Wenn Belastung krank macht

Psychische Erkrankungen sind gut behandelbar. Zögern Sie nicht zu lange!

Psychische Erkrankungen können jede und jeden treffen – unabhängig von Geschlecht, Alter und Gesellschaftsschicht. Immer mehr Menschen sind in der aktuellen Phase massiver Umbrüche und Krisen davon betroffen. Viele Erkrankungen hängen mit Dauerstress, Überlastung und hohen Anforderungen im Berufs- und Privatleben zusammen. In Österreich leidet circa ein Viertel der Bevölkerung an einer psychischen Erkrankung, am häufigsten an Angststörungen oder Depressionen. Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge können kurzfristig helfen (siehe Infokasten), um die eigenen Bewältigungsstrategien zu aktivieren. Doch wenn der Leidensdruck steigt und die Beschwerden länger andauern, angefangen bei ausgeprägten Ängsten, Panikattacken, Antriebsminderung und Schlafstörungen bis hin zu körperlichen Beschwerden, dann ist professionelle Hilfe
notwendig.



Individuelle Behandlung

Ständige Müdigkeit und Energiemangel gehören zu den ersten Anzeichen einer Depression.

Wenn psychische Erkrankungen die Arbeitsfähigkeit oder die Teilhabe am Leben gefährden und eine ambulante Behandlung nicht ausreicht, kann eine psychiatrische Rehabilitation helfen. Sie erfolgt meist im Anschluss an eine Akutbehandlung. Dabei geht es darum, Menschen dabei zu helfen, ihre Fähigkeiten und ihr Selbstvertrauen wiederzuerlangen, um ein erfülltes und unabhängiges Leben zu führen. In der psychiatrischen Rehabilitation wird ein ganzheitlicher biopsychosozialer Ansatz verwirklicht. Ein interdisziplinäres Behandlungsteam stellt das Therapiekonzept zusammen. Angefangen bei einer medizinischen Behandlung, Psychotherapie, Gesundheitspsychologie über Ergo-, Physio- bzw. Sport- und Bewegungstherapie bis hin zu Kreativtherapien (z. B. Musiktherapie, Kunsttherapie, Tanztherapie), Ernährungsberatung und vieles mehr – je nach individuellem Bedarf. Eine psychiatrische Rehabilitation ist unter anderem bei Krankheitsbildern wie Depressionen, Burnout, bipolarer Störung, Angst- oder Anpassungsstörungen indiziert.

Depression und Burnout

Depressionen äußern sich durch eine Kombination aus psychischen und körperlichen Symptomen, darunter anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und soziale Isolation. Betroffene plagen sich bei alltäglichen Verrichtungen und fühlen sich oft leer, wertlos oder hoffnungslos. Körperlich treten häufig Schmerzen, Müdigkeit und Magen-Darm-Probleme auf. 

Eine Erschöpfungsdepression oder Burnout kündigt sich oft leise an. Warnsignale sind eine anhaltende Müdigkeit, innere Unruhe, Reizbarkeit und die Unfähigkeit zu entspannen. Es handelt sich dabei um einen Zustand geistiger und körperlicher Erschöpfung. Häufig kommt es zum sozialen Rückzug, die Betroffenen fühlen sich oft hilflos, entwickeln Schuldgefühle und ein reduziertes Selbstwertgefühl.


Angst- und Anpassungsstörung

Angststörungen gehören neben Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie äußern sich durch eine starke körperliche Symptomatik wie Schwindel, Herzrasen, Zittern, verminderte Belastbarkeit oder Magen-Darm-Beschwerden. Ob Panikattacken, Phobien oder ein grundlegendes Angstgefühl – in jeder Ausprägung führen Ängste zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität und der Bewegungsfreiheit.

Eine Anpassungsstörung entsteht durch ein belastendes Ereignis wie eine Trennung oder einen Todesfall oder eine belastende Situation wie etwa Emigration oder Flucht. Manche Betroffene sind überfordert, haben keine Möglichkeiten der Bewältigung. Die persönliche Verletzlichkeit spielt bei der Reaktion auf solche Ereignisse eine wesentliche Rolle. Depressive Verstimmung, Angst, Anspannung, aber auch ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit treten auf.

