Blase im Dauerstress
Wiederkehrende Blasenentzündungen sind für Betroffene enorm belastend – und ein Ergebnis komplexer Faktoren.
Harnwegsinfekte gehören zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen überhaupt. Doch ihre Verteilung ist auffallend ungleich: Manche Patientinnen und Patienten leiden über Jahre unter immer neuen Episoden, andere bleiben ihr Leben lang verschont. Ein Zufall? Nein, sagt Prim. Univ.-Doz. Dr. Claus Riedl, Vorstand der urologischen Abteilung am Landesklinikum Baden-Mödling: „Es gibt eine klare individuelle Anfälligkeit.“ Im Zentrum steht oft eine angeborene Disposition. Bei bestimmten Menschen sind die Oberflächenstrukturen der Zellen im Harntrakt so gestaltet, dass sich Bakterien – insbesondere Escherichia coli – besonders leicht anheften können. „Diese Keime werden dann beim Wasserlassen nicht vollständig ausgeschwemmt“, so Riedl. „Sie bleiben haften und können immer wieder neue Entzündungen auslösen.“ Doch nicht alles ist genetisch vorgegeben. Auch der Lebensstil spielt eine entscheidende Rolle. Chronischer Stress, Schlafmangel, Rauchen, Alkohol oder Drogen schwächen das Immunsystem und senken die Abwehrkraft der Schleimhäute. „Je höher die individuelle Grundanfälligkeit ist, desto stärker wirken sich diese Faktoren aus“, betont Riedl. Hinzu kommen chronische Erkrankungen wie Diabetes, Autoimmunerkrankungen oder Krebs – ebenso deren Therapien. Sie verändern das Immunsystem und erhöhen die Infektanfälligkeit deutlich.
Prim. Univ.-Doz. Dr. Claus Riedl, Vorstand der Urologie am Landesklinikum Baden-Mödling
„Wiederkehrende Harnwegsinfekte erfordern Präzision, Geduld – und spezialisierte Erfahrung.“
Text: Michaela Neubauer⎪Fotos: iStock_Fahmi Ramdani; beigestellt