Aus dem Gleichgewicht

Das Ovarialsyndrom sorgt nicht nur für vielfältige Symptome, sondern kann auch eine Schwangerschaft erschweren.

Unregelmäßige Regelblutungen, Akne oder vermehrte Behaarung zählen zu den typischen Symptomen.

Der Zyklus ist aus dem Takt, im Gesicht sprießen Pickel und die ersehnte Schwangerschaft lässt auf sich warten: Viele Frauen kennen diese Symptome. Dahinter kann eine hormonelle Stoffwechselstörung stecken, die bis zu 15 Prozent der Frauen betrifft: das Polyendokrine Metabolische Ovarialsyndrom, kurz PMOS. Früher als PCOS bekannt, wurde das Syndrom kürzlich auf einem Kongress in PMOS umbenannt. Dabei handelt es sich um eine der häufigsten hormonellen Stoffwechselstörungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Seinen Namen erhielt das Syndrom von den typischen Bläschen, die man im Ultraschall sieht: „Bei diesen Bläschen handelt es sich um Follikel, die grundsätzlich bei allen Frauen im fruchtbaren Alter vorhanden sind. Bei PMOS-Patientinnen sieht man mehr davon, weshalb man sie früher für Zysten gehalten hat“, erklärt Dr. Dijana Hadziomerovic-Pekic. Die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe gründete und leitet das PMOS-Zentrum in Wien. Generell ist PMOS durch ein Ungleichgewicht der Geschlechtshormone gekennzeichnet, besonders durch erhöhte männliche Hormone, die sogenannten Androgene. Das Syndrom kann viele verschiedene Symptome verursachen: Eine unregelmäßige, seltene oder ausbleibende Menstruation, eine vermehrte Körper- und Gesichtsbehaarung, Akne oder fettige Haut sowie Haarausfall nach männlichem Muster zählen dazu. Viele Frauen nehmen auch an Gewicht zu oder haben Schwierigkeiten beim Abnehmen, fügt Hadziomerovic-Pekic hinzu. Die Eierstöcke von PMOS-Patientinnen sind häufig etwas größer und enthalten mehr Eizellen. Durch die ausbleibende Regelblutung besteht bei vielen Betroffenen auch ein unerfüllter Kinderwunsch. Nicht alle Symptome treten gleichzeitig auf.


Ausschlussdiagnose

Fünf bis 15 Prozent aller Frauen sind von PMOS betroffen. Um das Syndrom zu diagnostizieren, müssen von drei typischen Merkmalen zwei erfüllt sein, nachdem ähnliche Krankheitsbilder ausgeschlossen wurden. Dazu gehören unregelmäßige Regelblutungen oder ausbleibender Eisprung, erhöhte männliche Hormone, die entweder im Blut nachgewiesen werden oder sich durch Symptome wie vermehrte Behaarung zeigen, sowie Eierstöcke mit vielen Follikeln. Seit einigen Jahren wird in der Diagnostik auch das Anti-Müller-Hormon gemessen, das die Größe der Eizellreserve anzeigt. Dieser Wert ist bei PMOS-Patientinnen oft erhöht. „Es ist wichtig, auch andere Erkrankungen wie Schilddrüsenfunktionsstörungen oder erhöhte Prolaktinwerte auszuschließen, da PMOS eine Ausschlussdiagnose ist“, sagt die Ärztin. Warum aber sind manche Frauen von PMOS betroffen und andere nicht? Häufig besteht eine familiäre Veranlagung, erklärt Hadziomerovic-Pekic. Frauen mit Übergewicht oder Diabetes Typ 1 sind ebenfalls häufiger betroffen. „Gleichzeitig haben viele PMOS-Patientinnen ein erhöhtes Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Erhöhte Insulinwerte scheinen die Entstehung von PMOS zusätzlich zu fördern“, sagt die Ärztin.

