5 Fragen zur optimalen Hautpflege
Weniger ist oft mehr. Das gilt auch für die Hautpflege. Dermatologin Dr. Marie-Theres Kasimir erklärt, was hinter dem Begriff „Skin Fitness“ steckt und wie viele Schritte die tägliche Pflege-Routine wirklich braucht.
Sie sprechen von „Skin Fitness“. Was bedeutet das?
Unser gesamter Körper durchläuft natürlicherweise einen Alterungsprozess – die Haut als größtes Organ zeigt dies besonders deutlich. Für mich bedeutet „Skin Fitness“, ihre regenerativen und reparativen Fähigkeiten gezielt zu fördern, damit sie langfristig widerstandsfähig, gesund und funktionsfähig bleibt. Der Unterschied zur klassischen Hautpflege liegt vor allem in der Tiefe der Wirkung. Kosmetische Produkte wirken überwiegend an der Oberfläche. Medizinisch-ästhetische Behandlungen hingegen setzen dort an, wo die entscheidenden Prozesse stattfinden – in den tieferen Hautschichten. Sie stimulieren unter anderem die Kollagen- und Elastinproduktion und stärken so die Hautstruktur von innen heraus. Hochwertige Pflegeprodukte ergänzen dieses Konzept sinnvoll, indem sie die Hautbarriere schützen, Feuchtigkeit spenden, das Mikrobiom stabilisieren und vor freien Radikalen bewahren. Die richtige Pflege sorgt zudem für einen gleichmäßigen Teint, mildert feine Linien und lässt die Haut strahlen.
Medizinisch-ästhetische Behandlungen stimulieren die tieferen Hautschichten.
Welche medizinisch-ästhetischen Behandlungen machen regelmäßig Sinn?
Um die Jugendlichkeit der Haut zu bewahren, lohnt es sich, frühzeitig präventiv aktiv zu werden. Sichtbar ist Alterung zunächst am Hautbild: Struktur, Elastizität und Glow sind entscheidend für ein vitales Erscheinungsbild. Mit medizinisch-ästhetischen Behandlungen wie Microneedling, Radiofrequenz, kombinierten Verfahren (z. B. Morpheus8), Laserbehandlungen oder biostimulierenden Injektionen können wir die Haut gezielt dabei unterstützen, Kollagen und Elastin selbst zu produzieren. Volumenverlust kann mit Fillern ausgeglichen, Mimikfalten mit Botulinumtoxin behandelt werden. Entscheidend ist jedoch immer ein individueller, langfristiger Behandlungsplan. Seriöse Hautkonzepte versprechen keine Wunder über Nacht. Nachhaltige Hautgesundheit braucht Kontinuität, realistische Ziele und regelmäßige Anpassung. „Skin Fitness“ ist – wie körperliches Training – ein Prozess. Dafür belohnt er mit stabilen, natürlichen und langfristigen Ergebnissen.
Dr. Marie-Theres Kasimir, Dermatologin
„Besonders kritisch sehe ich den Einsatz medizinischer Geräte für den Heimgebrauch, wie Laser-, Needling- oder Radiofrequenz-Tools. Diese können bei falscher Anwendung erhebliche Hautschäden verursachen.“
Wie viele Schritte braucht eine gute Hautpflegeroutine im Alltag wirklich?
Deutlich weniger, als viele denken. Wichtig ist konsequente Reinigung: Morgens werden Schweiß, überschüssiger Talg und abgestorbene Hautzellen entfernt, abends Make-up, Sonnenschutz, Schmutz und Umweltpartikel. Nach der morgendlichen Reinigung empfehle ich ein antioxidativ wirksames Produkt, etwa ein hochwertiges Vitamin-C-Serum. Antioxidantien schützen vor freien Radikalen und Umweltstress. Anschließend ist ein zum Hauttyp passender Sonnenschutz essenziell – er ist der wichtigste Anti-Aging-Faktor überhaupt. Abends stehen nach der Reinigung Feuchtigkeitspflege und – sofern gut verträglich – Retinol im Fokus. Retinol gilt als Goldstandard im Anti-Aging, da es die Zellerneuerung fördert, feine Linien reduziert und die Hautstruktur verbessert. Bei speziellen Hautbedürfnissen kann diese Routine ergänzt werden – allerdings mit Bedacht. Zu viele Produkte können die Hautbarriere schädigen und Irritationen bis hin zu perioraler Dermatitis verursachen.
Welche Fehler sehen Sie in Ihrer Praxis am häufigsten, wenn Menschen ihre Haut selbst „optimieren“ wollen?
Ein sehr häufiger Fehler ist Überpflege, zum Beispiel durch aufwendige Zehn-Schritte-Routinen oder exzessives „Skincare Layering“. Ebenso problematisch sind Produkte, die nicht zum Hauttyp passen, oder ein ständiger Wechsel zwischen unterschiedlichen Wirkstoffen, ohne der Haut Zeit zur Anpassung zu geben. Besonders kritisch sehe ich den Einsatz medizinischer Geräte für den Heimgebrauch, wie Laser-, Needling- oder Radiofrequenz-Tools. Diese können bei falscher Anwendung erhebliche Hautschäden verursachen, die oft langwierig behandelt werden müssen.
Pflege als Routine: Wichtig sind konsequente Reinigung und hochwertige Pflegeprodukte.
Welche drei Grundregeln empfehlen Sie für gesunde, widerstandsfähige Haut?
Schutz und Lebensstil: Konsequenter Sonnenschutz, ein ausgewogener Lebensstil sowie ein bewusster Umgang mit Stress und Umweltbelastungen. Besonders unkontrollierte UV-Strahlung und Nikotinkonsum belasten die Haut stark.
Individuelle Pflege: Hautpflegeprodukte gezielt auf den Hauttyp abstimmen und eine persönliche, regelmäßige Pflegeroutine etablieren.
Kollageninduktion: Regelmäßige medizinische Behandlungen wie Microneedling können durch gezieltes Anregen körpereigener Regenerationsprozesse die Hautqualität nachhaltig verbessern und die Vitalität steigern.
Text: Michaela Neubauer⎪Fotos: iStock_seb_ra, _Irina_Strelnikova, _Strelciuc Dumitru; Alina Sprenger