Der smarte Kopf der Cobra
Bernhard Treibenreif, Chef der Spezialeinheit Cobra, hat einen nervenaufreibenden Beruf. Terror und Gewalt sind allgegenwärtig und haben ihm viele schlaflose Nächte bereitet. In seiner Freizeit engagiert er sich in seiner Heimatgemeinde für das Rote Kreuz und für Kultur.
Herr Treibenreif, Sie stammen ursprünglich aus Oberösterreich. Was hat Sie dazu gebracht, zur Gendarmerie und später zur Cobra zu gehen?
Nach meiner Matura und nach Absolvierung der Ausbildung zum Reserveoffizier des Österreichischen Bundesheeres hat mich eine Karriere im öffentlichen Sicherheitswesen interessiert. Deshalb bin ich eines Tages auf meinen Heimat-Gendarmerieposten in Oberösterreich gegangen, habe mich beworben und wurde eingestellt. In meinem Basisdienst war ich unter anderem als Alpin-Polizist in den wunderschönen Bezirken Gmunden und Vöcklabruck tätig, wurde sonst aber schwerpunktmäßig im Kriminaldienst eingesetzt. Das interessierte mich sehr. Nach meiner Offiziersausbildung in Mödling konnte ich 1994 nicht nach Oberösterreich zurückkehren, weil kein Leitungsposten frei war. Da die physische Leistungsfähigkeit gegeben war und mich die Cobra schon damals interessierte, habe ich mich beworben, wurde genommen und war nach der Cobra-Grundausbildung Einsatzleiter und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. 2003 wechselte mein damaliger Chef überraschend in die Privatwirtschaft. Ich war schon stellvertretender Kommandant und wurde vom Innenminister mit der Cobra-Führung betraut.
Die Nacht von Annaberg 2013, der Terroranschlag in Wien 2020, der Amoklauf in Graz 2025 – Sie waren bei all diesen Einsätzen involviert. Welcher hat Sie persönlich am meisten geprägt?
Kein Einsatz ist wie der andere und hier Vergleiche anzustrengen, fällt schwer. Eines haben sie aber gemeinsam: All diese kriminellen Taten gehen mit großem menschlichem Leid einher. Für die Polizei und die Cobra-Spezialkräfte ist es das Ziel, dieses Leid zu beenden und eine weitere Gefährdung für andere, oft Unbeteiligte, abzuwenden. Das ist oft für alle Einsatzkräfte hoch riskant und bringt hohe physische und psychische Belastungen mit sich. Nach dem Amoklauf im Grazer Gymnasium 2025 wurde der Polizei von den Notärztinnen und Notärzten rückgemeldet, dass die Cobra und die Polizei-Einsatzsanitäter aufgrund ihres äußerst kompetenten Erste-Hilfe-Einsatzes mehreren schwerverletzten Menschen das Leben gerettet haben. Und in diesem Moment denkt man sich, dass hier etwas richtig gemacht worden ist. Eigentlich kann man den Einsatzbeamten und den Angehörigen der Blaulichtorganisationen für all das, was sie leisten, schlicht nur danke sagen.
Bernhard Treibenreif ist auch Vizepräsident des Österreichischen Jagdgebrauchshundeverbands, hier bei der „Apropos Jagd“ in der Arena Nova in Wiener Neustadt.
Sie sind passionierter Jäger und leiten den Fachausschuss „Sicherheit im Jagdbetrieb“ im NÖ Landesjagdverband. Was bedeutet die Jagd für Sie?
Ich komme vom Land und bin in einer ländlich-bäuerlichen Struktur aufgewachsen. Mich hat die Jagd deshalb von Kindesbeinen an begleitet. Sie gehört in den ländlichen Regionen meiner Einschätzung nach auch heute noch zur bestehenden Landeskultur und ist eine Selbstverständlichkeit, so wie es eine Selbstverständlichkeit ist, dass das Wild in der Notzeit gefüttert wird, dass ein im Straßenverkehr verletztes Wild von seinen Qualen erlöst wird oder dass es im Herbst in den Gasthäusern Wildbretwochen gibt. Durch meinen Hauptberuf ist mir auch Sicherheit in der Jagd ein großes Anliegen und ich bringe deshalb auch hier ehrenamtlich meine Erfahrung zur Steigerung der Sicherheit ein.
