Bewegung in der frischen Luft und gesündere Mahlzeiten: Claudia Hiesberger startet mit »Vor- sorge Aktiv« in ein leichteres Leben.

Bewegung in der frischen Luft und gesündere Mahlzeiten: Claudia Hiesberger startet mit »Vor- sorge Aktiv« in ein leichteres Leben.

VOLKSKRANKHEITEN I DIABETES

FotoS: Philipp Monihart

Fit im

neuen Jahr

Gesündere Ernährung, mehr Bewegung und viel Motivation: »Vorsorge Aktiv« hilft beim Kampf gegen überflüssige Kilos.

Übergewicht und Abnehmen – diese Themen beschäftigen Claudia Hiesberger seit ihrem 14. Lebensjahr. Über die Jahre ka- men Faktoren hinzu, die das Gewicht der 29-Jährigen weiter ansteigen ließen: Nach einer Hormontherapie und zwei Schwan- gerschaften blieb so manches Kilo auf den Hüften. Zusätzlich leidet sie an einer Schilddrüsenunterfunktion – kein Wunder, dass es die Mostviertlerin schwer hatte mit dem Abnehmen. Und trotzdem startete sie im Jänner 2017 damit, ihre zweite Tochter war damals erst wenige Monate alt. Die 1,60 m große Frau erleichterte sich mit einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung von 93 auf 78 Kilogramm. Ein großer Erfolg, aber noch nicht das Ziel. Eines fehlte Claudia all die Monate während des Abneh- mens: mentale Unterstützung. Als sie vom Programm »Vorsorge Aktiv« der Initiative »Tut gut!« erfuhr, bei dem es nicht nur um Bewegung und Ernährung geht, sondern auch um mentale Gesundheit, war sie Feuer und Flamme.

Bei »Vorsorge Aktiv« lernen die Teilnehmenden die wichtigsten Bausteine dieser drei Säulen. Um daran teilzunehmen, muss der Arzt im Vorfeld bestätigen, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht ist.


Porridge statt Wurst & Käse

Claudia Hiesberger wollte dieses Programm machen. Sie fand heraus, dass es prinzipiell in jeder Gemeinde angeboten wird. Einzige Voraussetzung: Es müssen sich mindestens acht Personen finden, die daran teilnehmen. Den Mund habe sie sich daraufhin „wassrig geredet“, er- zählt die lebensfrohe Frau – mit Erfolg: Viele waren in- teressiert und so starteten 14 Personen im Oktober 2017 in ihrem Wohnort Groß-Schollach im Bezirk Melk mit »Vorsorge Aktiv«.

Einmal pro Woche trifft sich die Gruppe, abwechselnd zu den Einheiten Ernährung, Bewegung und mentaler Ge- sundheit. Claudia Hiesberger hat bisher sehr viel mitneh- men können: Fixe Portionsgrößen und die Tellerauftei- lung geben ihr einen Überblick, wie eine Mahlzeit gestal- tet werden soll. Gleichzeitig lernen die Teilnehmenden, wie viel Gramm Kohlenhydrate sie beispielweise am Tag essen sollten. Und auch über Übergewicht und seine Folgen sprach die Gruppe mit der Diätologin.

Claudia Hiesberger nahm sich die Tipps zu Herzen und stellte ihr Essverhalten komplett um. Morgens kommen

nicht mehr Wurst und Käse auf den Teller, sondern ein gesunder Porridge. Dieser kunterbunt zusammengewürfelte Brei ist für Claudia ideal – er lässt sich leicht zubereiten und schmeckt gut: Verschiedene Flocken quellen dabei im heißen Wasser, wäh- rend sie das Obst klein schneidet und es gemeinsam mit Walnüssen, Gewürzen und Naturjoghurt untermischt.

Mittags kommt nun immer Gemüse oder Salat auf den Tisch; alles, was Claudia zu sich nimmt, wiegt sie vorher ab. Wenn man mit seinem Gewicht kämpft, erzählt die Mostviertlerin nachdenklich, während sie umrührt, dann gibt man alles. Und das hat sie auch in den Jahren zuvor getan: Verschiedene Diäten probierte sie aus, von einer Hormon- über eine Eiweiß-Diät bis hin zu Ab- nehm-Shakes. Im Jänner begann sie dann, ihre Ernährung ohne jegliche „Wundermittel“ umzustellen. Diäten, weiß sie heute, macht sie nie wieder. Viel mehr hilft es ihr, genau mitzuschreiben, was sie den Tag über isst.


Aufräumen

In den Bewegungseinheiten der »Vorsorge Aktiv«-Abende stand am Anfang eine Frage im Raum: Welche Sportarten gibt es ei- gentlich? Dass jeder Mensch Sport betreiben kann, egal, was er hat und ob er 140 Kilogramm wiegt, war eine wichtige Erkennt- nis für Claudia, die auch zuvor schon gesportelt hat. An den Abenden walkt die Gruppe oft mit der engagierten Trainerin durch Groß-Schollach, zusätzlich besucht Claudia Hiesberger einen Yoga-Kurs. Durch »Vorsorge Aktiv« lernte sie aber auch einfache Übungen für zuhause kennen – für die vielbeschäftigte Mutter zweier Kleinkinder ein wahrer Segen. Und so breitet sie einfach ihre pinke Yogamatte vor dem Fernseher aus und trainiert mittels Theraband ihren Körper. Ihre Veränderung und vor allem das Loswerden von Ballast spürt sie nicht nur am eigenen Körper, erzählt sie. Auch die Wohnung kommt dran, sie räumt auf, ent- rümpelt und befreit sich von Überflüssigem. Stressbewältigung und passende Gegenmaßnahmen erlernt Claudia Hiesberger in den Einheiten zur mentalen Gesundheit. Seither nimmt sie sich eine Auszeit, wenn die Kinder mittags schlafen und liest oder macht Yoga. Und auch so hilft es, mentale Unterstützung während des Abnehmens zu haben.

