Augen auf!

Moderne Diagnostik erkennt Augenerkrankungen heute früher, viele Eingriffe sind schonender geworden und können ambulant durchgeführt werden. Umso mehr lohnt es sich, die eigene Augengesundheit im Blick zu behalten.

In der Augenheilkunde hat sich in den vergan­genen Jahren enorm viel verändert. Unter­suchungsgeräte sind präziser geworden, Erkrankungen lassen sich früher erkennen und viele Behandlungen sind heute deutlich weniger belastend. „Vor allem im Bereich der Technik hat sich sehr viel getan“, sagt Prim. Dr. Stefan Heiligenbrunner, Leiter der Abteilung für Augenheilkunde am Landesklinikum Horn-Allentsteig. Moderne Geräte ermöglichen genauere Aufnahmen und Scans, werden zugleich kleiner und mobiler. Auch die Therapien sind sanfter geworden: „Wo man früher ein paar Tage stationär bleiben musste, kann man heute nach vielen Eingriffen noch am selben Tag nach Hause gehen.“

 

Prim. Dr. Stefan Heiligenbrunner, Leiter der Abteilung Augenheilkunde am Landesklinikum Horn-Allentsteig

 

„Nach vielen Eingriffen kann man noch am selben Tag nach Hause gehen.“

Stille Gefahr

Wie wichtig frühe Diagnostik ist, zeigt sich besonders beim Glaukom, dem Grünen Star. Die Erkrankung kann den Sehnerv dauerhaft schädigen, bleibt aber oft lange unbemerkt. „Das Gefährliche ist, dass ein Glaukom keine Schmerzen verursacht und die ersten bemerkbaren Sehprobleme oft erst in einem späten Stadium auftreten“, erklärt Heiligenbrunner. Bereits entstandene Schäden lassen sich nicht rückgängig machen. Deshalb empfiehlt er regelmäßige augenärztliche Kontrollen – am besten einmal jährlich bei einer Fachärztin oder einem Facharzt. Am Landesklinikum Horn-Allentsteig setzt man bei der Betreuung von Glaukompatientinnen und -patienten auch auf Digitalisierung. Untersuchungsdaten werden aus niedergelassenen Praxen digital an die spezialisierte Glaukom-Ambulanz übermittelt und dort beurteilt. Reicht eine Anpassung der Tropftherapie, kann die Betreuung wohnortnah weitergehen. Ist eine Lasertherapie oder Operation nötig, wird ein Termin im Klinikum vereinbart.



Kleine Schnitte, große Wirkung

Auch die Operation des Grauen Stars ist heute wesentlich schonender. Dabei wird die getrübte körpereigene Linse über einen wenige Millimeter großen Schnitt entfernt und durch eine klare Kunststofflinse ersetzt. „Das Auge wird mit speziellen Tropfen betäubt“, erklärt Heiligenbrunner. Die Operation dauert meist rund 20 Minuten pro Auge, der Aufenthalt im Klinikum häufig weniger als vier Stunden. In vielen Fällen können mittlerweile sogar beide Augen in einer Sitzung operiert werden. Kleinere Schnitte und präzisere Berechnungsmethoden für die Kunstlinsen haben das möglich gemacht. Die Erholung verläuft meist rasch: Manche sehen bereits am nächsten Tag wieder sehr gut, andere brauchen einige Tage. „Im Alltag ist man meist schnell wieder sicher unterwegs“, betont der Experte.



Die Operation des Grauen Stars ist weltweit der häufigste Standardeingriff.

Mehr Netzhaut-Notfälle

Sorge bereitet ihm dagegen die steigende Zahl an Notoperationen aufgrund von Netzhaut­ablösungen. Einen Grund sieht er in der alternden Bevölkerung, einen weiteren in der zunehmenden Kurzsichtigkeit. Wird ein Auge kurzsichtig, wächst es stärker in die Länge. Dadurch werden die Strukturen gedehnt und dünner, das Risiko für Netzhautrisse steigt. Besonders im Kindes- und Jugend­alter spielt intensive Naharbeit eine Rolle. Langes Arbeiten am Smartphone, Tablet oder Computer kann die Entstehung von Kurzsichtigkeit begünstigen. „Bei Kindern sind Kontrollen besonders wichtig, weil sie selbst oft nicht gut einschätzen oder aus­drücken können, dass sie schlechter sehen.“


Warnzeichen ernst nehmen

Einige Symptome sollten innerhalb von 24 Stunden ärztlich abgeklärt werden: plötzlich deutlich schlechteres Sehen oder ein akuter Sehverlust, Lichtblitze, ein sogenannter Rußregen mit schwarzen Punkten oder Schlieren, starke Augenschmerzen oder plötzlich verzerrtes Sehen. Wer unsicher ist, kann sich über die Gesundheitsberatung 1450 informieren. Auch im Alltag lässt sich einiges für die Augen­gesundheit tun. Heiligenbrunner empfiehlt ausreichend Schlaf und Flüssigkeit, ausgewogene Ernährung und Nichtrauchen. Auch Impfungen können indirekt die Augengesundheit schützen. Denn Erkrankungen wie Gürtelrose können beispielsweise das Auge und seine Umgebung betreffen. Schutz­brillen bei Heim- und Handwerksarbeiten verhindern wiederum Verletzungen durch Splitter oder Fremdkörper. Bei Bildschirmarbeit helfen regel­mäßige Pausen, bewusstes Blinzeln und der Blick in die Ferne.



Wenn der Herbst ins Auge geht

Im Herbst kommen zusätzliche Belastungen hinzu: Heizungsluft trocknet den Tränenfilm aus, draußen reizen Kälte und Wind die Augenoberfläche. Rote, brennende oder trockene Augen können die Folge sein. Gerade beim Autofahren in der Dämmerung fällt schlechteres Sehen stärker auf. Dann sollte überprüft werden, ob die Brille noch optimal angepasst ist. Auch saubere Brillengläser und Autoscheiben helfen, Blendungen zu reduzieren. Wer nachts schlechter sieht, ist übrigens nicht automatisch „nachtblind“. Eine echte Nachtblindheit ist eine Erkrankung bestimmter Sinneszellen der Netzhaut. Bei schlechten Lichtverhältnissen sehen dagegen alle Menschen schlechter. Für Heiligenbrunner steht fest: Die Augenheilkunde wird sich weiterentwickeln. „Bis jetzt hat es noch kein Jahr gegeben, in dem sich nichts verbessert hat.“


Text: Michaela Neubauer⎪Fotos: istock_Caramel, unsplash_sahand hoseini, Beigestellt

 

Hier NEWSLETTER bestellen

〰️

Hier NEWSLETTER bestellen 〰️

Weiter
Weiter

Welcher Bestandteil des menschlichen Körpers ist am härtesten?