Foto: istockphoto/ newannyart

LUNGE

Atem des Lebens

Die Lunge versorgt den Körper mit Sauerstoff, ohne den das Gehirn höchstens zwölf Minuten überleben kann.

„Es ist und bleibt ein Glück, vielleicht das Höchste, frei atmen zu können“, schrieb Theodor Fontane. Auch wenn wir es in der Regel kaum bemerken, bestimmt die Atmung unser ganzes Leben. Der erste Atemzug setzt unmittelbar nach der Geburt ein, mit dem letz- ten endet das Leben. In der Zwischenzeit atmen wir ununterbrochen, und zwar über 700 Mal pro Stunde. Wie von selbst wird der Körper so mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt, ohne den das Gehirn höchstens zwölf Minuten lang überleben könnte. In erster Linie dafür zuständig ist die Lunge, eines unserer leistungsstärksten und größten Organe.

So selbstverständlich und unbemerkt sie vor sich geht – die Atmung ist ein komplexer Vorgang. Mithilfe der Atemmuskulatur – Zwerchfell und Brustkorb – wird der Luftstrom in die Lunge befördert. Der Atemantrieb selbst, also der Vorgang des Atmens, wird durch das Atemzentrum im Hirnstamm koordiniert. Es stellt den ph-Wert und den Kohlendioxidgehalt des Blutes fest und erhöht bzw. verringert entsprechend die Atemfrequenz. Der Luftstrom gelangt nun in die Lunge bis in die kleinen Lungenbläschen. Hier findet der Gasaustausch statt: Sauerstoff wird in das Blut aufgenommen und mit dem Blutstrom zu den Organen gebracht. Im Gegenzug wird Kohlendioxid vom Blut in die Alveolen abgegeben und ausgeatmet.


Schadstoffe & Krankheitserreger

Da sich unser Atmungsorgan der Umwelt öffnet, ist es zugleich auch anfällig für Infektionen und Schadstoffe. Dagegen arbeitet die Schleimhaut, mit der die Bronchien ausgekleidet sind, und die unter anderem dazu da ist, aus der eingeatmeten Luft feinste Schmutz- und Staubpartikel sowie Krankheitserreger aufzufangen und zu eliminieren. Millionen kleinster Flimmerhärchen, die sich wie Getreide im Wind bewegen, transportieren an klebrigen Schleim gebundene Partikel auf einer Flüssigkeitsschicht aus der Lunge heraus in den Rachen, von wo aus diese dann unwillkürlich und unbemerkt verschluckt oder aber bei Störungen dieser automati- schen Reinigung abgehustet werden.

Husten ist neben Kurzatmigkeit und Brustschmerz eines der Leitsymptome von Lungenerkrankungen, die übrigens zu den häufigs- ten Volksleiden zählen. Vor allem Asthma bronchiale, COPD und Lungenkrebs sind schwere Lungenerkrankungen, unter denen im- mer mehr Menschen leiden. Rauchen ist der Schadstoff Nummer eins für unsere Lunge, doch auch Feinstaub gewinnt als Risikofak- tor an Bedeutung. Wie viel davon sie toleriert, hängt vom individuellen Gesundheitszustand ab. Erkrankungen wie COPD und Asth- ma können sich durch Feinstaub weiter verschlechtern.


Was die Lunge gesund hält

Wer seine Lunge schützen und stützen will, ist gut beraten, nicht zu rauchen. Sport und Bewegung an der frischen Luft sind der nächste Schritt zu einer gesunden Lunge, denn wenn das Herz-Kreislauf-System in guter Form ist, kann auch die Lunge den Körper besser mit Sauerstoff versorgen. Frisches Obst und Gemüse versorgen den Körper mit Antioxidantien, die Entzündungen entgegen- wirken und Zellschäden verhindern

können. Wer an Bronchitis oder Asthma leidet, sollte vorsichtig bei Glutamat oder Konservierungsstoffen sein, denn sie können An- fälle auslösen. Zwei „Atemtipps“ zum Schluss: Tendenziell ist das Atmen durch die Nase gesünder. Die Luft wird gereinigt, leicht an- gefeuchtet und angewärmt, bevor sie in die Lunge gelangt. Und: Wer seine Atemmuskulatur etwa mit speziellen Atemübungen oder auch dem Spielen eines Blasinstruments stärkt, tut etwas für die Gesundheit seiner Lunge. In diesem Sinne: Atmen Sie sich frei!


Gabriele Vasak

Die Lunge


besteht aus dem rechten und dem linken Lungenflügel, wobei der linke Lungenflügel in zwei, der rechte in drei Lungenlap- pen unterteilt ist. Die Atemwege der Lunge, die Bronchien, ähneln in ihrem Aufbau einem Baum, der ein verästeltes Netz aus Luftwegen bildet. Die Bronchien enden in Lungenbläschen (Alveolen), die sich mit den Blutgefäßen zu einem feinen Netz verweben. Ein Lungenbläschen misst etwa 0,2 Millimeter, in jedem Lungenflügel befinden sich etwa 300 Millionen Al- veolen. Deshalb macht die innere Oberfläche der Lunge zwischen 70 und 100 Quadratmeter aus.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2019