Auch wenn die Waage einmal nicht den gewünschten Erfolg zeigt, Claudia lässt sich nicht entmutigen. Sie weiß, dass auch Muskeln Gewicht haben – sie bleibt dran.


Fotos im Hochzeitskleid

Seit Oktober hat Claudia Hiesberger drei Kilogramm abgenommen, hat nun 75 Kilogramm. Ihr Ziel ist es, im April 60 Kilogramm zu wiegen. Das hat zwei Gründe: In diesem Monat feiert sie ihren 30. Geburtstag und ge- nau zehn Jahre davor lernte sie ihren Mann kennen, damals mit zierlichen 54 Kilo. Und einen Wunsch möchte sie sich dann erfüllen, wenn sie ihr Traumge- wicht erreicht hat: ein Fotoshooting mit ihrem Mann in ihrem Hochzeitskleid. Schlank sei sie zwar auf ihren Hochzeitsfotos, erzählt sie, sie gefallen ihr aber über- haupt nicht mehr. Wieder in das Hochzeitskleid zu pas- sen mit neuem Körper- und Lebensgefühl: ein schönes Ziel, das die willensstarke Frau mit Sicherheit errei- chen wird.


Daniela Rittmannsberger

Mittels Theraband und Yogamatte schafft es Claudia spielerisch, Bewegung in den Alltag einzu- bauen.

INTERVIEW

Prim. Univ.- Prof. Dr. Jo- hann Pidlich ist Internist und Ärztlicher Direk- tor des Landes- klinikums Ba- den-Mödling.

„Problem unserer Zeit“

Wie verbreitet sind Diabetes und Übergewicht?

In Niederösterreich kämpfen über 500.000 Menschen mit zu vielen Kilos – das geht aus dem aktu- ellen NÖ Gesundheitsbericht hervor. Ein Drittel davon ist krankhaft übergewichtig. Es handelt sich um eines der relevanten Gesundheitsprobleme unserer Zeit. Diabetes mellitus Typ 2 ist eine echte Volkskrankheit, in Niederösterreich gibt es mehr als 100.000 Betroffene. Diabetes mellitus Typ 1 ist wesentlich seltener, tritt familiär gehäuft auf und betrifft überwiegend jüngere Menschen.


Warum ist „Zuckerkrankheit“ problematisch?

Diabetes mellitus kann sehr lange ohne Symptome verlaufen und wird oft gar nicht oder zu spät er- kannt. Häufig sind dann bereits Folgeschäden aufgetreten, Beeinträchtigungen verschiedener Or- gansysteme und Erkrankungen. Es kommt etwa zu Wundheilungs-Störungen, Sehproblemen, Schlaganfällen oder Herzerkrankungen.


Warum ist Übergewicht so gefährlich?

Übergewicht kann zu einer Reihe gesundheitlicher Probleme führen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen oder Bluthochdruck sind einige Beispiele. Krankhaft übergewichtige Menschen neigen zu psychischen Problemen; das Risiko, an Krebs zu er- kranken, ist ebenso erhöht.


Wann ist Übergewicht krankhaft? Wann muss man zum Arzt?

Übergewicht ist meist ein Problem des Lebensstils, der Ernährung und eines Bewegungsmangels, kann aber auch als Folge von Medikamenten oder anderen Erkrankungen auftreten. Übergewicht ist ein Risikofaktor, daher ist es sinnvoll, sich von einem Arzt untersuchen zu lassen und das Gewicht zu reduzieren. Bei leichten Formen reicht oft die Umstellung der Ernährung und körperliche Bewe- gung. Bei krankhafter Adipositas sind oft medikamentöse Therapien oder sogar operative Eingriffe notwendig.


Was schützt vor Diabetes mellitus?

Vorbeugend hilft ein gesunder Lebensstil mit gesunder Ernährung sowie ausreichend Bewegung. Wichtig sind aber auch die mentale Gesundheit und soziale Faktoren sowie regelmäßige ärztliche Vorsorgeuntersuchungen.


Was kann man tun, um wieder gesund zu werden?

Für Menschen, die an Übergewicht und/oder Diabetes leiden, ist es wichtig, regelmäßig von einem Arzt betreut zu werden. Bei Diabetes muss man oft auch mit entsprechenden Medikamenten bzw. Insulin behandelt werden, Diät halten, sich ausreichend bewegen und Folgeerkrankungen therapie- ren. Und die mentale Gesundheit: Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und regelmäßige Entspannung sind für eine erfolgreiche Therapie ebenfalls sehr wichtig.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 11/2017