Seit 2021 sind Sie Ortsstellenleiter des Roten Kreuzes in Bad Erlach. Der Cobra-Chef als Rettungsdienstleiter – wie kam es dazu?
Die Ortsstelle Bad Erlach wurde immer von Menschen geführt, die sich mit viel Herzblut engagiert haben. Damals suchte man nach einer Führungspersönlichkeit mit beruflicher Blaulichterfahrung. Da ich wusste, dass ich ein hervorragend eingespieltes Team übernehmen würde, fiel mir die Entscheidung leicht. Ohne dieses Team wäre die Aufgabe auch nicht möglich, denn ich kann mich nicht in die tägliche Rettungsdienstarbeit einbringen. Meine Aufgabe ist es, Logistik und Infrastruktur zu organisieren – und das mache ich sehr gerne. Wer sich bei der Feuerwehr, im Tierheim, in der Kinder- oder Seniorenbetreuung oder bei einer Rettungsorganisation engagiert, tut das aus Überzeugung und nicht wegen eines persönlichen Vorteils. Aus meiner internationalen Berufserfahrung weiß ich, dass das Freiwilligenwesen in Österreich außergewöhnlich professionell und effizient organisiert ist. Viele Länder beneiden uns um dieses große zivilgesellschaftliche Engagement. Es ist schön, selbst etwas für die Allgemeinheit beitragen zu können – auch wenn es unbezahlt ist.
Sie engagieren sich in Ihrer Heimatgemeinde Bad Erlach in Niederösterreich für einige Projekte, etwa das Kulturzentrum Hackerhaus. Welche Rolle spielt es für Sie persönlich?
„Die Jagd gehört zu unserer Landeskultur und ist eine Selbst-verständlichkeit.“
Das Regionalmuseum Hackerhaus ist mit Sicherheit eines der jüngsten Vorzeigeprojekte unserer Marktgemeinde. Unser Altbürgermeister Hans Rädler hat hier mit viel Weitsicht und mit Unterstützung von regionalen Historikerinnen und Historikern sowie des Landes NÖ ein dunkles Stück Zeitgeschichte in unserer Region professionell aufgearbeitet. Zur Eröffnung des Zeitgeschichtemuseums reisten zahlreiche Angehörige aus der ganzen Welt an, um noch einmal dem Schicksal ihrer Verwandten zu gedenken, die in diesem Haus bzw. in der Region gewohnt haben. Eine Erinnerung, die geblieben ist, war, als eine betagte Dame zielstrebig auf eine in einem Bilderrahmen befindliche Lederhose zusteuerte und sagte: „Das ist die Lederhose meines Onkels.“ Darunter stand: „deportiert und ermordet in Ausschwitz 1943“.
Sie betreiben privat einen kleinen Weingarten an der Römerstraße bei Weikersdorf und laden jedes Jahr zur Weinlese ein. Wie wichtig ist das als Ausgleich?
Meine Frau kommt aus einem bäuerlichen Betrieb in Weikersdorf am Steinfeld und sie führt die Landwirtschaft. Natürlich arbeite ich tatkräftig mit und trage im Rahmen meiner Möglichkeiten zum Bestand des Betriebes bei. Für mich ist dies keine Belastung, sondern im Gegenteil, ich mache das gerne. Es gehört schlicht auch zum Fortbestand dieses historischen Weinbaubetriebes dazu und wir haben diese Verantwortung als Familie gemeinsam übernommen, denn auch die Kinder helfen schon tatkräftig bei der Weingarten- oder bei der Waldarbeit mit.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft – für Österreich und für Bad Erlach?
Österreich ist ein schönes Land mit einer hoher Leistungsbereitschaft der Menschen, mit leistungsfähigen Unternehmen sowie mit einer funktionierenden Verwaltung. In allen internationalen Umfragen zu den diversen Themen liegen wir weltweit im Spitzenfeld, so auch beim Thema Sicherheit. Auch die Entwicklung meiner Heimatgemeinde, von einem Arbeiter- und Industriestandort zu einem Thermen-, Kur- und Gesundheitsstandort ist ein Beispiel, wie man mit Visionen und Tatkraft Zukunft gestalten kann.
Text: Doris Simhofe⎪Fotos: BEIGESTELLT, DSE/EKO Cobra, Markus Schlögl