Das Wichtigste zum Schluss: Psychische Erkrankungen sind keine Schwäche und keine Schuld der Betroffenen. Sie sind gut behandelbar, es gibt wirksame Therapien. Zögern Sie nicht zu lange, sich Hilfe zu holen!


Anlaufstellen

Bei psychischen Belastungen und Krisen sowie im akuten Notfall ist es wichtig, rasch Krisentelefonnummern und Notrufnummern bei der Hand zu haben. Hier eine Auswahl von kostenlosen und anonymen Hilfsangeboten.

  • Rat auf Draht: 147

    Hotline für Kinder und Jugendliche: rund um die Uhr. Auch für Eltern bzw. Erziehungsberechtige und erwachsene Bezugs-
    personen. Ebenso Telefon- und Chatberatung unter www.rataufdraht.at

  • Telefonseelsorge: 142

    Telefon-, E-Mail- und Chat-Beratung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder Krisenzeiten, rund um die Uhr erreichbar, auch online unter www.telefonseelsorge.at

  • Ö3-Kummernummer: 116 123

    Erstanlaufstelle für alle Menschen in persönlichen Notlagen, täglich von 16:00 bis 24:00 Uhr

  • Frauenhelpline: 0800 222 555

    Vertrauliche Beratung bei Krisen, auch in diversen Fremdsprachen möglich. Rund um die Uhr erreichbar, auch online unter www.frauenhelpline.at.

    Eine Beratung ist auch für Gehörlose und Angehörige möglich: Tel. 0800 133 133 bzw. per E-Mail gehoerlosennotruf@polizei.gv.at

  • Männernotruf: 05 76 77

    Erste Anlaufstelle in Krisen- und Gewaltsituationen österreichweit rund um die Uhr erreichbar, auch online unter www.maennernotruf.at


BUCHTIPPS

Psychische Störungen verstehen

Dieses Sachbuch hilft Angehörigen und anderen Nahestehenden, psychische Störungen besser zu verstehen. Die häufigsten Krankheitsbilder werden beschrieben, Entstehungsbedingungen verständlich dargestellt. Alle, die rund um Betroffene beteiligt sind, werden dabei unterstützt, einen möglichst konstruktiven Umgang mit den auftretenden Belastungen und die richtige Balance zwischen Unterstützung und Abgrenzung zu finden. 

ISBN: 978-3-662631553

 

Die Welt im Rücken

„Wenn Sie bipolar sind, hat Ihr Leben keine Kontinuität mehr. Die Krankheit hat Ihre Vergangenheit zerschossen, und in noch stärkerem Maße bedroht sie Ihre Zukunft. Mit jeder manischen Episode wird Ihr Leben, wie Sie es kannten, weiter verunmöglicht.“ Der Autor Thomas Melle leidet seit vielen Jahren an der manisch-depressiven Erkrankung, auch bipolare Störung genannt. Er erzählt schonungslos von seinem Umgang mit der Krankheit, von persönlichen Dramen und langsamer Besserung – und gibt so einen außergewöhnlichen Einblick in das, was in einem Erkrankten vorgeht.

ISBN: 978-3-499272943

 

Liebe Angst, halt doch mal die Klappe!

Angst ist kein guter Ratgeber – aber dies ist ein guter und vor allem wirksamer Ratgeber gegen Angst und Panikattacken. Die Psychologin Klara Hanstein, ehemals selbst betroffen, zeigt, dass es möglich ist, sich selbst zu helfen. Zunächst braucht es etwas Wissen über unser Gehirn und unser Nervensystem, damit klar wird, wie Ängste eigentlich entstehen und wie wir den Kreislauf von Angst und Panik unterbrechen können.

ISBN: 978-3-833890666

 

Text: Karin Schrammel⎪Foto: iStock_ViktorCap, _pidjoe, _Elena Kaliniche

 

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