Wohnungs- oder Auto- schlüsseln. „Menschen, die in so einem Chaos leben, haben sich an diese Situation meist schon ge- wöhnt“, erzählt Ordnungscoach Regina Halbauer. Als selbst ernannte „Schrankflüsterin“ schafft sie Ordnung in Büros, Wohnungen und Häusern. Häufig seien es nicht die Betroffenen selbst, sondern deren Partner, die mit der Unordnung nicht mehr zurechtkommen und professionelle Hilfe suchen: „Ich werde gerufen, wenn das Chaos überhandnimmt und zum Beispiel wichtige Unterlagen unauf- findbar sind.“


Kaufentscheidung überdenken

Warum wird es für viele Menschen immer schwieriger, Ordnung in ihren Wohnräumen zu schaffen? Oft hat es mit den vielen verlockenden Angeboten zu tun, die heute nicht mehr nur im Schaufenster, sondern auch in der Online-Welt an uns herangetragen werden. Wer auf diversen Verkaufsplattfor- men im Internet unterwegs ist, kennt Situationen wie diese: Sie haben gerade ein Buch bei einem Online-Händler bestellt und werden jetzt darauf aufmerksam gemacht, dass legendäre TV-Serien zum sensationellen Abverkaufspreis zu haben sind. Natürlich werfen Sie einen kurzen Blick auf das Angebot. Die komplette Staffel Ihrer Lieblingsserie ist supergünstig und nur einen Klick entfernt. Zu dumm, dass der Kasten mit alten DVDs schon überfüllt ist. Jetzt sollte ein Nachdenkprozess einset- zen: Erfreue ich mich an der TV-Serie noch in einem Jahr oder ärgere ich mich über die vollen Schränke? Wer sich nach gründlicher Überlegung für den Kauf entscheidet, sollte die Regel beach- ten, welche die amerikanische Autorin Francine Jay in ihrem Buch „Aufgeräumt macht glücklich“ auf- gestellt hat: „Eins rein – eins raus“: Für jede Neuanschaffung muss ein alter, ähnlicher Gegenstand weggegeben werden.


Altes entsorgen

Eine extremere Philosophie vertritt die Japanerin Marie Kondo, die sich selbst als „Aufräum-Junkie“ bezeichnet und mit ihren „Magic Cleaning“-Büchern weltweit Beachtung findet. Mit der von ihr entwi- ckelten KonMari-Methode sagt sie dem Chaos durch radikales Entrümpeln den Kampf an. Ihr Motto: „Wenn einmal richtig aufgeräumt wurde, tritt nie wieder das alte Chaos ein.“ Beim Ausmisten geht sie nicht zimmerweise vor, sondern teilt die Gegenstände in Kategorien ein. Sie empfiehlt, zuerst Klei- dung, dann Bücher, Unterlagen und Kleinkram auszusortieren. Erst am Ende kommen Erinnerungs- stücke, die für uns einen hohen emotionalen Wert haben. Liebesbriefe des Verflossenen, Fotos, Ta- gebücher von anno dazumal, Reisemitbringsel, Kindersachen, Glückwunschkarten oder Hochzeits- erinnerungen sind mit vielen Gefühlen verbunden und oft schwer loszulassen.

Bei der Entscheidung, etwas wegzuwerfen oder nicht, hilft die Frage, ob der Gegenstand tatsächlich noch glücklich macht. Will man sich vom Erbstück der Großeltern oder dem Reisesouvenir nicht tren- nen, sollten die schönsten Stücke an einer exponierten Stelle im Raum platziert werden, um ihnen Aufmerksamkeit zu garantieren, rät Ordnungscoach Regina Halbauer. Hat man das Zuhause nach dem Ausmisten von störendem Ballast befreit, stärkt das die Persönlichkeit und ein frischeres Le- bensgefühl kann Einzug halten. Die Aufräumexperten versprechen: Lässt man Altes los, kann ein neues Leben beginnen.


erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2019