LEBENSSTIL

Was ist schon das ide- ale Gewicht?

FotoS: fotolia/H. Brauer

Lebensstil-Experte Dr. Rudolf Paumann antwortet einem GESUND&LEBEN-Leser auf seinen Brief nach der besten Methode zum Zunehmen.

Dr. Rudolf Paumann

Interne Abteilung

Landesklinikum Scheibbs rpau- mann@web.de

Sehr geehrter Herr D.!

Ich gratuliere Ihnen, dass Sie mit 68 Jahren an keinen gesundheitlichen Problemen leiden. Wenige Personen können das von sich sagen! Natürlich wird vermehrt über Übergewicht berichtet, da dies- es  für zahlreiche Menschen ein Riesenproblem darstellt. Laut österreichischem Ernährungsbericht sind 41 Prozent der Erwachsenen übergewichtig oder adipös, und nur zwei Prozent werden als unterge- wichtig eingestuft. Krankhaftes Untergewicht, wie zum Beispiel die Anorexie, ist ein komplexes Pro- blem, das einer intensiven, interdisziplinären Behandlung bedarf. Ungewollte Gewichtsabnahme braucht immer eine genaue ärztliche Abklärung, um vorliegende Erkrankungen möglichst frühzeitig festzustellen.

Ihr Body-Mass-Index (BMI) liegt mit 19,44 im Idealbereich und bei völliger Beschwerdefreiheit sollten Sie Ihr Gewicht nicht verändern. Wir müssen uns von der fixen Idee, dass es ein Idealgewicht für alle gäbe, abwenden. Menschen sind völlig verschieden und das ist auch gut so. Wenn Sie alle- rdings zwei Kilogramm zunehmen wollen, empfehle ich Ihnen eine diätologische Beratung mit einer

Bioimpedanzanalyse (BIA), um Ihre Körperkomposition bestimmen zu können. Diese Messung gibt Auskunft über den Fett- und Muskelanteil Ihres Körpers, aber auch über dessen Flüssigkeitshaushalt. Anschließend kann man Ihnen sicherlich einen guten Ratschlag geben, ob Änderungen in der Ernährung oder in Ihrem Bewegungsverhalten notwendig sind. Generell würde ich alle- rdings nicht zu  einer starren Fixierung auf Körpergewicht und BMI raten, sondern auf das persönliche Wohlbefinden einerseits und die körperliche Leistungsfähigkeit andererseits hinweisen- .

Die körperliche Leistungsfähigkeit, optimalerweise als maximale Sauerstoffaufnahmekapazität gemessen, ist das beste Maß für die Fitness eines Menschen. Die maximale Sauerstoffaufnahme gibt an, wie viele Milliliter Sauerstoff der Körper im Zustand der Ausbelastung maximal pro Minute verwerten kann. Lassen Sie in nächster Zeit ein Belastungs-EKG (Ergometrie) durchführen, um zu sehen, wie „FIT“ sie sind. Wenn auch hier eine ideale Leistungsfähigkeit (vielleicht um 120 Prozent) besteht, brauchen Si- e sich keine großen Sorgen um Ihre „gesundheitliche“ Zukunft machen. Aus Ihren Zeilen lese ich, dass Sie auf Ihren  Körper sehr gut achten und einen vorbildlichen  Lebensstil führen- .

Es gibt noch einige Dinge, die wichtig sind, um ein „gutes Leben“ zu führe- n:

-die positive Lebenseinstellung – dazu passt die Metapher von zwei Wölfen: Ein alter Indianer sitzt mit seiner Enkelin am La- gerfeuer und erzählt: „In jedem von uns tobt ein Kampf zwischen zwei  Wölfen. Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit Neid, Ei- fersucht, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst. Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit.“ Das kleine Mädchen fragt: „Und welcher der beiden Wölfe gewinnt?“ Der alte Indianer antwortet: „Der, den du fütterst- .“

-viel lachen

-ausreichend Schlaf

-Licht und Sonne

-Bildung – lebenslange Neugier, Lust auf Neues


Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Zeilen etwas helfen konnte und möchte schließen mit :

Leben – richtig?

Einfach tun, was richtig ist.

Einfach lassen, was nichts bringt- .

Einfach sagen, was man denkt.

Einfach leben, was man fühlt.

Einfach lieben, wen man liebt- .

Einfach ist nicht leicht.

Einfach ist am schwierigsten.n


Dr. Rudolf Paumann

Landesklinikum Scheibbs, Interne Abteilun- g

rpaumann@web.de

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 01/2019