„Trauer ist die Lösung“
Trauer gehört zum Leben – nicht nur nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Trauerbegleiterin Judith Gahleitner zeigt Wege auf, wie man mit seiner Trauer umgehen kann.
„Wir müssen durch die Trauer durch. Man sollte die Trauer zulassen, Tränen dürfen dabei fließen, denn sie bringen etwas in Bewegung.“
Sie begegnet uns öfter im Leben als gedacht: die Trauer. Wenn man einen geliebten Menschen verliert, ist die Trauer verständlich und groß. Doch sie kehrt häufig auch ein, wenn sich das Leben verändert. Trennungen, ein unerfüllter Kinderwunsch, die Wechseljahre oder die Pensionierung können Gründe für Trauer sein. Häufig wird sie unterdrückt oder weggeschoben. Judith Gahleitner, Lebens- und Sozialberaterin mit Schwerpunkt Trauerbegleitung, ist sich aber sicher: Trauer ist die Lösung, nicht das Problem.
Frühe Begegnung mit Tod
Die heute 56-Jährige wächst in Niederösterreich auf. Schon als Kind begegnet sie dem Tod, als ihr Großvater stirbt. „Mein Großvater ist friedlich im offenen Sarg gelegen. Das war für mich kein erschreckendes Erlebnis“, erinnert sie sich. Auch der Tod des zweiten Großvaters einige Jahre später prägt sie nicht negativ. Als Jugendliche interessiert sich Judith bereits stark für das Thema Sterben: „Ich wollte wissen, wie man stirbt und was dabei geschieht.“ Mit 14 liest sie ein Buch über Nahtoderfahrungen und hält darüber ein Referat. Nach der Matura beginnt Judith Gahleitner ein Medizinstudium, das sie später abbricht. Stattdessen wird sie Radiologietechnologin und arbeitet in der Mammografie. Mit Mitte Zwanzig lässt sie sich außerdem zur Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleiterin ausbilden und engagiert sich ehrenamtlich in der mobilen Hospizbegleitung der Caritas, wo sie einmal pro Woche unheilbar kranke Menschen besucht. Dabei entdeckt sie eine besondere Stärke: „Ich kann viel aushalten und möchte nicht weg. Ich bin in der Lage, einfach da zu bleiben.“ Später absolviert sie eine weitere Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin und macht sich 2011 – nach der Geburt ihres zweiten Kindes – mit eigener Praxis selbstständig.
Judith Gahleitner, Lebens- und Sozialberaterin
Psychosoziale Beratung, Robert Richtergasse 11/1, 2482 Münchendorf
Prähab Zentrum, Hauptstraße 111, 2384 Breitenfurt bei Wien
„Man muss Trauer nicht allein durchstehen.“
Text: Daniela Rittmannsberger-Kampel⎪Fotos: iStock_pocketlight, Judith Gahleitner