 

Dr. Dijana Hadziomerovic-Pekic, Leiterin des PMOS-Zentrums

 

„Es ist wichtig, auch andere Erkrankungen wie Schilddrüsenstörungen oder erhöhte Prolaktinwerte auszuschließen, da PMOS eine Ausschlussdiagnose ist.“

Lebensstil spielt eine Rolle

Auch wenn PMOS nicht heilbar ist, gibt es individuelle Behandlungsmöglichkeiten, die die Beschwerden lindern können. „Die Behandlung ist immer individuell und richtet sich danach, welche Beschwerden im Vordergrund stehen. Bei manchen stehen Hautprobleme im Fokus, bei anderen Zyklusstörungen oder ein Kinderwunsch. Häufig wird die Pille eingesetzt, es gibt jedoch eine ganze Palette an Möglichkeiten“, erklärt die Expertin. Wenn metabolische Faktoren wie Übergewicht oder Insulinresistenz im Vordergrund stehen, können etwa Diabetes-Medikamente oder die sogenannte Abnehmspritze zum Einsatz kommen. Bei Kinderwunsch gibt es ebenfalls verschiedene Behandlungsoptionen. Eines steht bei allen Beschwerden an erster Stelle: ein gesunder Lebensstil. „Betroffene können viel dazu beitragen, die Symptome zu reduzieren, auch wenn die Erkrankung aufgrund genetischer Faktoren nicht vollständig heilbar ist. Das M im neuen Namen des Syndroms betont die Bedeutung der metabolischen Komponenten, also das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und auffällige Blutfettparameter. Es ist ein polyendokrines Krankheitsbild, weil es eben nicht nur die Eierstöcke betrifft. Wichtig sind eine kohlenhydrat- und zuckerarme Ernährung und regelmäßige Bewegung, Stressmanagement, ausreichend Schlaf sowie der Verzicht auf Nikotin und Alkohol. Eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse, ausreichend Wasser und wenig Süßigkeiten und zuckerhaltigen Getränken ist empfehlenswert“, erklärt die Ärztin. Bereits eine Gewichtsabnahme von etwa fünf Prozent kann den Zyklus normalisieren. Prävention sollte bereits im Kindesalter beginnen, da Übergewicht früh Einfluss nehmen kann. Wichtig sei auch, die Diagnose nicht zu früh zu stellen, da in den ersten Jahren nach der ersten Regelblutung unregel­mäßige Zyklen und Akne normal sein können.


Kinderwunsch mit Hindernissen

Was aber kann man tun, wenn man an PMOS leidet und Kinderwunsch hat? Generell seien die Chancen auf eine Schwangerschaft nicht schlecht, erklärt die Ärztin. Zirka 30 Prozent der Betroffenen werden spontan schwanger, 70 Prozent benötigen Unterstützung. Das liegt daran, dass meist kein Eisprung stattfindet, wenn die Regelblutung selten ist oder ausbleibt. Auch wenn PMOS-Patientinnen oft mehr Eizellen haben, schafft es häufig keine Eizelle bis zum Eisprung. Zusätzlich produzieren die umliegenden Zellen vermehrt männliche Hormone, die den Zyklus erschweren. Verhütung sollte trotzdem ein Thema sein: „Auch bei einem seltenen Zyklus kann ein Eisprung stattfinden, sodass eine ungewollte Schwangerschaft möglich ist.“ Bei Kinderwunsch ist es sinnvoll, sich frühzeitig vorzubereiten und die Lebensstilmaßnahmen umzusetzen. Oft können bereits einfache Maßnahmen wie bestimmte Tabletten helfen, nach wenigen Tagen den Eisprung auszulösen. Wenn Tabletten nicht ausreichen, können Hormonspritzen eingesetzt werden. Als letzte Option steht die künstliche Befruchtung (IVF) zur Verfügung. Da die Eizellqualität mit dem Alter abnimmt, ist es sinnvoll, sich frühzeitig beraten zu lassen. Vorsicht ist geboten, wenn man die Pille einnimmt: „Die Pille kann viele Symptome überdecken, indem sie den Zyklus reguliert und die Haut verbessert. Nach dem Absetzen können Symptome sichtbar werden, was oft fälschlicherweise als Folge der Pille interpretiert wird, obwohl diese die Beschwerden zuvor nur unterdrückt hat. Eine Diagnostik ist unter Einnahme der Pille nicht sinnvoll“, erklärt Hadziomerovic-Pekic. PMOS bringt einige Herausforderungen mit sich – mit der richtigen Behandlung und einem bewussten Lebensstil lässt sich jedoch vieles positiv beeinflussen.


Text: Daniela Rittmannsberger-Kampel⎪Fotos: iStock_Drazen Zigic, beigestellt

 

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