Auf der Alm gibt’s koa Sünd
Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd, heißt es. Dafür gibt es auf der Teichalm Kräuterduft, Weitblick, kulinarische Versuchungen und ein Wellnessrefugium, dessen Ruf längst weit über die Steiermark hinausreicht. GESUND & LEBEN-Chefredakteurin Michaela Neubauer überzeugt sich selbst davon.
Die Vorfreude ist groß, als ich am Freitagnachmittag den pinken Trolley in den Kofferraum meines E-Autos hieve und mich gemeinsam mit meiner besten Freundin auf den Weg in die Oststeiermark mache. Knapp zweieinhalb Stunden Autofahrt sind es vom Wiener Stadtrand auf die Teichalm. Dort erwartet uns ein Relax-Wochenende im Almwellness Hotel Pierer. Kurz vor unserem Ziel verdunkelt sich der Himmel und heftige Gewitterschauer prasseln auf die Windschutzscheibe. Doch kaum sind wir angekommen, reißt die Wolkendecke wieder auf. Fast so, als wollte uns die Teichalm mit einem spektakulären Empfang Willkommen heißen.
Der erste Eindruck zählt
Die nächste Überraschung erwartet uns bereits auf dem Weg durch die Garage. Statt grauer Betonwände begegnen uns großformatige Airbrush-Bilder: Mitglieder der Familie Pierer, Kühe, ein Kletterpark und Szenen aus dem Almenland. Geschaffen hat sie der Künstler und Tätowierer André Zechmann. Es sei sein erstes Projekt dieser Art gewesen, erzählt Guest-Relations-Managerin Angelika Ziesler später. Allein die Entscheidung, aus einer Garage, einem Ort, der üblicherweise kaum mehr sein soll als ein wetterfester Parkplatz, ein begehbares Kunstwerk zu machen, sagt viel über die Kreativität und den Pioniergeist der Hoteliersfamilie aus. Was sich heute als eines der renommiertesten Wellnesshotels Österreichs einen Namen gemacht hat, begann vor mehr als 130 Jahren mit einer kleinen Hütte, auf der Wanderlustige übernachten konnten. Heute führen die Brüder Alfred und Franz Pierer das Vier-Sterne-Plus-Hotel in vierter Generation und haben es Schritt für Schritt weiterentwickelt. Das Resort umfasst 87 Zimmer, darunter 20 Suiten, einen über 5.000 Quadratmeter großen Wellnessbereich, einen Naturbadeteich und sogar einen dreistöckigen Weintresor mit rund 8.000 Flaschen. Erst im heurigen April wurden Lobby und Buffetbereich neu gestaltet. Naturmaterialien, klare Strukturen und regionale Produkte prägen seither das Entrée und die wie ein Feinkostladen angelegte „Genusswelt“. Obwohl das Hotel über Jahrzehnte gewachsen ist, wirkt es wie aus einem Guss. „Jeder neue Bereich muss sich harmonisch ins Bestehende einfügen“, erklärt Ziesler, die seit fast 13 Jahren im Haus arbeitet. Deshalb setzt Familie Pierer seit vielen Jahren auf langfristige Partnerschaften mit regionalen Betrieben, etwa mit einer Tischlerei aus Fladnitz. Weil diese das Haus bis ins kleinste Detail kennt, entstehen keine Stilbrüche, sondern Räume, die wirken, als wären sie von Anfang an genau so geplant gewesen. Das merken wir auch beim Betreten unserer Almsuite, die uns mit viel Holz, warmen Naturtönen und einem beeindruckenden Ausblick empfängt. Lange bleiben wir trotzdem nicht im Zimmer, denn es zieht uns hinaus zum Naturbadeteich. Während die Luft nach dem Gewitter angenehm frisch ist, liegen wir auf den Holzliegen, hören nichts außer Vogelgezwitscher und freuen uns auf das sechsgängige Abendessen. Ein entschleunigendes Wochenende kann beginnen.
