„Das Knie ist am meisten gefährdet“
Der Winter ist ideal für Skifahren, doch Verletzungen lassen nicht lange auf sich warten. EOA Dr. Matthias Leitner, MSc und OA Dr. Peter Ambrozy, Oberärzte an der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt, kennen die häufigsten Wintersportverletzungen und erklären, wie man sie behandelt und vorbeugt.
Welche Verletzungen zeigen Sie im Wintersport?
OA Dr. Peter Ambrozy: Im Wintersport – besonders beim Skifahren – gehören Verletzungen der unteren Extremität zu den häufigsten Verletzungen. Das Knie ist dabei am meisten gefährdet, weil der Ski den Fuß fixiert und Drehkräfte bei Stürzen direkt auf das Gelenk übertragen werden. Die Schulter ist häufig betroffen, typischerweise bei Stürzen auf den ausgestreckten Arm. Die Hüfte zeigt vor allem bei älteren Skifahrern Verletzungen, etwa Schenkelhalsfrakturen, begünstigt durch Osteoporose und direkte Sturzbelastung.
Welche Knieverletzungen treten bei Wintersportlerinnen und -sportler typischerweise auf und weshalb sind vor allem Kreuzband- und Meniskusschäden so verbreitet?
Ambrozy: Die häufigste schwere Knieverletzung ist der Riss des vorderen Kreuzbandes, ausgelöst durch Verdrehtraumen oder Verkanten des Skis. Ebenfalls oft betroffen sind die Menisken, die bei solchen Stürzen einreißen können. Unbehandelt führen diese Verletzungen zu Instabilität, Belastungsschmerzen und langfristig sogar zu frühzeitiger Arthrose. Häufig treten Kreuzband- und Meniskusschäden gemeinsam auf.
Welche Schulterverletzungen beobachten Sie bei Wintersportlerinnen und -sportler am häufigsten und wie entstehen sie meist?
Ambrozy: Besonders häufig sind Schulterluxationen, also Herausspringen des Oberarmknochens bei Stürzen auf den Arm. Rotatorenmanschettenrisse und Schlüsselbeinbrüche sind ebenfalls häufig, vor allem bei älteren Patientinnen und Patienten. Bei jüngeren Patientinnen und Patienten überwiegen Kapsel-Band-Verletzungen, während bei älteren Patientinnen und Patienten häufiger Sehnenrisse auftreten.
Stoßen Sie in Ihrer täglichen Praxis häufiger auf langanhaltende Knie- oder Schulterprobleme, die auf frühere Wintersportunfälle zurückgehen?
EOA Dr. Leitner, MSc: Im Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt behandeln wir überwiegend länger bestehende Beschwerden und Spätfolgen früherer Wintersportunfälle, etwa anhaltende Knie- oder Schulterprobleme. Gleichzeitiglegen wir großen Wert auf Prävention, um unsere Patientinnen und Patienten bestmöglich dabei zu unterstützen, sicher und gut vorbereitet in die Wintersaison zu starten.
Wann ist eine Operation notwendig?
Leitner: Ob eine Operation notwendig ist, hängt vom Ausmaß der Verletzung ab. Instabile Kreuzbandrisse, komplette Sehnenrupturen, wiederholte Schulterluxationen und komplexe Frakturen erfordern in der Regel einen operativen Eingriff, während kleinere Bandverletzungen, Prellungen, stabile Brüche oder Muskelverletzungen konservativ behandelt werden können. Faktoren wie das Alter, Schwellung, Begleitverletzungen und Aktivitätsniveau der Patientinnen und Patienten beeinflussen die Therapieentscheidung maßgeblich.
Was können Wintersportler tun, um Verletzungen zu vermeiden?
OA Dr. Ambrozy: Zur Vorbeugung von Verletzungen empfiehlt sich vor allem ein gezieltes Kraft- und Stabilisationstraining für Beine, Rumpf und Schultern. Zudem hilft es, sich vor dem Wintersport aufzuwärmen, die Skiausrüstung korrekt einzustellen, das Fahrverhalten an Können und Pistenbedingungen anzupassen und beieinem Sturz die Arme eng am Körper zu halten. Auch regelmäßige Pausen tragen dazu bei, Ermüdungsverletzungen zu vermeiden.
Erster Oberarzt Dr. Matthias Leitner, MSc
OA Dr. Peter Ambrozy
Text: Daniela Rittmannsberger-Kampel⎪Fotos: EKH, Lydia Schumer/KK, depositphotos.com/ luckyraccoon