Kraft der Natur

Kompost, Jauche, Gründüngung: Natürliches Düngen im eigenen Garten steht hoch im Kurs. Es stärkt Boden und Pflanzen, ist kostengünstig – und einfach umzusetzen.

Sie steht in den Startlöchern: die Garten­saison. Neben Anbauen, Pflegen und Hegen spielt die richtige Düngung eine zentrale Rolle im Garten. Immer mehr Hobbygärtnerinnen und -gärtner setzen auf natürliche Dünger, um die Pflanzen und den Boden nachhaltig zu stärken. Kompost, Jauche & Co sind einfach umzusetzen und günstig – und kommen ganz ohne Chemie aus.


Jauche selbst gemacht

In naturnahen Gärten steht der Aufbau des Bodens im Fokus des Geschehens. Wenn der Boden gesund ist, sind die Pflanzen gesund. Um dahin zu gelangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: „Es gibt einerseits natürliche Dünger, die den Boden gut versorgen. Sie können selbst aus Wirkstoffen der Natur hergestellt werden. Andererseits ist es sinnvoll, den Boden mithilfe von Kompost möglichst vital aufzubauen, um so die Wurzeln der Pflanzen zu stärken. Gründüngung sorgt dafür, dass der Boden ebenfalls mobilisiert wird“, zählt Theresa Bachmayr, Beraterin bei „Natur im Garten“, auf. Etwas, das einfach und kostengünstig umgesetzt werden kann, ist Jauche. Brennnesseln, Holunderblätter, Kapuzinerkresse, Ackerschachtelhalm oder Löwenzahn – viele Pflanzen eignen sich, um daraus Jauche herzustellen. Dabei gibt man zehn Liter Wasser in ein Gefäß aus Kunststoff oder Holz und rührt ein Kilogramm zerkleinerte Pflanzen darunter. Zwei bis drei Wochen lang stehen lassen; einmal am Tag umrühren. Wichtig ist, den Behälter nicht ganz anzufüllen, da die Jauche zu schäumen und gären beginnt, erklärt Bachmayr. Ist die Jauche fertig, kann sie verdünnt die ganze Saison als Dünger, Schädlings- oder Pilzabwehr eingesetzt werden. Wichtig: Die Jauche sollte nicht auf die trockene Erde gegossen werden. Idealerweise gießt man die Pflanze zuerst und gibt dann die Jauche dazu. Brennnesseln etwa enthalten viel Stickstoff – einer der Hauptnährstoffe für das Pflanzenwachstum.

Theresa Bachmayr, „Natur im Garten“

„Kompost dient als wertvoller, lebendiger Nährstoffspeicher und ist damit der wichtigste organische Dünger im Naturgarten. Er ist als Torfersatz geeignet und bindet CO₂ als Kohlenstoff an den Boden, was den Pflanzen zugutekommt.“


Jauche, Brühe oder Pflanzentee kann man selber herstellen.