Die Kunst des Nichtstuns
Am Samstag zeigt sich die Teichalm von ihrer besten Seite. Nach einem ausgiebigen Frühstück wartet eine Honig-Kräuterduftöl-Massage auf uns. Nach 50 Minuten fühle ich mich wie neu geboren und der Masseur verabschiedet mich mit dem Ratschlag, zuhause öfter eine Faszienrolle zu verwenden. Danach ziehen wir weiter durch die Wellnesslandschaft: ins Dampfbad zum Kräuter-Essenz-Peeling. Sieben Saunen, mehrere Pools, Whirlpools, Infrarotliegen und großzügige Ruheräume verteilen sich auf einen Textilbereich und einen textilfreien Bereich für Gäste ab 14 Jahren. Trotz voller Auslastung wirkt nichts gedrängt, was nicht nur an den weitläufigen Ruheräumen, sondern auch an den umfangreichen Sport-Angeboten, Wander- und E-Bike-Strecken und vielen Ausflugsmöglichkeiten liegt. Hinter der Mischung aus Natur, Wellness und steirischer Bodenständigkeit steht die sogenannte A.L.M.-Methode. Entwickelt wurde sie, um sichtbar zu machen, was das Haus schon lange lebt. Das A steht für „authentic“, das L für „local“, das M für „mindful“ – authentisch, regional und achtsam. Getragen wird sie von vier Säulen: Ernährung, Bewegung, Schlaf und Behandlungen. Regionalität beginnt dabei nicht erst am Teller. Viele Lieferanten stammen aus einem Umkreis von höchstens einer Dreiviertelstunde. Kräuter, Fleisch und zahlreiche weitere Produkte kommen aus dem Almenland. Das Wasser wird aus eigenen Quellen gewonnen, auf Klimaanlagen verzichtet man bewusst, denn die frische Almluft kühlt die Zimmer auf ganz natürliche Weise. Auch alte Hausmittel sollen wieder ins Gedächtnis rücken. Kräuterwickel, Düfte und Anwendungen greifen auf das zurück, was rund um das Hotel wächst. Dazu kommen Yoga-, Pilates-, Hypnose- und Fastenretreats als Einladung, Gewohnheiten zu hinterfragen und wieder bewusster auf den eigenen Körper zu hören.
Salzstangerl mit Vorgeschichte
Der Sonntag beginnt pünktlich um acht Uhr mit Yogalates. Sanfte Übungen aus Yoga und Pilates holen auch jene Muskeln aus dem Schlaf, die sich am Vortag unter der Massage noch erfolgreich versteckt hatten. Frisch und munter fahren wir anschließend zum nahe gelegenen Waldpark Hochreiter. Dieser ist nicht nur für Familien mit Kindern ein Hit, auch wir kommen aus dem Staunen nicht heraus: Waschbären turnen durch ihr Gehege, Rehe und Hirsche beobachten die Besucherinnen und Besucher mit gelassener Distanz, Lamas grinsen uns mit ihren schiefen Zähnen an. Besonders entzückend sind die jungen Hängebauchschweine, die mit großer Ernsthaftigkeit durch ihr Zuhause tapsen. Danach brauchen wir Kaffee. Und ein Salzstangerl. Nicht irgendeines, sondern jenes von Oma Pierer, von dem mir meine Kollegin bereits in Wien vorgeschwärmt hat. „Du musst es probieren – auch, wenn du normalerweise keine Salzstangerl isst“, hat sie gesagt. Und sie hatte recht. Beim sonntäglichen Almbrunch werden außerdem noch viele andere Köstlichkeiten serviert. Und es zeigt sich: Trotz der bewussten und regionalen Küche, kommt der Genuss nicht zu kurz. Nach dem Essen sitzen wir ein letztes Mal draußen. Die Sonne wärmt unsere Gesichter, doch über den Hügeln sammeln sich bereits wieder dunkle Wolken. Kurz bevor das nächste Gewitter aufzieht, packen wir unsere Sachen und treten die Rückfahrt nach Wien an. Auf der Alm gibt’s vielleicht tatsächlich koa Sünd. Und falls doch, dann schmeckt sie vermutlich nach Salzstangerl, duftet nach Almkräutern und hinterlässt ein erstaunlich entspanntes Gewissen.
Almwellness Hotel Pierer
Teichalm 77, 8163 Fladnitz
Tel.: 03179/7172
hotel.pierer@almurlaub.at
www.hotel-pierer.at
Text: Michaela Neubauer⎪Fotos: Harald Eisenberger
Die Pressereise erfolgte auf freundliche Einladung von Familie Pierer.