Sonnenschutz für Kinderaugen

Sonnencreme, Kappe, Trinkflasche – vieles gehört im Sommer selbstverständlich in die Familientasche. Was dabei oft vergessen wird: Auch Kinderaugen brauchen Schutz, denn sie reagieren auf UV-Strahlung deutlich empfindlicher als die Augen von Erwachsenen.

Wenn die Tage länger werden, zieht es Familien hinaus: auf Spielplätze, an Badeseen, in Freibäder, in die Berge oder ans Meer. Kinder laufen, planschen, graben im Sand, schauen in den Himmel, blinzeln in die Sonne. Für sie ist der Sommer ein großes Abenteuer. Für ihre Augen kann er allerdings auch eine Belastung sein.

Denn Kinderaugen sind noch nicht so gut gegen UV-Strahlung geschützt wie die Augen Erwachsener. Die natürlichen Schutzmechanismen entwickeln sich erst mit der Zeit. Dadurch kann mehr schädliche Strahlung ins Auge gelangen. „Intensive Sonneneinstrahlung kann zu Reizungen, Entzündungen und langfristigen Schäden führen. Wer über Jahre hinweg ungeschützt starker Sonne ausgesetzt ist, erhöht zudem das Risiko späterer Augenerkrankungen wie Katarakt“, erklärt Prim. Dr. Peter Reinelt, Leiter der Augenabteilung der Barmherzigen Brüder Linz.

 

„Intensive Sonneneinstrahlung kann zu Reizungen, Entzündungen und langfristigen Schäden führen.“

Niemals direkt in die Sonne schauen

Gerade weil Kinder die Gefahr nicht einschätzen können, sind Eltern gefragt. Sie achten meist selbstverständlich auf Sonnenbrand, vergessen aber mitunter, dass auch die Augen empfindliche Organe sind. Besonders gefährlich ist direkte Sonneneinstrahlung. Kinder sollten daher früh lernen, niemals bewusst in die Sonne zu schauen – auch nicht „nur kurz“ oder im Spiel. Schon kurze direkte Einstrahlung kann die Netzhaut schädigen. Warnzeichen nach starker Sonneneinwirkung können verschwommenes Sehen, Lichtempfindlichkeit oder dunkle Flecken im Blickfeld sein. Treten solche Beschwerden auf, sollte rasch eine augenärztliche Untersuchung erfolgen. Das gilt besonders dann, wenn Kinder auffällig blinzeln, sich die Augen reiben, über Schmerzen klagen oder Licht plötzlich meiden. Für Eltern ist wichtig: Kinder können Beschwerden oft noch nicht genau beschreiben. Ein Kleinkind sagt vielleicht nicht, dass es verschwommen sieht, sondern wird quengelig, zieht sich zurück oder hält sich die Augen zu. Auch solche Veränderungen sollten ernst genommen werden.

Babys gehören in den Schatten

Für Babys gilt ein besonders klarer Grundsatz: keine direkte Sonne. Ihre Haut ist empfindlich, ihre Augen sind es ebenso. Der beste Schutz sind Schattenplätze, Kinderwagenverdecke, Sonnensegel und breitkrempige Hüte. Auch die intensive Mittagssonne sollte möglichst gemieden werden. Bei Kleinkindern kann zusätzlich eine Sonnenbrille sinnvoll sein – vorausgesetzt, sie schützt tatsächlich. Denn dunkle Gläser allein sagen wenig über die Qualität aus. Im Gegenteil: Eine dunkle Brille ohne ausreichenden UV-Schutz kann problematisch sein, weil sich die Pupillen dahinter erweitern und dadurch noch mehr Strahlung ins Auge gelangen kann.

Entscheidend sind 100 Prozent UVA- und UVB-Schutz, bruchsichere Gläser und ein angenehmer Sitz. Die Brille sollte nicht drücken, nicht rutschen und robust genug sein, um den Alltag mit Kindern auszuhalten. „Eltern sollten beim Kauf auf geprüfte Produkte mit CE-Kennzeichnung bzw. EU-Norm achten. Gerade bei kleinen Kindern entscheidet auch der Tragekomfort darüber, ob eine Brille akzeptiert wird. Eine gute Passform und robuste Materialien sind daher besonders wichtig“, ergänzt David Korzeniowski, Leiter der Augenoptik der Barmherzigen Brüder Linz. Hilfreich kann es sein, Kinder in die Auswahl einzubeziehen. Wer seine Brille selbst mit aussuchen darf, trägt sie oft lieber. Auch Vorbilder wirken: Wenn Eltern selbst Sonnenbrille und Kopfbedeckung tragen, wird der Schutz für Kinder schneller selbstverständlich.