Brühe & Pflanzentee

Eine andere Methode, selbst Dünger herzustellen, ist die Brühe. Dabei werden Pflanzenteile für 24 Stunden in kaltem Wasser angesetzt und im Anschluss für eine Viertelstunde aufgekocht. Wenn die Brühe abgekühlt ist, kann sie verwendet werden. Bei einem „Pflanzentee“ gießt man heißes Wasser über die Pflanzenteile und lässt das Ganze wie einen gewöhnlichen Tee ziehen. Ausgekühlt und in eine Sprühflasche abgefüllt, kann man Pflanzen regelmäßig damit besprühen. Dadurch wird verhindert, dass Pilze wie der Mehltau in die Pflanze eindringen können. Noch etwas kann zu Tee verarbeitet werden: der Kompost. Man füllt dafür getrockneten Kompost in einen Teebeutel ein, hängt ihn in eine Gießkanne und lässt ihn für 24 Stunden ziehen. Dabei werden die enthaltenen Mikroorganismen aktiviert. Damit kann man Garten-, Balkon- und Zimmerpflanzen düngen bzw. besprühen. „Jauchen, Brühen und Tees stärken, düngen und kräftigen Pflanzen. Sie helfen dabei, das biologische Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen zu bewahren und machen Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber Schad­insekten und Pilzerkrankungen“, erklärt die Expertin. Eine weitere natürliche Alternative, um den Boden zu stärken und vor Trockenheit zu schützen, ist die Gründüngung. Dabei handelt es sich um eine Vielzahl an Pflanzen wie Kleearten, Luzerne, Wicke oder Phacelia, die vor den Hauptkulturen im zeitigen Frühling oder nach der Ernte im Gemüsebeet als Bodendecker gesät werden. Eine Zwischen- oder Untersaat, beispielsweise mit Spinat oder Vogerlsalat, freut nicht nur die Bodenlebewesen, sie reduziert auch den Beikrautdruck und bietet eine zusätzliche Ernte. „Man baut diese Pflanzen an, um das Bodenleben zu fördern. Ein Drittel des Gemüsegartens sollte immer mit einer Gründüngung bestückt sein. Gerade auf Beeten, auf denen starkzehrende Pflanzen gesetzt werden, sollte davor Gründüngung stehen“, erklärt Bachmayr. Die Gründüngung bildet tiefe Wurzeln und fördert die Nährstoffdynamik und die Belüftung. Sterben die Wurzeln ab, entstehen im Boden Kanäle für Wasser und Luft sowie optimale Lebensbedingungen für Regenwürmer. „Die Gründüngung deckt das ganze Spektrum ab. Es entstehen unter anderem wertvolle Humuskomplexe. Und der Boden ist durch die Gründüngung immer feucht und bedeckt.“ Die Gründüngung wird abgeschnitten und in den Boden eingearbeitet bzw. zum Bedecken verwendet – auch mulchen genannt. Beim Mulchen bedeckt man den Boden rund um Gemüse- und Beerenpflanzen, Sträucher oder Bäume mit organischem Material wie angetrocknetem Grasschnitt oder Laub, so bleibt es im Wurzelbereich länger feucht.

 
 

Dünger aus Küche & Co

  • Kaffeesatz

    Kaffeesatz ist ein sanfter Stickstofflieferant, der sich aufgrund seines Säuregehaltes vor allem für Heidelbeeren, Rosen oder Hortensien als Dünger eignet. Getrocknet kann er rund um die Pflanze in die Erde eingearbeitet oder aufs Beet gestreut werden. Kaffee ist auch für die Kompostierung wertvoll.

  • Eierschalen

    Eierschalen sind reich an Kalzium und können Tomaten bei einer Blütenendfäule unterstützen. Diese tritt auf, wenn Tomaten unzureichend Wasser erhalten. Ausreichend wässern und zusätzlich zerkleinerte Eierschalen hinzugeben hilft gegen die Erkrankung der Pflanze.
    Zerkleinerte Eierschalen eignen sich auch ideal für den Kompost.

  • Bananenschalen

    Bananenschalen aus biologischem Anbau können klein geschnitten in den Boden eingegraben werden, um so die Biologie in Gang zu bringen. Der Boden sollte dabei feucht gehalten werden. Bananenschalen eignen sich außerdem für die Kompostierung.

  • Kochwasser von Gemüse

    Kochwasser von Gemüse enthält Vitamine und Nährstoffe und eignet sich ideal zum Düngen. Abgekühlt kann damit gegossen werden und auch der Kompost gewässert werden. Achtung: Für Zimmerpflanzen ist das Kochwasser nicht ideal, da Schimmel entstehen kann.

  • Knoblauch- oder Zwiebelschalen

    Knoblauch und Zwiebel wirken kräftigend und stärken Pflanzen, die gegen Pilzkrankheiten empfindlich sind, beispielsweise Beerensträucher und Obstbäume. Knoblauch oder Zwiebeln hacken und entweder eine Jauche ansetzen oder für einen Tee mit heißem Wasser überbrühen.

