KINDER- UND JUGENDREHA

FotoS: kokon

Kinder- und Jugendreha Bad Erlach eröffnet im Herbst.

Kinder- und Jugendreha Bad Erlach eröffnet im Herbst.

Kinder- und Jugendreha Bad Erlach eröffnet im Herbst.

Ein Kokon der Geborgenheit

Skalpelle, Scheren oder Klemmen, die für Operationen verwendet werden, sind nur selten Wegwerf-Instrumente. Sie werden vor dem nächsten Patienten gereinigt. Doch wie bekommt man sie wirklich klinisch rein?

Bunte Wände, Spielräume, eine adäquate Therapie und viel Raum für Entfaltungsmöglichkeiten: Das ist das Kon- zept für die neue Kinder- und Jugendrehabilitationseinrichtung in Bad Erlach, die im Spätherbst eröffnet wird. „Ko- kon“ heißt das Reha-Zentrum für junge Menschen. Ein Name, der für das Programm steht. Der sechsjährige Paul, der in einem ähnlichen Zentrum betreut wird, erzählt: „Es ist egal, ob man zu den Ärzten ‚Grüß Gott‘, ‚Hallo‘ oder ,Servus‘ sagt; sie tragen auch keinen weißen Mantel.“

Im Herbst öffnet das neue Kinderreha-Zentrum mit 218 Betten für Kinder, die eine mobilisierende Rehabilitation oder eine psychosoziale Betreuung brauchen, und ihre Begleitpersonen. Auch Kinder mit Adipositas können im „Kokon“ behandelt werden. Damit ist Bad Erlach einer von sechs Standorten österreichweit mit einem Reha-Angebot für Kin- der und Jugendliche von 0 bis 18 Jahren. Der „Kokon“ bietet ihnen eine ganzheitliche und umfassende Betreuung.


Mehr Autonomie

Bisher wurden diese Kinder entweder gemeinsam mit älteren Patientinnen und Patienten betreut oder mussten nach Deutschland ausweichen. Doch Kinder brauchen ein anderes Angebot und sie brauchen es rasch, weiß Prof. DDr. Christian Köck, Geschäftsführer der Reha Bad Erlach GmbH: „Je gesünder und selbstständiger betroffene, junge Menschen ihr Leben verbringen können, umso besser ist das für sie selbst, ihre Familien, aber auch für die Gesell- schaft. Jeder Euro, den wir frühzeitig in mehr Autonomie für die kleinen Patienten investieren, entlastet das Gesund- heitssystem in den darauffolgenden Jahren.“

Mehr Autonomie, mehr Selbstständigkeit, mehr Lebensqualität und ein selbstbestimmtes Leben – all das spiegelt sich im medizinisch-therapeutischen Konzept wider. Im Vordergrund stehen immer die Bedürfnisse, Wünsche und Visionen der Betroffenen, erklärt Dr. Anna Cavini, die medizinische Leiterin von Bad Erlach und Verantwortliche für das medizinische Konzept des Hauses: „Ganz wie in einem Kokon sollen sich die Kinder geborgen fühlen, daher er- innert auch möglichst wenig an ein Krankenhaus.“ Das Haus bietet ein heimeliges Umfeld, in dem sich die Patienten weiterentwickeln und heranwachsen können. So tragen etwa die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Kranken- hauskleidung.


Gemeinsam anpacken

Flache Hierarchien und Achtsamkeit sollen auch das künftig 125-köpfige Team auszeichnen. Ein erfahrenes Team aus Fachärzten für Kinder- und Jugendheilkunde, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Allgemeinmedizinern, Psycholo- gen und Psychotherapeuten arbeitet gemeinsam mit Logopäden, Diätologen, Sportwissenschaftlern, Sozialpädago- gen und verschiedenen Freizeittherapeuten zum Wohle des Kindes. Dabei gibt es kein Norm-Programm, sondern individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, bei denen sich Kinder ganz ihren eigenen Wünschen und Neigungen ent- sprechend entwickeln können. „Gemeinsam definieren wir jene Ziele, die zu Hause am meisten Erleichterung brin- gen werden“, erklärt Cavini. Einer Einrichtung wie dieser bedarf es schon lange, denn etwa 5.000 Kinder und Ju- gendliche in Österreich bräuchten einen Rehabilitationsaufenthalt. In Bad Erlach finden sie künftig Unterstützung

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 03/2019