 

Mst. David Korzeniowski, Leiter der Augenoptik der Barmherzigen Brüder Linz

 

Zusätzliche Reize

Nicht nur UV-Strahlung kann Kinderaugen belasten. Im Sommer kommen oft weitere Reizfaktoren dazu: Wind, Sandkörner, Chlorwasser, Salzwasser oder Sonnencreme, die beim Schwitzen in die Augen läuft. Besonders an Badeseen oder am Meer steigt die Belastung, weil Wasserflächen UV-Strahlung reflektieren und verstärken können.

Kinder greifen sich außerdem häufig mit sandigen oder schmutzigen Händen ins Gesicht. Gelangen kleine Partikel ins Auge, kann das die empfindliche Augenoberfläche reizen. Meist hilft vorsichtiges Spülen mit sauberem Wasser. Reiben sollten Kinder möglichst vermeiden, weil dadurch kleine Verletzungen entstehen können.

Bei anhaltender Rötung, Schmerzen, starkem Tränen, Lichtscheu oder auffälligem Verhalten ist eine augenärztliche Abklärung sinnvoll. Das gilt auch, wenn ein Fremdkörpergefühl bleibt oder das Kind ein Auge kaum öffnen möchte.

Spielen im Freien ist wichtig

Bei aller Vorsicht soll der Sommer Kindern nicht verleidet werden. Im Gegenteil: Zeit im Freien ist wichtig. Bewegung, Tageslicht und Spielen draußen fördern die Entwicklung – auch die der Augen. Studien zeigen, dass regelmäßiger Aufenthalt im Freien, idealerweise rund zwei Stunden oder mehr pro Tag, das Risiko für Kurzsichtigkeit senken kann. Es geht also nicht darum, Sonne grundsätzlich zu meiden. Entscheidend ist der richtige Umgang mit ihr: Schatten suchen, Mittagssonne meiden, Kopfbedeckung tragen und gute Sonnenbrillen verwenden – für einen guten Blick auf alles, was Kinderaugen entdecken wollen.

 

Kinderaugen in Zahlen

  • Bis zu 75 Prozent der UV-B-Strahlung können bei Kindern durch die Augenlinse gelangen – deutlich mehr als bei Erwachsenen. Der natürliche UV-Schutz des Auges ist im Kindesalter noch nicht vollständig entwickelt.

  • Bis etwa zum 20. Lebensjahr sind die Augenlinsen besonders klar und lassen mehr UV-Licht durch als später im Erwachsenenalter. Deshalb ist wirksamer UV-Schutz bereits im Kleinkindalter wichtig.

  • 100 Prozent UVA- und UVB-Schutz sollte eine gute Kindersonnenbrille bieten. Wichtig sind außerdem CE-Kennzeichnung, bruchsichere Gläser und eine kindgerechte Passform.

  • Auch im Schatten erreicht UV-Strahlung die Augen: Sie wird in der Atmosphäre gestreut und von hellen Flächen wie Wasser, Sand oder Beton reflektiert.

  • Rund zwei Stunden im Freien pro Tag gelten als günstig für die Augenentwicklung und können helfen, das Risiko für Kurzsichtigkeit zu senken – vorausgesetzt, die Augen sind gut geschützt.

  • Zwischen 6 und 12 Jahren gilt die Entwicklung der Kurzsichtigkeit als besonders beeinflussbar. In dieser Phase spielen Tageslicht, eine möglichst reduzierte Bildschirmzeit und Naharbeit eine wichtige Rolle.


Fotos: iStock_ D-Keine _anatoliycherkas, Iryna Mukovoz; Unsplash by GettyImages, Zoe Goldstein, Barmherzige Brüder Linz

 

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