Plötzlich breiig, wässrig oder ungewöhnlich häufig: Durchfall gehört zu den häufigsten Beschwerden bei Hunden. Oft steckt nur ein verdorbener Leckerbissen dahinter – manchmal ist er jedoch ein Warnsignal für eine ernsthafte Erkrankung.
Ein unbeobachteter Moment beim Spaziergang genügt: ein Schluck aus einer schmutzigen Lacke, Essensreste am Wegesrand oder der Kot eines anderen Tieres – und schon kann die Verdauung unserer Hunde aus dem Gleichgewicht geraten. „Akuter Durchfall kann viele verschiedene Ursachen haben. In vielen Fällen sind die Auslöser harmlos und die Beschwerden verschwinden innerhalb weniger Tage wieder“, beruhigt Konrad Hehenberger, Tierarzt im niederösterreichischen Zeillern (Bezirk Amstetten). Neben verdorbenem Futter und ungeeigneten Lebensmitteln kann auch ein abrupter Futterwechsel Probleme verursachen. Ebenso kommen Parasiten wie Würmer oder Giardien infrage. Letztere führen häufig zu schleimigem Durchfall und einer wechselnden Kotkonsistenz. Auch bakterielle oder virale Infektionen sind möglich. Dann geht es dem Hund häufig insgesamt schlechter: Er ist matt, hat möglicherweise Fieber, erbricht oder zeigt Blut im Kot. Doch: Nicht immer liegt das Problem tatsächlich im Darm. Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Nebenwirkungen von Medikamenten oder auch Stress können die Verdauung ebenfalls beeinträchtigen.
Konrad Hehenberger Tierarzt im niederösterreichischen Zeillern
Wann muss der Hund untersucht werden?
Ob ein Tier rasch untersucht werden sollte, hängt nicht allein von der Beschaffenheit des Kots ab. „Entscheidend ist vor allem, wie es dem Hund insgesamt geht“, betont Hehenberger. Blut im Kot, wiederholtes Erbrechen, starke Mattigkeit, Futterverweigerung, Kreislaufprobleme oder Schmerzen sind Warnzeichen, bei denen nicht länger abgewartet werden sollte. Auch ein gekrümmter Rücken oder eine ungewöhnliche Körperhaltung können auf Bauchschmerzen hinweisen. Besondere Vorsicht ist bei Welpen, alten Hunden und Tieren mit Vorerkrankungen geboten. Sie können den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten schlechter ausgleichen und dadurch schneller austrocknen. Hinweise auf einen Flüssigkeitsmangel können eine trockene Maulschleimhaut oder eine Hautfalte sein, die nach vorsichtigem Anheben nur langsam wieder verstreicht. Hat ein ansonsten gesunder erwachsener Hund lediglich leichten Durchfall, ist munter und frisst und trinkt normal, kann zunächst beobachtet werden. „Bessert sich der Zustand innerhalb von 24 bis 48 Stunden nicht, sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden“, so Hehenberger. Wurde beobachtet, dass der Hund einen Fremdkörper verschluckt hat, sollte hingegen sofort eine Tierarztpraxis aufgesucht werden. Wiederkehrender oder länger anhaltender Durchfall gehört ebenfalls abgeklärt. Dahinter können unter anderem Futtermittelunverträglichkeiten, chronische Darmentzündungen oder eine gestörte Verdauungsenzymproduktion der Bauchspeicheldrüse stecken. Auch Erkrankungen von Leber oder Nieren kommen als Ursache infrage.
Detektivarbeit in der Praxis
Bei der Suche nach dem Auslöser sind zunächst die Beobachtungen der Besitzerinnen und Besitzer gefragt. Hehenberger hat dafür einen einfachen Tipp: „Nehmen Sie nicht nur eine Kotprobe zum Tierarzt mit, sondern machen Sie auch Fotos vom Kot.“ Besonders bei wiederkehrenden Beschwerden könnten Aufnahmen von unterschiedlichen Tagen wertvolle Hinweise liefern. Je nach Verdacht folgen weitere Untersuchungen. Kotproben können etwa auf Würmer, Giardien und andere Erreger untersucht werden. Blutuntersuchungen geben Hinweise auf Entzündungen oder Erkrankungen anderer Organe. Bei Bedarf kommen Ultraschall oder Röntgen zum Einsatz. Bei chronischen Beschwerden reichen die diagnostischen Möglichkeiten von weiterführenden Untersuchungen bei Verdacht auf Futtermittelreaktionen über Mikrobiomanalysen bis hin zu bildgebenden Verfahren wie einer Computertomografie.
Schonkost statt Fastenkur
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache – eine Standardtherapie für jeden Durchfall gibt es nicht. Bei milden akuten Beschwerden kann vorübergehend leicht verdauliches Futter helfen. „Früher hat man Hunde oft länger fasten lassen. Das macht man heute nicht mehr in diesem Ausmaß“, erklärt Hehenberger. Stattdessen wird das Futter auf mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet. Als Schonkost kommen beispielsweise weich gekochter Reis, Cottage Cheese und gekochtes Hühnerfleisch infrage. Auch ein altbekanntes Hausmittel hält Hehenberger für sinnvoll: die Morosche Karottensuppe aus lange gekochten und pürierten Karotten. „Es zahlt sich aus, die lange Kochzeit auf sich zu nehmen. Man kann die Suppe auch portionsweise einfrieren und als Vorrat aufbewahren.“ Bei Medikamenten und anderen Präparaten ist hingegen Zurückhaltung gefragt. Je nach Ursache können beispielsweise Probiotika oder gezielt eingesetzte Antiparasitika sinnvoll sein – eine wahllose Selbstbehandlung kann jedoch die eigentliche Erkrankung verschleiern. Bei schweren Verläufen und deutlichem Flüssigkeitsmangel können Infusionen und Elektrolytlösungen notwendig werden. Nach stärkerem oder längerem Durchfall empfiehlt Hehenberger, nicht sofort zur gewohnten Ernährung zurückzukehren. „Auch wenn der Durchfall vorbei ist, braucht das Mikrobiom Zeit, um sich zu regenerieren.“ Eine angepasste Ernährung sollte deshalb noch etwas länger beibehalten werden. So bekommt der Darm die nötige Ruhe, um wieder ins Gleichgewicht zu finden.
Text: Michaela Neubauer⎪Fotos: Magnific: damedeeso, beigestellt