  • Hefe

    Aufgelöst in Wasser kann Hefe als Kompoststarter verwendet werden.

  • Milch (verdünnt)

    Milch kann auf Pflanzen gesprüht werden als Pflanzenschutz und Stärkung.

 
 

Nährstoffspeicher

Wenn es um natürliche Dünger geht, steht für Theresa Bachmayr eines an erster Stelle: der Kompost. „Kompost dient als wertvoller, lebendiger Nährstoffspeicher und ist damit der wichtigste organische Dünger im Naturgarten. Er ist als Torf-ersatz geeignet und bindet CO₂ als Kohlenstoff an den Boden, was den Pflanzen zugutekommt.“ Ein halbschattiger bis schattiger Standort eignet sich am besten für einen Kompost. Denn bei einer guten Kompostierung sind zwei Dinge besonders wichtig: „Der Kompost benötigt unbedingt Wasser und Sauerstoff, um optimal arbeiten zu können.“ Ideal ist es, wenn sich der Kompost nicht zu weit weg von den Gemüsebeeten und der Küche befindet, denn die kurzen Wege erleichtern die Nutzung. Beim Kompost kommt es außerdem auf die richtige Mischung aus frischem (grünem) und trockenem (braunem) Material an. an. Beim Aufbau des Kompostes können am Boden auch größere Äste verwendet werden. Später sollen die Holzstücke nicht größer als 20 Zenti­meter sein. Generell gilt: Umso kleiner das Material, desto schneller verrottet es. Wenn viel komposttaugliches Material anfällt, sollte man es schichtweise auf den Kompost­haufen geben. Um den Kompost feucht zu halten, sollte man ihn gerade im Sommer immer wieder wässern. Und auch das Abdecken mit Stroh, Laub oder angetrocknetem Grasschnitt verhindert, dass er austrocknet. Doch was sollte eigentlich auf dem Kompost landen? Laub, Grasschnitt, Jätgut, Gemüse- und Obstreste, zerkleinerte Eierschalen, Kaffee- und Teesud, ungewürzte Speisereste und verdorbene Lebensmittel, Küchenrolle, Topfpflanzen und Schnittblumen. Virusbefallene Pflanzen sollte man nicht auf den Komposthaufen geben. Auch tierische Produkte dürfen nicht auf den Kompost geworfen werden. Neben dem Abdecken und Wässern sollte er einmal im Jahr gewendet werden. Nach sechs bis zwölf Monaten ist er dann reif. Man erkennt ihn daran, dass er dunkel und fein krümelig ist und nach Walderde riecht.

 
 

Natürliche Düngemittel

Gründüngung

  • Pflanzen: Kleearten, Luzerne, Wicke, Phacelia

  • Anwendung: Als Vor-,  Zwischen- oder Nachsaat von März bis Oktober im Gemüsebeet aussäen

  • Vorteile: lockert den Boden, schützt vor Nährstoffauswaschung, verrottet und reichert Boden mit Humus an

Jauche

  • Zutaten: Brennnesseln, Beinwell, Holunderblätter, Löwenzahn, Kapuzinerkresse etc.

  • Herstellung: 1 Kilogramm zerkleinerte Pflanzen + 10 Liter Wasser vermengen, 2 bis 3 Wochen stehen lassen und täglich umrühren, verdünnt anwenden

  • Vorteile: stärkt, düngt und kräftigt Pflanzen und macht widerstandsfähiger gegen Schadinsekten und Pilzerkrankungen

Kompost

  • Material: Zerkleinerte Gartenabfälle, Laub, Grasschnitt, Obst- und Gemüsereste, Eierschalen, Kaffeesud

  • Herstellung: Halbschattiger Standort, regelmäßig wässern und mit Laub, Stroh oder Rasenschnitt abdecken, mindestens einmal jährlich wenden, nach 6 bis 12 Monaten ist der Kompost fertig

  • Vorteile: Wichtigster organischer Dünger im Naturgarten, wertvoller, lebendiger Nährstoffspeicher, verbessert Bodenstruktur und bindet CO₂

 
 

Mit Maß und Ziel: Das gilt auch beim Düngen.

