Insekten auf dem Vormarsch
Sommer und Sonne sorgen nicht nur für gute Laune, sondern auch für viele aktive Insekten. Expertinnen und Experten sprechen von einem guten Bienenjahr und rechnen – bei warmem und trockenem Wetter – auch mit vielen Wespen. Für Allergikerinnen und Allergiker ist daher besondere Vorsicht geboten: Schon ein einziger Stich kann schwere, manchmal lebensbedrohliche Reaktionen auslösen. Eine Insektengiftallergie lässt sich jedoch mit einer Allergie-Immuntherapie sehr gut behandeln. Ein Notfall-Adrenalin sollte in der warmen Jahreszeit immer mitgeführt werden.
Für Honigbienen begann das Jahr vielversprechend. Es gab weniger Winterverluste als üblich und die üppige Blüte im Frühjahr bot reichlich Nahrung. „Durch die häufigeren warmen Frühlinge beginnen Königinnen früher mit dem Nestbau und der Eiablage. Dadurch können die Bienenvölker bis zum Spätsommer besonders groß werden“, erklärt Dr. Gernot Kunz von der Karl-Franzens-Universität Graz. Gleichzeitig führt Trockenheit dazu, dass Sommerpflanzen weniger Nektar produzieren und kürzer blühen. Auch Wespen profitieren von warmem und trockenem Wetter. Ob es tatsächlich ein starkes Wespenjahr wird, hängt vom weiteren Wetterverlauf ab. Bleibt es warm, finden die Tiere genügend Nahrung und die Völker entwickeln sich gut. Ein kühler oder verregneter Sommer schwächt dagegen viele Nester.
Allergiker aufgepasst
Mehr als 300.000 Österreicherinnen und Österreicher sind gegen Bienen- oder Wespengift allergisch. Während ein Stich bei den meisten Menschen nur eine gerötete, schmerzende oder juckende Schwellung verursacht, kann es bei Allergikern zu Schwellungen im Gesicht oder Hals, Atemnot, Schwindel, Herzrasen oder Kreislaufproblemen kommen. Im schlimmsten Fall droht ein lebensbedrohlicher allergischer Schock. „Je schneller nach einem Stich Beschwerden auftreten, desto schwerer verläuft meist die Reaktion. Deshalb sollten Betroffene ihre Notfallmedikamente – vor allem ein Notfall-Adrenalin – immer bei sich tragen“, rät Allergologe Assoz.-Prof. Dr. Gunter Sturm.
Langfristiger Schutz durch Immuntherapie
Die allergen-spezifische Immuntherapie (AIT) ist die einzige Behandlung, die direkt an der Ursache der Allergie ansetzt. Dabei wird das Immunsystem schrittweise an das Insektengift gewöhnt und so ein zuverlässiger Schutz aufgebaut. Die Erfolgsrate liegt bei über 85 Prozent bei Bienengiftallergie und rund 95 Prozent bei Wespengiftallergie. Die Behandlung dauert drei bis fünf Jahre, wird von der Krankenkasse vollständig übernommen und ist auch für Kinder ab fünf Jahren zugelassen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt diese Therapie ausdrücklich.
Text: Daniela Rittmannsberger-Kampel⎪Foto: iStock_Magnus Jansson