BADEN

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Gesund bleiben

beim Baden

Mit der kühler werdenden Spätsommer- und Herbstzeit steigt das Risiko, sich beim Besuch im Schwimmbad oder in der Therme einen Infekt einzuhandeln. Was Sie tun können, um das Baden trotzdem gesund zu genießen.

Der lange heiße Sommer hat uns verwöhnt, wochenlang war ein Abtauchen ins kühle Nass eine feine Chance, entspannt Kraft zu schöpfen. Mit dem September sind diese wunderbaren Zeiten des unbesorgten Badevergnügens meist vorbei. Vereinzelt lockt noch ein Schwimmbad oder See. Wasserratten schätzen auch jetzt noch den Genuss, sich vom Wasser treiben zu lassen, ziehen nun aber etwas flotter ihre Tempi. Doch die Tage dafür sind gezählt. Jetzt wird es Zeit, wärmere Badeplätze anzusteuern, wie zum Bei- spiel eine Therme, um dort auch an herbstlichen Tagen die wohlige Wärme zu spüren.

Was heute noch Wohlgefühl bereitet, kann morgen jedoch schon in unangenehme Beschwerden münden, die viele Frauen kennen: Brennen und Schmerzen beim Harnlassen, ein Juckreiz in der Scheide. Keime lauern im See und im Teich, im Schwimmbad und in der Therme. In Österreich haben etwa 30 Prozent der Frauen Erfahrungen mit Beschwerden nach einem Tag im Bad. Zwar sind die Auflagen für Thermen und Schwimmbäder in Österreich sehr streng. Schädliche Bakterien, die Badegäste ins Becken tragen, müs- sen in 30 Sekunden unschädlich gemacht werden. In erster Linie wird das Wasser daher in öffentlichen Bädern mit Chlor oder Ozon sauber gehalten. Doch nicht immer reicht das: Bei Frauen mit einem geschwächten Immunsystem oder in einer hormonellen Umstel- lungsphase kann das Baden eine Infektion auslösen oder eine lauernde Infektion erst richtig zum Ausbruch bringen.


Bakterien sind überall

Die Erklärung dafür ist unspektakulär, auch wenn Sie es wenig beruhigend finden: Bakterien und Pilze sind einfach überall. Einige von ihnen können zu einer Scheideninfektion führen, wie das Coli-Bakterium aus dem Darm. Der weibliche Organismus wird anfällig, wenn etwa ein zu langes Aufweichen im Wasser die Scheidenflora beeinflusst. Die Bakterienbesiedlung kann dadurch ins Ungleich- gewicht geraten, die Schleimhaut angreifbar für Keime werden. Die Folge: Scheiden- oder auch Harnwegsinfektionen. Da die weibli- che Harnröhre kürzer ist als die männliche, können Bakterien auch schneller aufsteigen und in der Blase oder in den Harnwegen eine Entzündung hervorrufen. Begünstigt wird dieser Prozess, wenn das Immunsystem nicht ganz fit ist oder wenn man friert – alles für sich kein Problem, aber in Summe dann leider manchmal schon.


Pilze in der Scheide

Lästiges Brennen und Jucken der Scheide kann aber auch die Folge einer Pilzinfektion sein. Der Hefepilz candida albicans ist zwar ein üblicher „Bewohner“ der Scheide, vermehrt er sich allerdings zu rasch, entsteht ein weißlicher Belag in der Scheide sowie Aus- fluss und ein heftiges Brennen und Jucken. Die ideale Temperatur, um sich zu vermehren, beträgt für diesen Hefepilz 37 Grad. Au- ßerdem begünstigen hormonelle Umstellungen, wie Menopause oder Schwangerschaft dessen Vermehrung, denn der veränderte pH-Wert ist ein idealer Nährboden. Auch nach einer Antibiotikakur kann es durch den veränderten pH-Wert in der Scheide zu einer stärkeren Vermehrung des Pilzes und damit zu klassischen Beschwerden kommen. Schmerzen beim Harnlassen, ein weißlicher und geruchloser Ausfluss sind typische Symptome, die sich mitunter bemerkbar machen.

Ähnliche Symptome verursacht eine bakterielle Vaginose, die durch Chlamydien oder Gardnerellen verursacht wird. Weil die Anzahl der gesunden und stärkenden Milchsäurebakterien zu gering ist, können sich diese schädlichen Bakterien leichter vermehren – auch das vor allem bei Frauen nach einer hormonellen Umstellung oder auch nach dem Geschlechtsverkehr, wenn der Samen das Scheidenmilieu beeinflusst. Im Unterschied zum Scheidenpilz tritt bei der bakteriellen Vaginose ein dünnflüssiger Ausfluss auf, der oft fischartig riecht.


Möglichst rasch behandeln

Die Behandlung all dieser Probleme erfolgt mit Cremes oder Zäpfchen, die je nach Art des Erregers unterschiedliche Wirkstoffe be- inhalten. Daher ist es wichtig, die Art des Erregers zu kennen. Sicher identifizieren kann ihn die Fachärztin, der Facharzt. Ein Jucken oder Brennen in der Scheide ist durchwegs keine Ursache mangelnder Hygiene und noch weniger ein Grund, sich zu schämen. Denn letztlich sind wir Menschen verletzliche Wesen und Achtsamkeit ist nicht nur im Schwimmbad angebracht. Betroffene sollten daher nicht zögern und sofort die Ärztin, den Arzt aufsuchen, wenn sie eine derartige Veränderung bemerken.


Vorsorgen hilft

Doch jede Frau kann selbst allgemeine Vorbeugemaßnahmen treffen, um von schädlichen Infektionen verschont zu bleiben. So etwa sollte man den Bikini oder Badeanzug nach dem Baden wechseln, denn Keime lieben feuchtes Klima und entsprechende Tempera- turen und vermehren sich in diesem Milieu sehr rasch. Auch das Sitzen auf feuchten Bänken in der Therme oder im Hallenbad kann dazu führen, dass sich Keime in Rekordzeit vermehren und lästige Harnwegsinfekte hervorrufen. Am besten ist es, im Bad oder in der Sauna immer am (eigenen) Handtuch zu sitzen. Nach dem Schwimmen sollte Frau wie nach dem Geschlechtsverkehr immer zur Toilette gehen, um eventuelle Keime durch das Wasserlassen aus der Harnröhre auszuspülen. Sinnvoll ist es auch, wenn man ein Tampon benutzt, dieses zu wechseln, auch das wirkt Infektionen entgegen. Eine weitere Möglichkeit der Vorsorge bieten Preiselbee- ren und deren Produkte, denn der rote Farbstoff in den kleinen Kraftpaketen hat zwar keine antientzündliche Wirkung, doch die Struktur der Moleküle ist so beschaffen, dass sie es beispielsweise Coli-Bakterien unmöglich machen, am Gewebe anzudocken. Die potenziellen Eindringlinge werden somit mit dem nächsten Toilettengang wieder eliminiert. Und natürlich ist es unterstützend.


Doris Simhofer

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 09/2018