Richtig düngen

Wenn im Frühling das Gartenjahr wieder von vorne beginnt, sind die Pflanzen noch zart und klein. Sie benötigen dann vor allem Stickstoff für das Wachstum, aber auch Kalium und Phosphor für Stabilität, Blüten- und Fruchtbildung. Natürliche Dünger liefern meist einen ausgewogenen Mix aus Haupt- und Spurenelementen. Theresa Bachmayr hat einige Tipps für einen guten und nachhaltigen Start ins Gartenjahr parat: „Wer im Frühling möglichst natürlich und nachhaltig arbeiten möchte, sollte auf torffreie Erde und Kompost setzen und bei Bedarf hochwertige Kompostprodukte aus regionalen Kompostierwerken zukaufen. Es lohnt sich, chemische Dünger wegzulassen und zu beobachten, wie sich Pflanzen entwickeln.“ Neben selbst hergestelltem Dünger empfiehlt die Expertin auch organische Dünger wie Schafwollpellets, Hornspäne oder Hornmehl. Sie wirken als Langzeitdünger und setzen ihre Nährstoffe langsam frei. Flüssige organische Dünger oder selbst angesetzte Jauchen eignen sich vor allem in der Wachstums- und Fruchtphase. „Am besten platziert man den Dünger direkt neben der Gießkanne, so vergisst man ihn nicht. Ab Herbst sollte man mit dem Düngen aufhören.“ Wichtig ist es, den Nährstoffbedarf der einzelnen Pflanzen zu beachten. Starkzehrer wie Tomaten benötigen mehr Nährstoffe als Schwachzehrer wie Salat (siehe Infokasten unten). Grundsätzlich sollte man lieber maßvoll düngen als zu viel.

Jauche, Gründüngung, Kompost: Es gibt viele Möglichkeiten, um den eigenen Garten natürlich und nachhaltig zu stärken. Für die „Natur im Garten“-Expertin hat das natürliche Düngen viele Vorteile: „Natürliche Dünger haben keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt, schädigen keine Nützlinge und fördern die Eigenabwehr der Pflanzen. Es geht nicht um kurzfristige Effekte, sondern um nachhaltige Gesundheit – für Boden, Pflanzen und Garten.“

 

Stark-, Mittel- und Schwachzehrer

Starkzehrer:

  • Tomaten, Paprika, Zucchini, Kürbis, Gurken, Kohlarten, Sellerie

Starkzehrer benötigen viele Nährstoffe – besonders Stickstoff, Kalium und Phosphor – vor allem während Wachstum sowie Blüten- und Fruchtbildung. Sie sollten alle 2 bis 3 Wochen gedüngt werden.

Mittelzehrer:

  • Karotten, Rote Rüben, Fenchel, Mangold, Spinat, Erdbeeren

Sie kommen mit einer Grundversorgung aus, reagieren aber dankbar auf zusätzliche Nährstoffe während der Saison. Mittelzehrer sollten alle 4 bis 6 Wochen gedüngt werden.

Schwachzehrer:

  • Salate, Radieschen, Kräuter (z. B. Thymian, Rosmarin), Bohnen, Erbsen

Zu viele Nährstoffe schaden Schwachzehrern mehr, als sie nützen. Meist reicht eine einfache Kompostgabe im Frühjahr.


Text: Daniela Rittmannsberger-Kampel⎪Fotos: iStock_SolStock, Oksana Ermak, iStock_Maryana Serdynska, ValeriyG, gabort71, Philipp Monihart

 

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