Forschen von klein auf

Von Mathematik bis hin zur Technik: Im IZIBIZI kids corner in Wiener Neudorf gibt es seit einem Jahr einen MINT-Schwerpunkt mit vielen Experimenten und sogar Tieren.

Eine Teebeutel-Rakete hebt ab, eine kleine Lampe beginnt zu leuchten und die Kinder programmieren ihre „Bee-Bots“ selbstständig durch ein Labyrinth: In der MINT-Gruppe des IZIBIZI kids corner im IZ NÖ-Süd in Wiener Neudorf, der vom herzlichen Team des Hilfswerk Niederösterreich geführt wird, gehören diese Aha-Momente zum Alltag. Genau vor einem Jahr startete Pädagogin Franziska Pokorny ein Pilotprojekt, das sich zum festen Bestandteil des Kindergartenalltags entwickelte.

 

Franziska Pokorny
Pädagogin

 

Von Schnecken bis Strom

MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Ziel ist es, bereits die Kleinsten spielerisch an diese Themen heranzuführen, erklärt Franziska Pokorny. Die Pädagogin arbeitet jahrelang in der Kinderkrippe, ehe sie im Sommer vergangenen Jahres die Familiengruppe übernimmt. Mit dem Wechsel in die neue Gruppe entsteht auch die Idee, etwas Neues auszuprobieren. „Mich interessiert MINT sehr, deshalb habe ich mir gedacht, dass ich es einfach einmal ausprobiere.“ Da der IZIBIZI kids corner die private Tagesbetreuung von ecoplus ist, sind regelmäßig Technikerinnen und Techniker im Haus. Das weckt auch die Neugier der Kinder: „Die Kinder stellen ihnen regelmäßig Fragen wie ‚Was machst du da?‘ oder ‚Was ist das für ein Werkzeug?‘“, erzählt Pokorny. Der neue MINT-Bereich startet schließlich mit dem Einzug von Schnecken. Gemeinsam mit den Kindern richtet die Pädagogin ein Terrarium ein und beobachtet mit ihnen die neuen Bewohner. In der Gruppe gibt es außerdem einen Experimentierwagen mit verschiedenen Materialien, an dem selbst ausprobiert und entdeckt werden kann. „Ein typisches MINT-Thema ist Strom. Die Kinder können einfache Stromkreise nachbauen und ausprobieren, wann ein Licht angeht, ein Propeller fliegt oder ein Ton entsteht.“


„Kinder geben Themen vor“

Auch Magnetismus spielt eine große Rolle und wird mit verschiedenen Magnetspielen erforscht. Rund um das Thema Mathematik gibt es etwa Aufgaben zum Zählen, Ringe sowie ein Legetablett mit Licht, auf dem die Kinder geometrische Formen oder kleine Steine anordnen können. Für erste Erfahrungen mit Informatik steht im kids corner eine sogenannte Bee-Bot-Box zur Verfügung. Dabei handelt es sich um einen programmierbaren Lernroboter in Form einer Biene, mit dem die Kinder spielerisch erste Schritte im Programmieren machen können. Im Experimentierhaus wird schließlich gemeinsam ausprobiert und gestaunt: etwa bei einer Kerze im Wasser, über die ein Glas gestülpt wird, oder bei der sogenannten Teebeutel-Rakete. Welche Themen gerade im Mittelpunkt stehen, bestimmen vor allem die Interessen der Kinder. „Wir arbeiten prozessorientiert. Wenn sich die Kinder beispielsweise für das Fliegen im Sommerurlaub interessieren, greifen wir dieses Thema auf. Im Herbst sammeln wir Kastanien und überlegen gemeinsam, was wir daraus machen können. Kurt, unser Objekttechniker, bohrt gemeinsam mit den Kindern Löcher in die Kastanien und wir basteln Ketten daraus.“ Während Themen wie Strom oder Magnetismus dauerhaft ihren Platz haben, wird der Experimentierwagen regelmäßig neu bestückt. So gibt es für die Kinder immer wieder Neues zu entdecken, auszuprobieren und zu erforschen.


Lösungen selbst entdecken

Auf die Frage, wie MINT bei den Kindern selbst ankommt, hat Franziska Pokorny eine klare Antwort: „Sie lieben es. Der Wissensdurst der Kinder wird gefördert. Gerade in einer sehr digitalen Welt ist MINT wichtig. Mädchen beispielsweise werden so an das Handwerkliche herangeführt.“ Wird MINT in den Kindergartenalltag integriert, wirkt sich das in vielerlei Hinsicht positiv aus: Die Kinder entwickeln Selbstvertrauen, probieren selbst aus und finden eigene Lösungen. Sie erlernen den richtigen Umgang mit Werkzeugen und trainieren ihre Feinmotorik. Ihre Kreativität wird gestärkt. Sie entdecken Begabungen, können komplexe Zusammenhänge besser erfassen, entwickeln Lösungsvermögen und lernen, Probleme zu bewältigen. Und noch etwas beobachtet die Pädagogin durch MINT: „Die Kinder arbeiten intensiver miteinander. Die Größeren helfen beispielsweise den Kleineren viel mehr. Es ist einfach etwas anderes, als ‚nur‘ in der Puppenecke zu spielen.“


Ein Hotel für Ameisen

Für Franziska Pokorny war der Start des Schwerpunkts ein voller Erfolg: „Ich würde MINT auf jeden Fall weiterempfehlen und beibehalten. Es war zunächst ein Pilotprojekt, um zu sehen, wie es ankommt, wie gut es umsetzbar ist und wie die Integration funktioniert. Das Projekt hat sich bewährt.“ Ein Jahr nach dem Start des Schwerpunktes plant die Pädagogin, den Bereich zu erweitern. Fix geplant ist der Bau einer Matschküche, bei dem die Kinder mithelfen werden. Die Schnecken sind mittlerweile ausgezogen – stattdessen sollen bald Ameisen einziehen. Dafür hat Pokorny ein Ameisenhotel besorgt. So erfüllend das Arbeiten rund um den Schwerpunkt für die Pädagogin ist – es ist auch mit Herausforderungen verbunden: „Man muss alles so planen, dass es kindgerecht ist. Der Bereich muss für die Kleinsten mit einem Jahr genauso passend sein wie für die ‚schlauen Füchse‘ mit sechs Jahren. Der Arbeitsaufwand für mich als Pädagogin ist groß, aber ich mache das gerne. Wenn ich sehe, wie die Kinderaugen strahlen und wie gerne sie den Bereich bespielen, lohnt sich der Aufwand.“


Text: Daniela Rittmannsberger-Kampel⎪Fotos: istock Marija Stepanovic, Daniel Hinterramskogler

 

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