GENUSS

Sich nachhaltig und umweltbewusst ernähren: Wo soll man ansetzen?

Die Macht der kleinen Schritte

FotoS:  istockphoto/ enviromantic, Initiative »Tut gut!«

Wie nachhaltig ist Ihr Ernährungsalltag?

Gerade beim Essen ist es einfach, auf die Umwelt zu achten.

Mag. Irene Öllinger,

Ernährungsexpertin der Initiati- ve »Tut gut!«

Frische Paradeiser und Erdbeeren im Winter, Fleisch und Milch zu Dumpingpreisen, viele stark verarbeitete Produkte – im Super- markt wird schnell deutlich, dass manches, was wir kaufen könn- ten, nicht ganz unproblematisch ist. Insgeheim ist vielen von un-

s klar, dass wir „anders“ essen sollten, da es der Natur und den Menschen in anderen Ländern dann besser gehen könnte. Doch w- o sollen wir ansetzen? Ist das nicht furchtbar anstrengend und schmeckt’s dann überhaupt? Soll man nur noch selbstangebautes Ge- müse essen? „Nein“, sagt Mag. Irene Öllinger, Ernährungsexpertin der Initiative »Tut gut!«. „Es ist erstaunlich einfach, den tägliche- n Speisezettel nachhaltiger zu gestalten.“ Mit ökologischer Nachhaltigkeit meint man, die natürlichen Ressourcen für die künftigen G- enerationen zu schonen – sprich: umweltfreundlich zu handeln. Konkret bedeutet das, sich folgende Fragen zu stellen: Woher komm- t mein Essen? Wie weit werden die Lebensmittel transportiert? Wie vermeide ich Verschwendung und Müll? Die Initiative »Tut gut!« hat einige Tipps für Sie zusammengestellt (siehe Seite 16). Es ist die Macht der kleinen Schritte, die jede und jeder tun kann- .


Regional, saisonal & bio

Auch wer beim Einkauf Menschen, Tiere und Umwelt nicht unnötig belasten möchte, kann sich ausgewogen ernähren. „Die best- e Wahl ist, zu regionalen und saisonalen Produkten zu greifen, nach Möglichkeit aus biologischer Landwirtschaft“, empfiehlt Irene Ölli- nger. „Wenn wir unsere Lebensmittel nach dem Lauf der Jahreszeiten auswählen, dann sorgen wir schon allein dadurch dafür, das- s unser Körper eine ausgewogene Mischung der wichtigsten Nährstoffe erhält. Lebensmittel aus biologischem Anbau machen das d- ynamische Duo aus regional–saisonal zu einem perfekten Trio. Also Finger weg von Erdbeeren im Winter, die um die halbe Welt ge- reist sind. Essen Sie Erdbeeren aus heimischem Anbau, wenn sie Saison haben. Dann schmecken sie auch am besten“, nennt sie ei- n Beispiel.

Momentan in aller Munde ist das sogenannte „Superfood“, das um den halben Globus reist: Acai, Algen, Aloe Vera, Chia, Goji usw- . Als Wundermittel gepriesen versprechen sie Gesundheit, Energie und Schönheit, manchmal sogar die Linderung gesundheitlicher B- eschwerden. „Neugierde und  Offenheit gegenüber exotischen Lebensmitteln finde ich gut, aber wenn es darum geht, seine  Ernähru- ng ausgewogen zusammenzustellen, kann man getrost auf heimische Produkte vertrauen“, sagt die Ernährungs-Expertin. „Die heimisch- e Palette an Nahrungsmitteln ist reich an ‚Superfood‘. Wir kennen sie eher unter Bezeichnungen wie Karotten, Heidelbeeren, Linsen oder Rote Rübe. Heimische Produkte versorgen uns mit allen wichtigen Nährstoffen.


Umweltbewusst einkaufen

Regional und saisonal heißt umweltbewusst einkaufen:

-Lebensmitteltransporte sind unerlässlich, doch sie belasten unser Klima (z. B. Ausstoß von Treibhausgasen). Kürzere Transportwe- ge können zum Klimaschutz beitragen- .

-Lebensmittel aus beheizten Treibhäusern und Folientunnel im Winter benötigen viel Energie.

-Saisonaler Konsum von Obst und Gemüse aus dem Freilandanbau ist von Vorteil. Voll ausgereiftes Obst und Gemüse schmecken besser und sind reicher an gesundheitsfördernden Inhaltstoffen (Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe) .

-Regionaler Einkauf stärkt kleinere und mittlere Betriebe vor Ort.

-Regional und saisonal erzeugte Lebensmittel tragen zu einer nachhaltigen Esskultur bei und bringen uns zurück zu unseren Wu- rzeln. Wertschätzung von regionalen Spezialitäten ist in der Gastronomie wieder vielfach ein Thema- .

Und kaufen Sie nur so viele Lebensmittel ein, wie Sie tatsächlich benötigen, damit nichts im Müll landet. Irene Öllinger nennt drei ein- fache Schritte für den richtigen Einkauf :

-Verschaffen Sie sich einen Überblick: Was fehlt zu Hause? Was muss noch aufgebraucht werden? Was ist für diese Woche ge- plant?

-Ein Einkaufszettel wirkt Wunder! Damit halten Sie fest, was Sie und Ihre Familie tatsächlich brauchen und können gezielt einkau- fen.

-Bleiben Sie konsequent und widerstehen Sie dem vielfältigen Angebot im Supermarkt. Halten Sie sich an den Einkaufszettel un- d vermeiden Sie Impulskäufe.


Ein gutes Leben zu führen, unser Ökosystem und die Lebensqualität auch für künftige Generationen zu erhalten, dafür gilt es, be- wusst und nachhaltig zu leben. So sind Sie achtsam zu Mensch, Tier und Natur – und letztendlich zu sich selbs- t.


Karin Schrammel


Informationen & Tipps:

www.wir-leben-nachhaltig.at

Genussrezepte-Kalender


Der kostenlose Genussrezepte-Kalender der Initiative »Tut gut!« bietet viele Infos und Rezepte zu zahlreichen heimischen Obst- und Gemüsesorten. Übersichtlich aufbereitet nach Jahreszeiten- .

Bestellung:


www.noetutgut.at/infomaterial

Foto:  istockphoto/ pixdeluxe

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 03/2019