Zu viel um die Ohren?
Ein Pfeifen, Summen oder Rauschen ohne äußere Ursache: Tinnitus betrifft in Österreich bis zu eine Million Menschen – rund 200.000 davon chronisch. GESUND & LEBEN erklärt, warum frühes Handeln entscheidend ist und weshalb der richtige Umgang oft wichtiger ist als eine medikamentöse Therapie.
Ohrgeräusche zählen zu den häufigsten Anliegen in der HNO-Praxis und sind medizinisch wie subjektiv herausfordernd. Ausprägung und Belastung variieren stark und reichen von vorübergehenden Irritationen bis hin zu massivem Leidensdruck im Alltag; eine objektive Messung ist nicht möglich. Umso wichtiger sind eine sorgfältige Abklärung, realistische Erwartungen und ein individueller Umgang mit den Beschwerden. Welche Schritte dabei entscheidend sind und welche Unterstützung Betroffene erwarten können, erklärt Clin. Ass. Prof. Priv.-Doz. Dr. Astrid Magele, MBA, Oberärztin an der Klinischen Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten am Universitätsklinikum St. Pölten.
Clin. Ass. Prof. Priv.-Doz. Dr. Astrid Magele, MBA, Klinische Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten am Universitätsklinikum St. Pölten
Viele Menschen kennen ein kurzfristiges Pfeifen im Ohr. Ab wann spricht man aus medizinischer Sicht von einem Tinnitus?
Von Tinnitus sprechen wir, wenn ein Geräusch ohne äußere Schallquelle wahrgenommen wird und länger als etwa fünf Minuten anhält. Dauert dieses Ohrgeräusch weniger als drei Monate, bezeichnen wir es als akuten Tinnitus. Hält es länger als drei Monate an, spricht man von einem chronischen Tinnitus.
Gibt es das typische „Tinnitus-Geräusch“?
Nein, das gibt es nicht. Betroffene beschreiben ganz unterschiedliche Klangvarianten – Pfeifen, Rauschen, Brummen oder Summen. Der Tinnitus kann ein- oder beidseitig auftreten. Eine Sonderform ist der pulsierende Tinnitus, der oft auf eine organische Ursache wie Gefäßveränderungen zurückzuführen ist.
Welche Mechanismen können einen Tinnitus auslösen – und warum ist die Ursachenforschung so schwierig?
Häufig liegt eine Schädigung der Sinneszellen im Innenohr vor, etwa im Rahmen eines Hörsturzes oder nach Lärmbelastung. Auch neurologische Faktoren spielen eine Rolle, etwa Veränderungen entlang der Hörnervenbahnen. Der genaue Entstehungsmechanismus ist jedoch bis heute nicht vollständig geklärt – auch deshalb, weil Tinnitus sehr individuell erlebt wird und mehrere Faktoren zusammenwirken.
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Text: Carolin Rosmann⎪Fotos: iStock_weiyi zhu; Robert Herbst