Warum Fieber oft unentdeckt bleibt
Fieber ist eines der wichtigsten Warnzeichen des Körpers – und trotzdem wird es im Krankenhaus oft zu spät erkannt. Eine aktuelle Studie der Medizinische Universität Graz zeigt, dass moderne, kontinuierliche Messmethoden hier einen großen Unterschied machen können. Im Mittelpunkt steht das System SteadyTemp®, entwickelt von der SteadySense GmbH. Es misst die Körpertemperatur nicht nur zu einzelnen Zeitpunkten, sondern laufend. So entsteht aus einem einzelnen Wert ein klarer Verlauf, der mehr über den Zustand des Körpers aussagt. Genau dieser kontinuierliche Blick eröffnet neue Möglichkeiten in der medizinischen Überwachung.
Zuverlässigere Hinweise
Werner Koele, CEO von SteadySense
Im Klinikalltag wird die Temperatur meist in bestimmten Abständen gemessen. Genau hier liegt das Problem: Fieber kann zwischen diesen Messungen auftreten und wieder verschwinden, ohne bemerkt zu werden. Laut Werner Koele, CEO von SteadySense, gehört die Körpertemperatur zwar zu den wichtigsten Vitalwerten, wird aber oft nur punktuell erfasst. Dadurch besteht die Gefahr, dass Infektionen unentdeckt bleiben und Behandlungen zu spät starten. Die Studie, veröffentlicht im Journal of Clinical Monitoring and Computing, begleitete 103 chirurgische Patientinnen und Patienten über elf Monate. Das Ergebnis ist klar: Herkömmliche Infrarotmessungen erkannten nur einen Teil der Fieberfälle, während das kontinuierliche Monitoring fast alle wichtigen Ereignisse erfasste. Besonders deutlich wurde der Unterschied in kritischen Situationen, etwa wenn Antibiotika begonnen oder angepasst werden mussten. Hier lieferte die kontinuierliche Messung deutlich verlässlichere Hinweise. Auch bei schweren Verläufen, die eine weitere Operation nötig machten, zeigte sich das System klar überlegen.
Weitere Anwendungsfelder
Die genaueren Daten wirken sich direkt auf den Klinikalltag aus. Pflegekräfte werden gezielt über wichtige Temperaturveränderungen informiert und erhalten klare Hinweise, was zu tun ist. Das vereinfacht Abläufe und macht Entscheidungen einheitlicher. Dadurch steigt nicht nur die Sicherheit für Patientinnen und Patienten, auch das Personal wird spürbar entlastet. Gleichzeitig lässt sich der Krankenhausbetrieb besser planen, und vorhandene Ressourcen können effizienter genutzt werden. Die Technologie wird inzwischen in vielen weiteren Bereichen getestet. Forschungsprojekte, unter anderem mit der Harvard Medical School und dem Beth Israel Deaconess Medical Center, zeigen neue Einsatzmöglichkeiten. Dazu gehört die frühe Erkennung von Fieber bei immungeschwächten Menschen in der Onkologie, der Einsatz bei Neugeborenen im Vergleich zu bisherigen Messmethoden sowie die Überwachung von Wundheilung und Durchblutung in der Gefäßchirurgie. Auch in der Telemedizin bietet die kontinuierliche Temperaturmessung Vorteile, etwa bei der Betreuung nach einem Krankenhausaufenthalt zu Hause. Die Studienergebnisse zeigen deutlich, wie wertvoll kontinuierlich erfasste Vitaldaten sind. Sie helfen dabei, früher und besser zu entscheiden und die medizinische Versorgung vorausschauender zu gestalten. Damit zeichnet sich ein Wandel in der Patientenüberwachung ab – hin zu einer Medizin, die nicht nur reagiert, sondern Entwicklungen früh erkennt und gezielt darauf eingeht.
Foto: iStock_ dolgachov, steadysense